Am von Kristin Rotherm

Direktvermarktung

Pilze aus dem Pott

Am Rande von Recklinghausen, mitten im Ruhrpott, züchtet Sarah Küper Austern-, Limonen- und Rosenseitlinge in einer ehemaligen Gärtnerei. Auch Trüffel soll es in Zukunft geben. Ein ambitionierter Plan für die Vierfachmutter und gelernte Pädagogin. Doch der Laden läuft.

Dieser Artikel ist zuerst erschienen in HofDirekt, Ausgabe 6/2020.
Wie kleine gelbe und rosa Wäldchen wachsen die Pilzkörper von Limonen- und Rosenseitlingen aus den Substratblöcken. 25 °C sind es hier im sogenannten Fruchtraum und mit über 90 % Luftfeuchtigkeit ist es ziemlich feucht. Nebenan wachsen die Austernseitlinge. Sie mögen es etwas kühler. Um die Ecke verkauft Sarah Küper, Mutter von vier kleinen Kindern und Diplom-Pädagogin, die Pilze im Hofladen. Seit gerade einmal zwei Jahren gibt es ihr „Trüffelwerk“ in der ehemaligen Gärtnerei.

„Was kann man hieraus machen?“

Bevor es die Familie 2016 nach Recklinghausen zog, lebte sie einige Kilometer entfernt in Datteln. „Wir wollten ländlicher und großzügiger wohnen. Als wir erfuhren, dass das Anwesen zum Verkauf steht, haben wir uns darum bemüht und den Zuschlag bekommen“, erzählt Sarah Küper. Schnell entwickelte die 37-Jährige den Wunsch, die Flächen und Gebäude der ehemaligen Gärtnerei landwirtschaftlich zu nutzen. „Ich habe einfach bei der Landwirtschaftskammer angerufen und gefragt, was sie dort für machbar halten. Mit unserem einen Hektar Land können wir ja schlecht Weizen anbauen“, sagt Sarah Küper und lacht.
Mit unserem einen Hektar Land können wir ja schlecht Weizen anbauen.
Sarah Küper
Gemeinsam mit dem Berater der Landwirtschaftskammer spielten sie verschiedene Ideen durch. „Die Pilze erschienen mir interessant, da ich damit zweigleisig fahren kann: einmal die kurzfristige Produktion der Speisepilze und zum anderen der relativ langfristige Anbau von Burgundertrüffeln“, so die Direktvermarkterin. Als finanzielle Absicherung für den jungen landwirtschaftlichen Betrieb dient der Handwerksbetrieb von Sarahs Mann Josef. „Er hat mich vor allem am Anfang finanziell unterstützt, aber auch alle Arbeiten hier in den Gebäuden selbst vorgenommen“, erzählt sie.
Es entstanden vier Fruchträume, ein Durchwachsraum, ein Labor, ein Arbeitsbereich und der Hofladen. Das notwendige Know-how erhielt Sarah Küper aus Büchern und durch eine Art Praktikum bei „Mushrooms & Equipment“ in Münster. Inhaber Sebastian Witt produziert hier seit Anfang 2013 hochwertige Edelpilz-Kulturen und beliefert Profi-Pilzzüchter mit dem notwendigen Equipment.

Zwei aus zwanzig

Zu Beginn ihrer Pilzzucht-Karriere stellte Sarah Küper das dafür notwendige Substrat noch selbst in einem dafür eigens geschaffenen Raum her. In einigen aufwendigen Schritten bereitete sie steril gemachte Roggenkörner und Strohpellets so vor, dass sie zum Nährmedium für die Seitlinge wurden. In Beutel abgefüllt, hängte die junge Frau ihr Substrat an die Decke der Durchwachsräume, schnitt Löcher hinein und wartete ab. „Sauberkeit ist bei der Pilzzucht das A und O. Da darf absolut nichts ins Substrat hineingelangen, sonst schimmelt es direkt“, erklärt sie. Mit einem Ausschuss von 20 % durch Verunreinigungen musste sie damals rechnen.
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