Am von Eva Piepenbrock

Schreiben Sie Eva Piepenbrock eine Nachricht

Ein Start-up als Knochenjob

Einmal die Woche tauschen Malin Heitmeyer und Esther Knopp die Computermaus gegen den Fleischwolf. Dann stellen sie aus Schlacht-Nebenprodukten wie Pansen und Innereien Hundefutter her. Ziemlich hartgesotten. Dabei gehört ihnen ihr Start-up nur zu 25%.

Mit beiden Händen umfasst Esther Knopp das Rinderherz. Fast fünf Kilogramm wiegt es und von den Frauenhänden ist nun nicht mehr viel zu sehen, so groß ist es. Im Kühlraum einer ehemaligen Schlachterei in Ladbergen, nördliches Münsterland, überprüft die 26-Jährige die Qualität des am Morgen frisch angelieferten Fleisches: Rinderherzen, Rindernieren, Pansen, Luftröhren, Blättermägen, Innereien und sehniges Muskelfleisch sind dabei - alles Schlacht-Nebenprodukte, die auf deutschen Tellern nicht vorkommen.

Das Rinderherz wiegt fast fünf Kilo. Es wird zu Hundefutter verarbeitet, weil es in Deutschland für den Humanverzehr nicht vermarktet werden kann. (Bildquelle: Drießen)

Daher verarbeiten Esther Knopp und ihre 27-jährige Freundin und Mitgründerin Malin Heitmeyer das Fleisch in Handarbeit zu Hundefutter. Unter dem Namen Feed & Meat vertreiben sie es in einem Webshop. Die durchaus gewöhnungsbedürftigen Zutaten stammen aus dem mittelständischen Schlachtunternehmen Steinemann. Das Unternehmen und das Start-up sind Partner innerhalb derselben Holding.

Barf: Hundefutter-Trend mit Frischfleisch

Seinem Vierbeiner rohes Fleisch zu füttern, liegt derzeit bei einer wachsenden Gruppe von Hundehaltern im Trend. Die Branche spricht dabei von „barfen“. Die Abkürzung BARF steht für biologisch artgerechte Rohfütterung. Der Haushund soll das fressen, was auch sein Verwandter, der Wolf, zu sich nimmt.

Esther Knopp (links) und Malin Heitmeyer haben gemeinsam gegründet. Zur Finanzierung haben sie sich einem Unternehmen angeschlossen, dem jetzt 75 % ihres Start-ups gehört. (Bildquelle: Drießen)

Auch wenn diese Art der Fütterung von der Bundestierärztekammer kritisch gesehen wird, sind die Absolventinnen eines Agrar- und Lebensmittelwirtschafts-Studiums persönlich überzeugt. „Barfen ist kein Trend, sondern eine Notwendigkeit. Es kommt nichts in Futter, was dort nicht reingehört“, sagt Esther und erklärt, dass auch Hunde unter Unverträglichkeiten und Allergien leiden. Zum Beispiel könne ein Hund Getreide gar nicht verwerten. Damit werde herkömmliches Hundefutter oft gestreckt. „Auch Federn, Krallen oder Urin haben in Hundefutter nichts verloren“, ergänzt Malin.

Eigentlich wollte ich nie in die Fleischbranche. Die ist ganz schön tough.

Esther Knopp, Gründerin True Feed GmbH & Co. KG

Also stehen die beiden gebürtigen Osnabrückerinnen einmal die Woche in ihrer Metzger-Kluft in der eigens wieder fit gemachten Schlachterei an Fleischwolf, Mischer und Schneidetisch und nehmen ihre Interpretation von artgerechtem Hundefutter selbst in die Hand. Und zwar im wörtlichen Sinne: Derzeit verarbeiten sie 600 bis 700 kg Fleisch pro Woche - eigenhändig. Dabei erinnern die jungen Frauen übrigens keinesfalls an Hammerwerferinnen. Sie laden die gute halbe Tonne Fleisch am Morgen ab, sortieren sie, schneiden die Zutaten vor und stellen sie zusammen. Jede einzelne Maschine wird befüllt und wieder entladen. Das Hin- und Hertragen der schweren Kisten und das Abwiegen und Verpacken aller 500-g-Portionen kommen dazu. Ein...