Am von Eva Piepenbrock

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Von wegen aus dem Bauch heraus

Was vertrage ich, was nicht? Wer unter Lebensmittelunverträglichkeiten leidet, muss eigene Strategien beim Einkaufen entwickeln. Es gibt keine zentrale Datenbank darüber, welche Stoffe in welchen Produkten stecken. Ira Saric-Ormuz erstellt eine. Mithilfe der Gemeinschaft der Betroffenen.

Jeder fünfte US-Amerikaner glaubt laut einer Studie, auf bestimmte Lebensmittel allergisch oder mit einer Unverträglichkeit zu reagieren. Diese Zahl lässt sich auf Deutschland übertragen, sagt das Bundeszentrum für Ernährung (BZfE). Auch die Krankenkasse Pronova BKK hat erhoben, dass hierzulande rund 20 % der Männer und 30 % aller Frauen nach eigenen Angaben an Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten leiden. Das sind wahrlich eine Menge Menschen.

Tioli-Gründerin Ira Saric-Ormuz (Bildquelle: Piepenbrock)

So viele davon wie möglich will Ira Saric-Ormuz jetzt bei der Entwicklung ihres Start-ups „Tioli“ mit einspannen. Denn die 27-jährige Maschinenbauingenieurin aus Braunschweig arbeitet gemeinsam mit Programmierer Alexander Schacht seit etwa einem Jahr an einer App für Menschen mit Unverträglichkeiten. Sie soll ihnen helfen, Produkte zu finden, die sie mit hoher Wahrscheinlichkeit vertragen. Hohe Wahrscheinlichkeit deshalb, weil die App auf Basis früherer Bewertungen anderer Nutzer mit denselben Unverträglichkeiten Empfehlungen ausspricht: Take it, or leave it. „Tioli“ eben.

Profil aus 9 verschiedenen Intoleranzen

„Das Leben mit einer Unverträglichkeit schränkt schon sehr ein“, sagt Ira Saric-Ormuz, die selbst seit Jahren unter einer Histamin- und Laktose-Intoleranz leidet. „Betroffene kaufen immer dieselben Produkte aus Angst, dass es ihnen schlecht geht, wenn sie etwas Neues probieren.“ Da es keine einheitlichen Listen gibt, welche Produkte man mit welcher Intoleranz gefahrlos essen kann, helfen sich Betroffene oftmals selbst. Zu individuell sind die jeweiligen Beschwerden. Die Betroffenen tauschen sich in Facebook-Gruppen darüber aus, mit welchen Produkten von welcher Marke Gleichgesinnte gute oder schlechte Erfahrungen gemacht haben. „In den Facebook-Gruppen ist der Austausch jedoch total unstrukturiert“, sagt die Gründerin. „Mit unserer App verlagern wir diese Kommunikation und geben ihr Struktur.“

Wir sind keine Ärzte. Aber mit machine learning können wir Daten besser analysieren.

Ira Saric-Ormuz

Weitere Testnutzer gesucht

Die App wird derzeit noch „zuende“ entwickelt, so dass sie ab Spätsommer diesen Jahres von bereits 600 registrierten Testnutzern auf Herz und Nieren geprüft werden kann. Zum Start erstellt der Nutzer einmalig ein Profil, in dem er angibt, welche von insgesamt neun Unverträglichkeiten er oder sie hat (siehe unten). Er kann auch Kombinationen von Intoleranzen angegeben. Dann wählt der Nutzer aus, ob er sich vegetarisch, vegan, pescetarisch oder ganz normal ernährt. Im Supermarkt scannt er den Barcode eines Produktes. Je nachdem, ob es bereits bewertet wurde, erhält er eine Empfehlung von Menschen...