Am von Anja Rüweling

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Ein Stück Galloway-Rind

„Erst verkaufen, dann schlachten“ lautet der Ansatz beim Crowdbutchering. Das Start-up „EinStückLand" vermarktet Galloways aus Schleswig-Holstein. Sie verkaufen die Rinder online und verschicken die Fleischpakete deutschlandweit.

Beim ersten Klönschnack, wie es in Norddeutschland so schön heißt, mit Hinrich Carstensen wird schnell klar: Der gebürtige Schleswig-Holsteiner lebt und liebt den Norden. Anfang 2017 hatte er zusammen mit seiner Freundin Lina Kypke die Idee, Galloway-Rinder online zu vermarkten. Erst wenn das ganze Rind verkauft ist, wird es geschlachtet und die Fleischpakete an Kunden in ganz Deutschland verschickt. Zwischen Bestellung und Lieferung können schon mal bis zu vier Wochen liegen.

Neuer Name, alte Tradition

Crowdbutchering nennt sich der Ansatz, bei dem sich eine unbekannte Gemeinschaft, die sogenannte Crowd, ein Rind oder ein Schwein teilt bis es ganzheitlich verwertet ist. Ein neuer Name für etwas, das bis vor einigen Jahrzehnten in vielen Gemeinden normal war: Ein Landwirt lässt sein Rind oder sein Schwein schlachten und teilt das Fleisch in der Nachbarschaft auf. Verarbeitet werden alle Teilstücke, um möglichst lange in den Genuss von Fleisch zu kommen. Dieses Konzept lebt neu auf, mit dem Unterschied, dass die Abnehmer nicht mehr nur in der Nachbarschaft sitzen müssen.

Hinrich Carstensen und Lina Kypke betreiben mit ihrem Start-up EinStückLand Crowdbutchering. Ihre Kundschaft teilt sich ein Galloway-Rind. (Bildquelle: Hinrich Carstensen)

Der Vater vermarktet analog, der Sohn digital

„Den Denkanstoß hat uns mein Vater gegeben. Meine Eltern vermarkten die Galloways ganz klassisch im Freundes- und Bekanntenkreis“, erzählt Hinrich. Wie sein Vater ist auch der Sohn kein Landwirt, sondern Bauingenieur. Im Nebenerwerb zog Familie Carstensen aber immer schon Galloways auf. Im Norden gibt es aufgrund ähnlicher Wetterbedingungen viele Züchter der schottischen Rinderrasse, die ganzjährig auf der Weide gehalten werden kann. Ein gutes Gebiet also, um neben den drei Rindern vom Vater auch die Galloways anderer Züchter zu vermarkten.

Das Interesse bei den Landwirten war anfangs nicht da. Viele meinten, dass es schon genug Vermarkter gibt.

Hinrich Carstensen

Hinrich und Lina schrieben die gelisteten Züchter der Galloway-Züchter-Interessengemeinschaft Nord (GIN) an und stellten ihnen ihre Idee vor. Heute, zwei Jahre nach der ersten Kontaktaufnahme, beziehen sie Galloways von acht Haltern aus Schleswig-Holstein. „Das Interesse bei den Landwirten war anfangs nicht da“, erzählt Hinrich. „Viele meinten, dass es schon genug Vermarkter gibt“. Keiner von ihnen verkaufte bis dahin über einen eigenen Online Shop. Eine Chance für die Gründer, sich abzusetzen.

Der Internetauftritt samt Online Shop stand im Sommer 2017. Wer sich die Seite anschaut, fühlt sich versetzt in ein romantisches Idyll im Norden Deutschlands. Die Texte und Bilder liefert Hinrich selbst. Als Fotograf weiß er die Galloways, die Landschaft und auch Lina und sich selbst ästhetisch in Szene zu setzen. Detailliert beschreibt Hinrich, woher das Fleisch kommt, wie es verschickt wird und worauf es den Gründern ankommt. Lina, gelernte Krankenschwester und Jurastudentin, gibt...