Am von Anne Kokenbrink

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Klimabilanz von Lebensmitteln

Klima-Initiative für mehr Transparenz im Handel? 

Wie die Klimabilanz von Lebensmitteln ausfällt, lässt sich im Supermarkt kaum nachvollziehen. Vier Unternehmen wollen das ändern. Mit der Initiative „Together for Carbon Labelling“ verpflichten sie sich, gemeinsame Standards zur CO2e-Kennzeichnung von Lebensmitteln zu entwickeln.

Wie viel Fett, Salz und Zucker in einem Lebensmittel stecken, das zeigt seit vergangenem Jahr der von der Bundesregierung eingeführte Nutri-Score auf einer Skala von A bis E. Doch wie klimaschädlich ein Produkt ist, wie viel CO2 und andere Treibhausgase (CO2e) bei seiner Herstellung entstehen, dafür gibt es hierzulande noch kein einheitliches Label. 
Dem wollen einige Lebensmittelunternehmen und die Klimaschutzorganisation „GermanZero“ offenbar entgegenwirken: Unter dem Namen „Together for Carbon Labelling“ verpflichten sich FRoSTA, mymuesli, Nestlé Deutschland und Oatly zur Entwicklung einheitlicher Standards zur CO2e-Kennzeichnung von Lebensmitteln. Unter der Koordination von GermanZero wollen sie Lösungen für mehr Transparenz in der Lebensmittelindustrie erarbeiten, heißt es in einer Pressemitteilung.

Die wahren Kosten von Lebensmitteln

von Laura von Ketteler

Was würde ein Kilo Rindfleisch kosten, wenn Treiber wie Stickstoff- und Treibhausgasemissionen entlang der Wertschöpfungskette mit eingerechnet würden? An welcher Stelle der Lieferkette werden...

Die Initiative  baue auf einer von 57.067 Bürgern unterzeichneten Petition zur gesetzlichen CO2e-Kennzeichnung von Lebensmitteln auf, die von Oatly initiiert und von zahlreichen Lebensmittelunternehmen und Organisationen unterstützt wurde. Vor einem Jahr wurde die Petition öffentlich im Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages debattiert – da bislang aber keine Antwort vorliegt, gingen die Unternehmen nun einen eigenen Weg, heißt es in der Mitteilung.
Ziel der Initiative sei es, die Rahmenbedingungen und Kriterien für die CO2e-Kennzeichnung von Lebensmitteln zu identifizieren. Auf dieser Grundlage solle ein umsetzbarer, vereinheitlichter und kontrollierbarer Standard erarbeitet werden. Die Basis der Zusammenarbeit bildet laut Angaben ein Code of Conduct, dem sich alle Projektpartner verpflichten. Ein wissenschaftlicher Expertenbeirat solle die Projektpartner zukünftig in ihren Entscheidungen unterstützen.
Das sollte sich ändern, damit die Verbraucher sich schon beim Einkauf bewusst für klimafreundliche Produkte entscheiden können.
Sebastian Bernbacher
„Wir berechnen bei FRoSTA bereits seit vielen Jahren die CO2e-Fußabdrücke aller unserer Produkte und veröffentlichen sie auf unserer Webseite. Diese Fußabdrücke auf die Verpackung zu drucken macht allerdings bisher für uns keinen Sinn, da es keine einheitliche Berechnungsmethode gibt. Das sollte sich ändern, damit die Verbraucher sich schon beim Einkauf bewusst für klimafreundliche Produkte entscheiden können. Einfach ist das überhaupt nicht, aber zwingend nötig”, erklärt Sebastian Bernbacher, Marketing Director FRoSTA.
„Langfristig würden wir uns wünschen, dass Lebensmittel nicht nur nach ihrem CO2e-Ausstoß, sondern ganzheitlich im Hinblick auf ihre Umweltauswirkungen gekennzeichnet werden – zum Beispiel wieviel Wasser oder Fläche sie in der Herstellung verbrauchen. Um das zu erreichen, setzen wir uns auch für eine gemeinsame europäische Methodik zur Berechnung der Umweltauswirkungen ein“, sagt Anke Stübing, Head of Sustainability Nestlé Deutschland.
Die Klimaschutzorganisation GermanZero begleitet die Initiative. Unternehmen, die sich beteiligen möchten, können auf der Seite der Initiative for Carbon Labelling Kontakt aufnehmen.