Am von Justin Brinkmann

Fleisch- und Milchsubstitute

Ersatzprodukte auch 2035 noch Nischenmarkt

Obwohl der Markt für alternative Eiweiße für Fleisch, Milch und Molkereiprodukte in Europa in den kommenden Jahren deutlich wachsen dürfte, werden die Anteile im Vergleich tierischer Produkte unterhalb des zweistelligen Prozentbereichs bleiben. Das zeigt eine Studie der Rabobank.

In einer umfassenden Analyse hat die niederländische Rabobank die Marktentwicklungen alternativer Proteine untersucht. Das Ergebnis: Der Markt für pflanzliche Ersatzprodukte wird weiter wachsen. Dennoch wird es sich nach Einschätzung der Studienmacher auch im Jahr 2035 „nur“ um einen Nischenmarkt handeln. Die Studie geht davon aus, dass Fleisch- und Milchersatzprodukte bis 2035 in den 27 Ländern der Europäischen Union und im Vereinigten Königreich etwa 4 bzw. 9 % Verbrauchsanteile haben werden. Zum Vergleich: Der durchschnittliche Verbrauchsanteil in Europa beträgt derzeit 0,5 % bei Fleischersatzprodukten und 3 % bei Milchalternativen. Insgesamt wird also mit einer Steigerung von mindestens 3,5 Prozentpunkten gerechnet. Voraussetzung dafür sind zahlreiche Innovationen bei Produkten, Technologien und Produktionsprozessen – auch wenn Milch- und Fleischersatzprodukten in den vergangenen Jahren bereits einen enormen Qualitätssprung erfahren haben.

Erwartetes Marktwachstum für Proteinalternativen.  (Bildquelle: Nielsen, IRI, Euromonitor, Rabobank)

Die Rabobank schätzt den Markt für Milchersatz im 2020 Jahr in der EU-28 auf mehr als 1,5 Mio. t. Bis 2035 könnte dieser Wert auf fast 4,4 Mio. t anwachsen. Der Anteil der Substitute am Gesamtmarkt für Milchprodukte würde dadurch auf 9 % gesteigert werden. Für den gleichen Zeitraum prognostizieren die Studienmacher einen jährlichen Nachfragerückgang von 0,7 % für Frischmilch. Auf den Märkten für andere Molkereierzeugnisse wie Joghurt, Eis und Käse sei hingegen mit einem rasch wachsenden Segment von Ersatzprodukten zu rechnen – im Vergleich zum Gesamtmarkt zeigt sich aber auch hier ein eher geringer Anteil. 

Gründe für alternative Proteine sind vielfältig

Beim Kauf von Milchersatzprodukten spielt für viele Verbraucher vor allem die eigene Gesundheit eine Rolle. Menschen mit Laktoseintoleranz suchen beispielsweise nach Alternativen zu Milch und landen bei Soja, Mandeln, Reis, Kokos und zunehmend auch Hafer. Dank des Gesundheitsaspekts könnten Hersteller von Milchaustauschern noch einen höheren Preis im Vergleich zu normaler Milch verlangen, so die Studie.
Bis 2035 prognostizieren die Studienmacher einen jährlichen Nachfragerückgang von 0,7 % für Frischmilch.
Auszug
Auch beim Fleischersatz spielt die Gesundheit eine Rolle – wenn auch etwas weniger stark. Vor allem die Babyboomer essen der Studie zufolge aus gesundheitlichen Gründen bewusst weniger Fleisch und setzen auf Fleischersatz. Klima- und Tierschutz sind hier laut Rabobank die wichtigeren Motive. Zusätzlich wird der Anstieg der Zahl der Menschen, die an einigen Tagen in der Woche bewusst auf tierisches Fleisch oder Fisch verzichten (Flexitarismus), die Nachfrage nach Fleischersatz erhöhen. Darüber hinaus sind die Verbraucher neugierig auf neue Geschmacksrichtungen. Und nicht zuletzt wächst die Nachfrage nach einfach zuzubereitenden Produkten.

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Die Studie besagt ferner, dass der Vormarsch von Fleisch- und Milchersatzprodukten den tierischen Proteinsektoren tatsächlich einen Teil des erwarteten Umsatzwachstums „kosten“ wird. Dass relevante Absatzmengen aber unter Druck geraten, schließen die Studienmacher nahezu aus.


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