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Lebensmittelverschwendung

Mit einem smarten Mülleimer gegen Foodwaste

Das Schweizer Start-up "Kitro" analysiert mit KI Abfallreste. Damit möchten die Gründerinnen der Lebensmittelverschwendung in der Gastronomie entgegenarbeiten, wie Anastasia Hofmann im f3-Interview berichtet.

f3 - farm. food. future :

Was ist "Kitro" und was macht ihr?

Anastasia Hofmann :

Bei "Kitro" fokussieren wir uns auf die automatische Lebensmittelmessung in der Gastronomie. Dazu haben wir eine intelligente Müllwaage entwickelt. In Kantinen und Großküchen werden beliebige Mülleimer auf eine "rollende Waage" gestellt. Eine Kamera nimmt von oben den Abfall auf und unsere Software wertet die Bilder und entstandenen Daten mithilfe eines selbstlernenden Algorithmus aus.

f3:

Was und wen wollt ihr damit erreichen?

Mitgründerin Anastasia Hofmann erzählt im Interview über ihr intelligentes Start-up für Lebensmittelabfälle. (Bildquelle: Kitro)

Anastasia Hofmann:

Wir wollten etwas "Einfaches" entwickeln, das Lebensmittelabfälle quantifiziert und später dann Prozesse optimiert. Damit richten wir uns insbesondere an Kantinen von Krankenhäusern oder Universitäten, die Hotellerie und Gastronomie und somit an Küchenchefs, Restaurant- und Hotelmanager sowie Betriebsleiter.

Lebensmittel spezifischer einsetzen

f3:

Wie genau könnt ihr die Zielgruppe unterstützen?

Anastasia Hofmann :

Die Kunden nutzen unsere Hardware zum Messen und die Software für die Auswertung der Daten und Bilder. Sie sehen damit zum Einen, was zu viel produziert wurde und zum Anderen, was vom Gast zurück kommt. Dementsprechend können das Menü oder die Bestellungen angepasst werden. Ein Ansatz ist auch, das Wochenmenü so zu entwickeln, dass Überreste vom Vortag am darauffolgenden Tag im Menü Verwendung finden.

Bislang haben wir in über 80 Küchen in der Schweiz gemessen sowie erste Messungen in Deutschland und Österreich durchgeführt.
Anastasia Hofmann
f3:

Wie seid ihr auf das Thema Foodwaste aufmerksam geworden? Was ist euer Hintergrund?

Anastasia Hofmann:

Meine Mitgründerin Naomi und ich haben uns auf der Hotelfachschule Lausanne kennen gelernt. Wir haben vorher und während des Studiums in der Gastronomie gearbeitet. Dabei ist uns bewusst geworden, wieviel Lebensmittel weggeschmissen werden "müssen". Wir hatten die Idee für unsere Gründung im letzten Semester. 2016 sind wir zunächst mit einem Factsheet auf Betriebe in der Gastronomie zugegangen, um zu fragen, ob unsere Idee überhaupt interessant ist. Weil sie es war, haben wir mit Studenten von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich einen Prototypen gebaut und den weiter entwickelt.

Es fehlt an Standards in Bezug auf Lebensmittelverschwendung

In Kantinen und Großküchen werden beliebige Mülleimer auf eine "rollende Waage" gestellt. Eine Kamera nimmt von oben den Abfall auf und unsere Software wertet die Bilder und entstandenen Daten mithilfe eines selbstlernenden Algorithmus aus. (Bildquelle: Kitro)

f3 :

Wie ging es weiter und wo steht ihr heute?

Anastasia Hofmann:

Wir haben unser Start-up 2017 gegründet und unser Unternehmen mit Förderungen aus der Schweiz und von der EU aufgebaut. Später kamen Investoren hinzu. Mittlerweile sind wir 10 Leute im Team und verkaufen unser Produkt an Kunden. Bislang haben wir in über 80 Küchen in der Schweiz gemessen sowie erste Messungen in Deutschland und Österreich durchgeführt. Aktuell sind wir dabei, unsere Beratungsleitung weiter auszubauen, um den Kunden zu zeigen, wo sie noch Anpassungen vornehmen können.

Wir haben festgestellt, dass viele Kunden gar nicht wissen, was viel Foodwaste ist und wieviel Abfall pro Tag "ok" ist.
Anastasia Hofmann
f3 :

Wo wollt ihr in der Zukunft hin? Was sind eure Pläne?

Das Frankfurter Start-up „Knärzje“ stellt Bier aus aussortiertem Brot her. Die Gründer Daniel und Ralf sammeln Geld bei der Crowd ein, um die ersten Schritte in Richtung Biozertifizierung und...

Internationale Benchmarks entwickeln

Anastasia Hofmann :

Kurzfristig wollen wir unser Produkt soweit haben, dass wir skalieren können in der EU und in anderen Ländern. Langfristig wollen wir Produkte entwickeln, die der Gastronomie aber auch anderen Industrien helfen, nachhaltig zu arbeiten. Im Foodwaste-Bereich ist es außerdem wichtig, dass wir internationale Standards und Benchmarks entwickeln, damit die Industrie überhaupt weiß, was normal ist.

f3:

Was genau ist damit gemeint?

Anastasia Hofmann:

Wir haben festgestellt, dass viele Kunden gar nicht wissen, was viel Foodwaste ist und wieviel Abfall pro Tag "ok" ist. Diese Daten wollen wir liefern, Standards in diesem Bereich entwickeln und unsere Beratung dahingehend verbessern.


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