Am von Caroline Schulze Stumpenhorst

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Studie

Nachhaltigkeit als Treiber für Innovation

Nachhaltigkeit ist ein wesentlicher Treiber für Qualität und Innovation. Bei der Wahl der Rohstoffe, der Verpackung und der Rückverfolgbarkeit spielt sie eine wachsende Rolle. Das ist das Ergebnis einer Studie der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE). 

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass Nachhaltigkeit nicht nur eine Treiber für Qualität und Innovation, sondern auch ein wichtiger Faktor für mehr Wertschöpfung und Wettbewerbsfähigkeit vieler Unternehmen in Deutschland ist. So hat etwa die Produktion pflanzenbasierter Fleischalternativen von 2019 auf 2020 um 39 % zugenommen: Von 60.000 t stieg die Produktion auf mehr als 80.000 t mit einem Wert von 375 Mio. €. Neben dem reinen Mengenzuwachs nahm auch die Vielfalt zu: Zwischen 2017 und 2020 wuchs die Anzahl von Produktneuheiten im Bereich Fleischersatz in Deutschland jährlich um rund 8 %.
Doch auch Fleisch wird weiterhin auf hohem Niveau konsumiert. Der jährliche Produktionswert von Fleisch und Fleischerzeugnissen ist einhundert Mal größer als der von Fleischersatzprodukten und machte im Jahr 2020 rund 38,6 Mrd. € Euro aus.

Milchersatzprodukte liegen im Trend

Ein noch dynamischeres Bild ergibt sich beim Vergleich der Markteinführungen von Milch- und Milchersatzprodukten im deutschsprachigen DACH-Raum. Es zeigt sich bei den Milchersatzprodukten  ein stärkeres Wachstum als in den entsprechenden Kategorien der Milchprodukte. Dies macht sich besonders in der Kategorie Joghurt bemerkbar, wo die durchschnittliche jährliche Markteinführung von traditionellen Joghurtprodukten zwischen 2016 und 2020 einen Rückgang von 5,5 % verzeichnete, verglichen mit einem Wachstum von 19,5 % bei pflanzlichen Joghurt-Alternativen.

Die Anzahl der Markteinführung von Milchersatzprodukten ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. (Bildquelle: Polina Tankilevitch / Pexels)

Nachhaltiger Konsum

Doch auch der Fleischkonsum hat sich verändert und wird nachhaltiger. Seit 2017 werden immer mehr Fleischprodukte eingeführt, die zusätzliche Nachhaltigkeitseigenschaften gegenüber konventionellen Produkten ausloben. Im Vergleich zu 2016 hat sich das Angebot von Produkten, die gesteigerten ethischen Ansprüchen entsprechen, nahezu verdreifacht. Eine dynamische Entwicklung lässt sich auch bei Lebensmittelverpackungen beobachten. Die Forderung nach weniger Verpackungsmaterial hat dazu geführt, dass Verpackungen zunehmend intelligenter werden, Recycling eine immer größere Rolle spielt und alternative Materialien eingesetzt werden, um die natürlichen Ressourcen zu schonen. Laut Studie nimmt das Informationsbedürfnis immer weiter zu. Im Wechselspiel von Angebot und Nachfrage reagieren die Lebensmittelhersteller in Deutschland wie weltweit auf den Wunsch nach mehr Informationen mit einer Transparenzoffensive von zusätzlichen Angaben und Kennzeichnungen auf den Verpackungen, QR- und Tracking-Codes mit weiterführenden Informationen und ausführlichen Angaben auf den Webseiten.
Nur dann, wenn sich das Mehr an Nachhaltigkeit für alle Beteiligten auszahlt, können diese Produkte auch langfristig am Markt bestehen.
 Christoph Minhoff 
„Diese Entwicklung zeigt, wie sehr der derzeitige Umbau unserer Branche auf Erfindergeist und Technologie basiert und dass dabei stante pede auf die Bedürfnisse der Verbraucher reagiert wird. Denn nur dann, wenn sich das Mehr an Nachhaltigkeit für alle Beteiligten auszahlt, können diese Produkte auch langfristig am Markt bestehen“, sagt Christoph Minhoff, Hauptgeschäftsführer der BVE. „Nachhaltigkeit soll nicht negativ aufgefasst werden, indem sie mit Verzicht, Einschränkungen oder Rückschritten einhergehen. Die deutsche Ernährungsindustrie möchte stattdessen erreichen, dass die natürlichen Ressourcen geschont werden, aber die Freude am Essen und am Genuss erhalten bleiben.“

Die wichtigsten Erkenntnisse aus der Studie 

  • Drei von vier deutschen Verbrauchern legen großen Wert auf Produktinformation von Lebensmitteln.
  • Jeder Zweite ist an zusätzlichen Informationen zu Herstellung und Ursprung der Rohwaren interessiert.
  • Neben bereits etablierten Labels wie „Frei von Zusatzstoffen“ und „Bio“ spielen immer häufiger auch Angaben zu fairen Arbeitsbedingungen, Tierwohl sowie eine nachhaltigen Rohwarenbeschaffung und Produktion als Kaufkriterium eine Rolle.
  • Rund jeder Vierte deutsche Verbraucher würde einen QR-Code auf Lebensmitteln nutzen.
  • Die Anzahl der Markteinführung von Fleisch- und Milchersatzprodukten ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen.
  • Die Konsumenten möchten nicht komplett auf Fleisch verzichten, Fleisch soll aber nachhaltig sein.
  • Entsprechend stark wächst die Anzahl von Produktneuheiten mit Nachhaltigkeitskennzeichnung.

Das Berliner Start-up „vly“ stellt Milchersatz aus Erbsenprotein her. Kürzlich verkauften sie den Millionsten Liter. Für einige vielleicht überraschend: Auch Molkereien profitieren.

Die Studie steht hier zum Download bereit.


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