Am von Eva Piepenbrock

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Foodreport 2021

Hülsenfrüchte, Anti-Einheitskörper, Essen „to go“

75 Fachleute haben Tipps abgegeben, welche Food-Trends in diesem Jahr sichtbar werden. Neben einigen „Evergreens“ wie pflanzliche Ernährung sind auch einige Neuheiten dabei.

Wie essen wir in der kommenden Dekade? Was ist den Verbrauchern und Verbraucherinnen wichtig? Wie verändert Corona unser Essverhalten? Ein kürzlich veröffentlichter Trendreport sammelt die Prognosen von 75 Fachleuten und Influencern, die dem „Nutrition Hub“ angehören, einem Netzwerk für Ernährung. Gründerin Dr. Simone Frey erläutert: „In unserem Report analysieren wir keine kurzlebigen Food-Trends. Stattdessen verraten Expertinnen, welches Ernährungsverhalten sie beobachten. Was essen die Menschen? Warum und wie essen sie? Und was bewegt sie dabei? Das ist bisher einzigartig.“ 
Die aufkommende Lebensmittelvielfalt im pflanzlichen Bereich zieht auch Leute an, denen es schwerer fällt, auf tierische Produkte zu verzichten.
Helen Bauhaus

Trend 1 bis 5: Hülsenfrüchte, Ernährungsmythen und Anti-Einheitskörper

  • 72 % der befragten Expertinnen nannten vegane und pflanzenbasierte Ernährung als wichtigste Entwicklung der nächsten Dekade. Martin Schlatzer, Wissenschaftler an der Universität für Bodenkultur in Wien, erklärt: „Der kritische Blick der Konsumentinnen auf die Intensivtierhaltung hat sich durch die COVID-19-Ausbrüche in Schlachthäusern verschärft und das Bewusstsein für pflanzenbetonte Ernährungsweisen gesteigert.“ Vermehrt werde eine Ernährung nachgefragt, die aus Hülsenfrüchten, Getreide, Gemüse, Nüssen, Samen oder Früchten besteht – und kaum auf tierische Produkte setzt.
  • Die personalisierte Ernährung ist mit 59 % der Nennungen die zweitwichtigste Entwicklung der nächsten Dekade. Dabei werden individualisierte Ernährungskonzepte erstellt, um die Ernährung an persönliche Vorlieben und Bedürfnisse anzupassen.
  • 55 % der Expertinnen nannten klimaneutrale und nachhaltige Ernährung als Trend – also eine Ernährungsweise, die geringe Auswirkungen auf die Umwelt hat. Helen Bauhaus von der Deutschen Sporthochschule Köln sagt:  „Die aufkommende Lebensmittelvielfalt im pflanzlichen Bereich zieht auch Leute an, denen es schwerer fällt, auf tierische Produkte zu verzichten.“
  • Auf Platz vier der Trends stehen „Health at Every Size“ (HAES) und Intuitives Essen. HAES ist eine medizinisch erprobte, gewichtsneutrale Anleitung für mehr Gesundheit und Wohlbefinden. Dabei spielen Selbstakzeptanz, intuitive Ernährung und Bewegung aus Freude eine zentrale Rolle. Der Trend geht weg vom Streben nach einem Schönheitsideal oder Einheitskörper und hin zu mehr Achtsamkeit und individuellem Wohlbefinden.
  • 25 % der Befragten platzierten Mythen und falsche Ernährungsinformationen an fünfter Stelle der zehn wichtigsten Trends. Das Stimmungsbild ist eindeutig: Es besteht viel Irrglaube bei Ernährungsthemen. In der Ernährungsberatung und -therapie beispielsweise treffen die Therapeutinnen vermehrt auf Menschen, die durch falsche Informationen verunsichert sind. Die Ernährungstherapeutin Edith Sichtbar wird von ihren Patientinnen oft auf Ernährungsmythen angesprochen. Berufskollegin Susanne Lindenthal berichtet, dass immer mehr auf Influencerinnen aus den sozialen Medien gehört werde. Ihre Klientinnen könnten kaum bewerten, ob diese Informationen wissenschaftlich haltbar seien. 

Betriebliche Gesundheitsförderung, „to go“ und Ernährungsbildung

Essen „to go“ ist ein Trend, der in Sachen Ernährung wohl nicht mehr wegzudenken ist. (Bildquelle: Kampus Production/Pexels)

  • Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF): „Ein sitzender Lebensstil in Kombination mit falscher Ernährung ist nach wie vor ein Problem“, sagt Helen Bauhaus von der Deutschen Sporthochschule Köln. Eine höhere Nachfrage seitens der Unternehmen registriert Caroline Ackermann vom Studio für Ernährungsberatung Dr. Ambrosius: „Der Zusammenhang zwischen gesunder Ernährung sowie gesunden und leistungsfähigen Mitarbeitern ist in den Köpfen der Arbeitgeberinnen angekommen. COVID-19 trägt zu diesem Bewusstsein bei.“
  • Ernährungsbildung: Das BZfE richtet ab 2021 ein Referat Ernährungsbildung ein. Bildungsangebote zum Thema Ernährung und nachhaltige Entwicklung werden stärker in den Lehrplänen implementiert. 
  • Mahlzeitenersatz & Essen „to go“: Holger Pfefferle verknüpft die Trends des mobilen Arbeitens und der flexiblen Arbeitszeiten mit der gestiegenen Popularität flexibler Mahlzeiten; Essen „to go" spiele dabei eine zentrale Rolle.
  • Digitalisierung in der Ernährungstherapie: Der Einsatz digitaler Technologien in der Ernährungstherapie hat 2020 stark zugenommen, da Verbraucherinnen durch das Arbeiten im Home Office – oft verbunden mit einer Gewichtszunahme – aufgeschlossener für digitale Angebote wurden.
  • Bewusstsein für gesunde Ernährung: Generell sahen 12 % der Befragten das Bewusstsein für gesunde Ernährung als eine der wichtigen Entwicklungen der nächsten Dekade.

2050: Deutschland is(s)t klimaneutral 

von Dr. Simone K. Frey

Wie werden Landwirte und Landwirtinnen künftig arbeiten? Wie kann eine klimaneutrale Lebensmittelproduktion aussehen? „Nutrition Hub“-Gründerin Simone Frey spielt die Ergebnisse des Roundtables...

„Soul Food“ und Stress: Wie Corona unsere Ernährung verändert

2020 ist dem Report zufolge die Nachfrage nach Ernährungsberatung und -therapie stark angestiegen. „Die Corona-Situation stresst und belastet viele Klientinnen. Viele finden im Essen ein Ventil für diese Emotionen“, sagt Juliane Isbrecht von der Akademie für Sport und Gesundheit. Gleichzeitig kochen viele Menschen vermehrt selbst. „Viele Patienten klagen darüber, dass sie zugenommen haben und interessieren sich jetzt für gesunde Ernährung“, so die Ernährungsberaterin Caroline Ackermann. Viele Verbraucher haben angefangen, selbst zu fermentieren oder selbst Brot zu backen, es gibt ein gesteigertes Interesse an Lebensmitteln, die das Immunsystem unterstützen.


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