Am von Justin Brinkmann

Laborfleisch 

In-vitro-Fleisch: Produktion noch viel zu teuer

Die Produktionskosten für Fleisch aus Zellkulturen übersteigen die Kosten traditioneller Produkte derzeit noch immer um ein Vielfaches. Zu diesem Ergebnis kommt jetzt eine niederländische Organisation in ihrer Marktanalyse.

Die derzeitigen Produktionskosten für Laborfleisch (CM) liegen fast 100 bis 10.000 mal höher als die Benchmark-Werte für vergleichbare traditionelle Fleischprodukte. Selbst bei Einsparungen im Nährmediumbedarf sowie einer erheblichen Verbilligung der Wachstumsfaktoren und Proteine würde die Erzeugung immer noch ca. 15 US-Dollar pro kg Laborfleisch kosten. Zum Vergleich: Die Produktionskosten für herkömmliches Fleisch liegen in Deutschland laut ISN aktuell bei 1,56 € (ca. 1,83 US-Dollar) pro kg. 
Diese Einblicke gab kürzlich die niederländische Beratungs- und Forschungsorganisation „CE Delft“ in einer Marktanalyse. Um das Alternativprodukt konkurrenzfähig zu machen, müssten die Erzeugungskosten also erheblich gesenkt werden. Die Spannbreite der Vergleichswerte ist so weit, weil die Analyse viele verschiedene Unternehmen mit unterschiedlich hohen Produktionskosten mit einbezieht. Die Kosten seien abhängig von den genauen Anforderungen an die Inhaltsstoffe und deren Preise. 

Kostensenkung machbar

Künftige Kostensenkungen, die die Produkte in die Nähe des Benchmarks bringen, sind durchaus machbar, sagen die Studienmacher. Dies erfordere jedoch eine Kombination von Einsparungen, die fast alle Aspekte des Geschäftsszenarios abdecken. Die Einschätzung zeigt, dass große Schritte bei der Senkung der Produktionskosten und der Verwendung von Inhaltsstoffen des Nährmediums gemacht werden müssten. Dies betreffe insbesondere Wachstumsfaktoren, aber auch rekombinante Proteine wie Albumin.

Im Reagenzglas gezüchtetes „Fleisch“ stellt für einige Wissenschaftler die Hoffnung dar, den wachsenden Fleischhunger der Weltbevölkerung zu stillen. Wir erklären Schritt für Schritt, wie...

Der Studie ist zu entnehmen, dass Kostensenkungseffekte erreicht werden könnten, indem z.B. die Amortisationszeit von vier auf 30 Jahre erhöht werden würde. Auf diese Weise ließen sich die Erzeugungskosten immerhin auf ca. 7,74 US-Dollar heruntersetzen. In der Zukunft müssten aber v.a. eine Reihe von Verbesserungen im Produktionsprozess und eine günstige Auswahl von Zelltypen dazu beitragen, die Kosten weitergehend zu reduzieren.

Laborfleisch-Produktion energieintensiv

Die Wissenschaftler erklären außerdem, dass die Produktion von Laborfleisch sehr viel Energie erfordert. Sie schätzen die Komponente „Energie“ daher als größten Teil der COGS (= Costs of Good Sold) ein. Aus diesem Grund sollte es für europäische Unternehmen eine Überlegung sein, in eine eigene Stromgewinnung zu investieren, wie z.B. eine PV-Anlage. Unternehmen in den USA hätten es da im Vergleich etwas einfacher: Die Energiekosten seien dort gerade einmal halb so hoch wie in anderen Teilen der Welt. Eins hält die Studie deshalb fest: Je geringer die Energiekosten eines Unternehmens sind, desto günstiger kann es künstliches Fleisch produzieren. 

Subventionen vom Green Deal?

Unternehmensberater schlagen vor, einen Teil der Investitionskosten von staatlichen Stellen tragen zu lassen, z. B. durch Subventionen oder Beteiligungen im Zusammenhang mit dem Green Deal der EU. Darüber hinaus könnten sich gemeinnützige Geldgeber als Investoren herausstellen. Diese hätten eher niedrigere Ansprüche für finanzielle Gewinne. 


Du musst dich anmelden um Kommentare zu bewerten

Abbrechen

Du hast noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen

Kommentar melden

Abbrechen

Du hast noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen

Kommentar melden

Abbrechen

Du hast noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen