Am von Patrick Otte

Insektenburger

Made aus Maden

Insekten als Nahrung: Das ist für die „Bugfoundation“ mehr als eine exotische Idee. Sie vertreiben seit April eine Burger-Frikadelle aus Käfermaden. Auf den Startschuss haben sie vier Jahre lang hingearbeitet.

Es ragen weder dünne Beinchen noch zarte Flügel oder glänzende Chitinpanzer aus dem Burger-Brötchen. Der Geschmack ist leicht nussig. Die Konsistenz des Patties erinnert an eine Falafel. Aber die Bulette hat es in sich: Sie besteht zu über 30 % aus zermahlenen Buffalowürmern, der Made des Getreideschimmelkäfers.

Erst der Hype. Und dann?

Mittlerweile kann der Burgerfreund sie zu Hause selbst garen. Für knapp sechs Euro ist sie entweder als Mini-Patty im Sechserpack oder im Doppelpack in normaler Burgergröße in über 300 Rewe-Märkten in Deutschland erhältlich. Hinter dem Insekten-Patty steht die Bugfoundation aus Osnabrück mit ihren Gründern Baris Özel, 31 Jahre, und Max Krämer, 32 Jahre.

Den 20. April 2018 werden die beiden gebürtigen Bremer nicht so schnell vergessen. An dem Tag fiel der Startschuss für den Verkauf ihres Insekten-Patties in einer Rewe-Filiale in Aachen. Aus dem Verkaufsstart machten die beiden Gründer ein regelrechtes Happening mit DJ und Gratis-Verkostung. Filialleiter Michael Reinartz hatte im Vorfeld die Bushaltestellen der Printenstadt mit Werbung für den Insektenburger plakatieren lassen. Für ihn hatte es auch einen großen PR-Effekt, der erste Markt in Deutschland zu sein, der Insektenburger-Bratlinge verkauft.

In den ersten beiden Wochen gingen 300 Pakete über seine Ladentheke. Nach dem anfänglichen Hype sind es laut Michael Reinartz pro Woche noch 15 bis 20 Pakete. „Sie laufen besser als die Tiefkühlpatties aus Fleisch“, sagt der Filialleiter.

Max Krämer (links) und Baris Özel haben die Bugfoundation gegründet. Sie wollen Insekten als Nahrungsmittel etablieren. (Bildquelle: Drießen)

Insekten wie Gambas sehen

Mit dem Burger-Patty möchte Max Krämer gemeinsam mit seinem Partner Baris Özel Insekten auch in Europa als Lebensmittel etablieren. Für 2 Mrd. Menschen vor allem entlang des Äquators stehen die Sechsbeiner bereits auf dem Speiseplan. Doch in unseren Breiten springt bei vielen Verbrauchern eher das Kopfkino an: Sie sehen kriechende Tierchen – der Ekel siegt. „Der Burger soll keine Mutprobe sein, sondern durch seinen Geschmack überzeugen“, sagt Max. Für ihn gehören Insekten auf europäische Teller. Vor allem, wenn der Ruf nach mehr Nachhaltigkeit lauter wird. Denn ihre Produktion verbraucht wenig Ressourcen und stößt kaum Treibhausgase aus. „Gambas und Sushi essen die Deutschen mittlerweile auch. Es ist einfach eine Sache der Gewöhnung“, meint Baris.

In unseren Breiten springt bei vielen Verbrauchern eher das Kopfkino an: Sie sehen kriechende Tierchen – der Ekel siegt.

Auszug

Erlaubnis erst durch neue Verordnung

Dass sie ihren Burger-Patty überhaupt in Deutschland vertreiben, erlaubte erst eine...