Am von Ute Heimann

Direktvermarktung

Mit Genuss Beziehungen schaffen

Genussrechte sind für Direktvermarkter viel mehr als reine Geldbeschaffung. Die Anleihe bindet die Kunden an den Betrieb und die geben es mit einer enormen Wertschätzung für die Arbeit der Landwirtsfamilie zurück. Auf der anderen Seite haben auch die Geldgeber etwas davon: Erkenntnisgewinn und Zinsen „zum Anbeißen“.

Dieser Beitrag erschienen zuerst in der HOFdirekt
Umbau der Käserei, Vergrößerung des Hofladens, Einrichtung eines Schlachthauses – wer Kapital für ein Vorhaben benötigt, geht zur Bank und nimmt einen Kredit auf. Doch es geht auch anders, etwa mit Genussrechten. Dahinter steht eine gemeinschaftsgetragene Finanzierung, die für eine enge Bindung zwischen Kunden und Betrieb sorgt. Wie sie funktioniert und für wen sie geeignet ist, hat HOFdirekt Petra Wähning gefragt, freiberufliche Beraterin für die Ländliche Entwicklung in Bayern.

Petra Wähning ist als freiberufliche Beraterin für die Ländliche Entwicklung in Bayern unterwegs. (Bildquelle: Privat)

HOFdirekt:

Was sind Genussrechte?

Petra Wähning:

Genussrechte sind gängige Finanzierungsinstrumente und eine gute Ergänzung zu Bankdarlehen. Viel wichtiger ist jedoch ihre Funktion als Beziehungsinstrument. Genussrechte sind für Betriebe wesentlich mehr als reine Geldbeschaffung, vor allem wenn man sich für die spezielle Ausprägung von Genussrechten entscheidet, bei der Zinszahlungen und/oder Rückzahlung in Naturalien erfolgt. In der Regel handelt es sich dabei um Produkte des Betriebes – Fleisch, Käse, Gemüse. Anleger erleben direkt, was ihr Geld ermöglicht und erfahren oft erst so, was die bäuerliche und handwerkliche Erzeugung von Lebensmitteln wirklich bedeutet. Dies fördert die Wertschätzung und die Identifikation der Anleger und Kunden mit „ihrem“ Betrieb. Oft werden sie zu dessen Fürsprecher und erhöhen dadurch den Bekanntheitsgrad. Die Bindung an den Betrieb macht Genussrechte zu einem regionalen Invest, die Geldgeber kommen aus dem direkten Umfeld.

Grundvoraussetzung ist, dass der Betrieb Produkte für Endkunden erzeugt und direkt vermarktet.
Petra Wähning
HOFdirekt:

Für welche Betriebe und Vorhaben sind Genussrechte geeignet?

Petra Wähning:

Grundvoraussetzung ist, dass der Betrieb Produkte für Endkunden erzeugt und direkt vermarktet. Über Genussrechte mitfinanzierte Vorhaben sollten einen konkreten Bezug zum Endkunden haben. Das kann die Erweiterung der Käserei oder ein Steinbackofen für die Hofbäckerei sein. Das Vorhaben muss im Trend liegen. Aktuell ist Tierwohl ein großes Thema. Ein neuer Stall für die Schweinehaltung auf Stroh? Genussrechte dafür dürften schnell vergriffen sein. Auch die Lage des Betriebes spielt eine wichtige Rolle. Es sollten sich geeignete Absatzmärkte in der Nähe befinden oder die Produkte sollten sich zumindest leicht versenden lassen.

HOFdirekt:

Welche persönlichen Voraussetzungen müssen Betriebsleiterfamilien mitbringen?

Petra Wähning:

Grundsätzlich müssen Betriebsleiter offen dafür sein, Konsumenten in den Betrieb einzubinden und dabei neue Wege zu gehen. Ganz wichtig ist eine ausgeprägte Kommunikationsfähigkeit und die Bereitschaft, den Interessenten Einblicke in die bäuerliche bzw. handwerkliche Arbeits- und Wirtschaftsweise zu gewähren, etwa durch Führungen. Es hilft enorm, wenn der Betrieb schon über ein gutes Netzwerk an Unterstützern und Fürsprechern verfügt. Das ist ein Zeichen für die Vertrauenswürdigkeit des Hofes.

Die Kommunikation mit den Kunden ist ein wichtiger Bestandteil bei der Vermarktung von Genussrechten.  (Bildquelle: Schildmann)

HOFdirekt:

Auf Anlegerseite: Welcher Personenkreis ist an Genussrechten interessiert?

Petra Wähning:

Es handelt sich um Menschen, die mit ihrer Geldanlage...


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