Am von Anne Kokenbrink

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Pflanzliche Ernährung

Fleisch- und Milchalternativen auf der Überholspur

Hafermilch, vegetarische Wurst und pflanzlicher Käse sind längst keine Nischenprodukte mehr. Das zeigen zumindest die Ergebnisse einer europaweiten Studie. Nicht nur in Deutschland wächst der Markt für Fleisch- und Milchalternativen rasant. f3 hat die Ergebnisse des Reports zusammengefasst.  

Die Deutschen lieben Hafermilch, die Franzosen bevorzugen Mandelmilch. Die Belgier greifen zu Sojajoghurt, in den Niederlanden ist pflanzlicher Käse im Kommen. Und die Briten verzehren die meiste vegetarische Wurst. Die Europäer greifen im Supermarktregal verstärkt zu pflanzlichen Produkten. Das zeigt der „Plant based food sector report“ – und offenbart zahlreiche Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern. Das Forscherteam von „Smart Protein“, einem von der EU geförderten Projekt, hat dafür Supermarktdaten aus über zehn europäischen Ländern ausgewertet. Die Studie liefert tiefe Einblicke in europäische Verbrauchergewohnheiten. Die Daten stammen vom Marktforschungsinstitut Nielsen. Zusammengestellt hat sie die Ernährungsorganisation ProVeg, wie aus einer Pressemitteilung hervorgeht.

Die Geschmäcker sind verschieden

Pflanzliche Fleischalternativen konnten europaweit und besonders in Deutschland klare Umsatzzuwächse verzeichnen.  (Bildquelle: Nielsen Market Track)

In Sachen Fleischalternativen ist Deutschland Spitzenreiter: Hierzulande ist der Umsatz innerhalb eines Jahres um 76% gewachsen. Auf dem zweiten Platz landet Österreich, wo der Umsatz um die Hälfte gestiegen ist, gefolgt von Großbritannien und Spanien mit je einem Drittel mehr Umsatz. Schlusslicht ist Italien mit nur 1% Wachstum – im Land von Pizza, Pasta & Co. ist noch viel Luft nach oben.
Insgesamt wuchs der Verkaufswert von Lebensmitteln auf pflanzlicher Basis in Supermärkten in den vergangenen zwei Jahren um 97%.
Auszug
Bei Milchalternativen haben die Briten die Nase vorn: Dort ist der Umsatz mit Hafermilch, Mandeldrinks und Sojajoghurt um die Hälfte gestiegen. Die Deutschen waren mit 42% Umsatzwachstum etwas zurückhaltender, stehen im europaweiten Vergleich aber dennoch weit vorne.
„Besonders in Discountern hat die Nachfrage stark zugenommen“, sagt Dr. Kai-Brit Bechtold, Marktforscherin bei der Ernährungsorganisation ProVeg. „Das zeigt, dass pflanzliche Alternativen keine Nischenprodukte mehr sind, sondern in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind.“

Bei pflanzlichen Milchalternativen bewegt sich Deutschland im oberen Mittelfeld. Hier sind die Umsatzzuwächse geringer als bei pflanzlichen Fleischprodukten. (Bildquelle: Nielsen Market Track)

Wie sieht es in Deutschland aus? 

  • Hierzulande ist bei Fleisch auf pflanzlicher Basis Tiefkühlware (z. B. Burger Patties, Nuggets, Hackfleisch) (123 Mio. €) das am stärksten entwickelte Segment, gefolgt von pflanzlichem Aufschnitt und Fleischaufstrichen (29 Mio. €). Die Umsätze stiegen im vergangenen Jahr sprunghaft an, mit einem dreistelligen Wachstum des Verkaufswertes, vor allem in den Discountern.
  • Den höchsten Verkaufswert (396 Mio. €) hatte in Deutschland von 2018 bis 2020 mit Abstand pflanzliche Milch, sowohl in Supermärkten als auch in Discountern.
  • Mit knapp der Hälfte des Verkaufswerts (181 Mio. €) landen pflanzliche Fleischprodukte auf dem zweiten Platz. Danach folgen pflanzlicher Joghurt, Eis und Käse. Alle Kategorien wiesen in den vergangenen zwei Jahren ein zweistelliges Umsatzwachstum im Verkaufswert auf, wobei Fleisch und Fisch auf pflanzlicher Basis ein dreistelliges Wachstum zeigten.
  • Bei pflanzlicher Milch (396 Mio. €) hatte Hafermilch (184 Mio. €) den höchsten Umsatzwert, gefolgt von Mandel (82 Mio. €) und Soja (74 Mio. €).
  • Insgesamt wuchs der Verkaufswert von Lebensmitteln auf pflanzlicher Basis in Supermärkten in den vergangenen zwei Jahren um 97%, während das Verkaufsvolumen um 80 % stieg.
  • Discounter verzeichnen ein noch höheres Wachstum: Hier sind Anstiege von 114 % beim Verkaufswert und beim Verkaufsvolumen pflanzlicher Produkte um 92 % erkennbar.

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