Am von Laura von Ketteler

Alternative Proteine aus Ölsaaten

Sonnenblumen können mehr als Öl

Süßigkeiten, Backwaren, Milch und Fleisch aus Sonnenblumen? „Sunbloom“ aus München macht aus den Nebenprodukten von Sonnenblumenöl Proteinbausteine für die Lebensmittelindustrie. Dabei zählt nicht etwa das geschmackvollste Produkt! Im Gegenteil: Die Sonnenblume überzeugt durch ihren besonders neutralen Geschmack. 

Weltweit werden jährlich etwa 60 Millionen Tonnen Sonnenblumen geerntet, die fast ausschließlich in den Gewinn von Speiseöl gehen. Neben Öl enthält ein Sonnenblumenkern jedoch auch wertvolle Ballaststoffe und Proteine. Diese Bestandteile sind durch die intensiven Verarbeitungsprozesse allerdings so beschädigt, dass sie sich nur noch als Tierfutter eignen. „In Südamerika ist es sogar so, dass die Reststoffe teils auf den Feldern verrotten, da sich die Verwertung finanziell nicht lohnt“, sagt Thomas Stuchly, Gründer und CEO von „Sunbloom“. Das in München ansässige Unternehmen hat den Spieß nun umgedreht. Es will mehr aus dem Kern herausholen.
Bei Sunbloom wird das Sonnenblumenöl zum Nebenprodukt und die Reststoffe zum Hauptdarsteller. Eine schonende Verfahrenstechnik schützt Proteine, Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe und setzt sie in der Lebensmittelproduktion ein. Dabei produziert Sunbloom sogar die gleiche Menge an Sonnenblumenöl wie die herkömmliche Industrie. Thomas Stuchly sieht dabei viele Vorteile: „Bei dem Prozess geht nichts aus dem Sonnenblumenkern verloren, sondern alles geht direkt in den Lebensmittelbereich. Wenn man an die ganze Verwertung des Rohstoffes denkt, ist das am effizientesten und am nachhaltigsten.“

Thomas Stuchly, Gründer von „Sunbloom“ (Bildquelle: Laura von Ketteler)

Aus einer Idee wird ein Geschäftsmodell

Das junge Unternehmen ist eine Ausgründung des Fraunhofer Instituts für Verfahrenstechnik und Verpackung (IVV) aus Freising bei München. Das Institut hält das Patent für diesen Vorgang. Es hat schon vor 15 Jahren angefangen, an Proteinen aus Ölsaaten zu arbeiten. Zuerst versuchten die Wissenschaftler, die häufig als Tierfutter verwendeten Reststoffe in Lebensmittel umzuwandeln. Das Problem dabei waren allerdings die geschädigten Proteine und die dunkle Farbe des Stoffes. Das war die Geburtsstunde für die neue Verfahrenstechnik, bei der die Sonnenblumenkerne geschält und dann kalt gepresst werden. Auf die niedrigen Temperaturen kommt es an. Dabei entsteht ein hochwertiges, kalt gepresstes Öl und ein Presskuchen, der mit Bioethanol extrahiert wird. „Wir nutzen bewusst Bioethanol, weil es nicht toxisch und nachhaltiger ist“, sagt der Sunbloom-Gründer. „Das Verfahren ist zwar etwas komplizierter. Aber wir wollen ein möglichst naturbelassenes Produkt haben.“

Joghurts, Frischkäse, Hackfleisch: Pulver für die Lebensmittelindustrie

Dass das gewonnene Proteinpulver eine helle Farbe hat, macht es besser nutzbar. Gerade Milch- und Backwarenherstellern ist das wichtig.  (Bildquelle: Sunbloom)

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