Am von Eva Piepenbrock

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Regionale Wertschöpfung

Regionalität: Wenn es das Draufzahlen wert ist

In mehr als 90% der „Naba Feinkost“ steckt Sonnenblumenöl. 70% können regional hergestellt werden. Mitgesellschafterin Donata von Reiche spricht im f3-Interview über die Herausforderungen im Anbau und im Management. Zwei Erkenntnisse vorab: Superfoods gibt es auch in Deutschland. Draufzahlen muss man trotzdem.

Regionalität in der Lebensmittelwertschöpfungskette ist derzeit Trendthema. Dennoch gestaltet sich die praktische Umsetzung vielerorts schwierig. Das Unternehmen „Naba Feinkost GmbH” aus Thüringen produziert Aufstriche, Suppen, Eintöpfe und Salat-Bowls als Bio-Fertigkost und vermeldete kürzlich, dass es nun im Sinne einer möglichst regionalen Rohstoffbeschaffung auch auf eigenen Flächen Bio-Rohstoffe wie Sonnenblumen oder Sojabohnen herstellt und verarbeitet.

Das Interview

Donata von Reiche, Mitgesellschafterin von Naba Feinkost (Bildquelle: Janina Steinmetz)

f3 – farm. food. future: Welche Kulturen werden auf wie viel Hektar angebaut?
Donata von Reiche, NABA Feinkost:: Auf rund 500 ha wurden in diesem Wirtschaftsjahr 150 ha Sonnenblumen, 120 ha Sojabohnen, 70 ha Mais, 80 ha Weizen, 60 ha Gerste und 15 ha Kichererbsen kontrolliert biologisch angebaut. Im nächsten Wirtschaftsjahr soll auch der Anbau von Erbsen und Linsen erfolgen, die vollständig bei der Naba verarbeitet werden.
f3 – farm. food. future: Welche Produkte werden aus ihnen hergestellt?
Donata von Reiche: Die Naba stellt insgesamt über 300 verschiedene Produkte her, v.a. vegane und vegetarische Brotaufstriche, Fertiggerichte und Eintöpfe, Suppen, verschiedene Saucen wie z.B. Reissaucen, Grillsaucen, Tomaten- bzw. Pastasaucen, Pestos, Dips und Dressings. Diese und noch viele andere Produkte mit unterschiedlichen Zutaten bzw. Rezepturen und in verschiedenen Geschmacksrichtungen. Da fast in allen Produkten Sonnenblumenöl enthalten ist, ist die Anzahl der teilweise aus eigenem Anbau hergestellten Naba Produkte sehr hoch.

Das Sortiment umfasst Saucen, Pestos, Dips und mehr.  (Bildquelle: naba Feinkost)

Draufzahlen: in Mehraufwand und Kosten

f3 – farm. food. future: Bleiben wir beim Beispiel Sonnenblumen und blicken auch auf Soja: Reichen die heimischen Erträge schon für die Produktion der aus ihnen hergestellten Produkte oder muss noch zugekauft werden?
Donata von Reiche: Bei Soja übersteigen die heimischen Erträge den Bedarf der Naba. Bei Sonnenblumen benötigen wir für Sonnenblumenöl und Sonnenblumenkerne bei der Naba sehr große Mengen. In mehr als 90% unserer Produkte wird Sonnenblumenöl eingesetzt. 70% des Bedarfs an Sonnenblumenöl werden regional hergestellt. 30% kaufen wir aus Südeuropa, wobei dieser Anteil ab der Ernte 2022 auf unter 20% reduziert werden soll. Die Anbaufläche für Sonnenblumen wurde dieses Jahr durch die Zusammenarbeit mit einem benachbarten Landwirt auf 280 ha erhöht. Aufgrund der erfreulich guten Ernte werden daraus ca. 340 bis 380 t Sonnenblumenöl hergestellt.
Die Kosten der regionalen Herstellung liegen gut 25 % über den Kosten der Herstellung in Südeuropa.
Donata von Reiche
f3 – farm. food. future: Kann die regionale Produktion kostenseitig mit den importierten Produkten mithalten? Verraten Sie uns Zahlen zu den Einkaufspreisen vs. den eigens produzierten Rohstoffen?
Donata von Reiche: Nicht ganz. Die Kosten der regionalen Herstellung liegen gut 25 % über den...