digital farm Interview

„FrachtPilot“: Direkt und online vermarkten

Die Gründer von "FlexFleet Solutions" sind Wirtschaftsinformatiker. Sie haben den "FrachtPilot" entwickelt. (Foto: FrachtPilot)

f3 - farm.food.future: Was ist "FrachtPilot"? Was macht ihr?

Dr. Sebastian Terlunen: Mit unserer Software "FrachtPilot" wollen wir unnötige Büroarbeit ersparen. Der FrachtPilot digitalisiert und automatisiert planerische und administrative Aufgaben der Direktvermarktung. Die einzelnen Module wie Warenwirtschaftssystem, Auftragsverwaltung, Routenoptimierung, digitaler Lieferschein, Rechnungsstellung, automatischer Zahlungsabgleich oder DATEV-Schnittstelle können flexibel zu einer angepassten Softwarelösung zusammengestellt werden. Jeder Kunde kann für seine betrieblichen Bedürfnisse konfigurieren und unsere Software einfach über einen Web-Browser bedienen.

Die Direktvermarktung über einen Online-Shop mit eigenem Lieferservice ist in der Krise der einzig sichere Vermarktungsweg.

Dr. Sebastian Terlunen

f3: Wer sind eure Kunden? Landwirte und Direktvermarkter?

Dr. Sebastian Terlunen: Genau, der FrachtPilot erlaubt zum einen Landwirten die Direktvermarktung kostengünstig zu erproben. Zum anderen erlaubt er etablierten Direktvermarktern Effizienzvorteile zu heben und neue Kundensegmente wie beispielsweise Privatkunden durch das Modul „Webshop mit Abholsystem“ oder LEHs durch ein standardisiertes Datenaustauschformat zu erschließen.

Anzahl der Bestellungen über Online-Shops gestiegen

f3: Gerade jetzt werden Lieferdienste verstärkt genutzt. Wie beeinflusst euch die Coronakrise?

Dr. Sebastian Terlunen: Die wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus sind spätestens seit Mitte März auch bei vielen landwirtschaftlichen Direktvermarktern angekommen und erzeugen enorme Ungewissheiten: Wann wird der Verkauf über Wochenmärkte wieder möglich sein? Wie lange ist der Hofverkauf noch erlaubt? Wann kann die hofeigene Gastronomie wieder geöffnet werden? Erschwerend verzeichnen landwirtschaftliche Direktvermarkter einschneidende Nachfrageeinbußen bei Großabnehmern, wie beispielsweise bei Gastronomiebetrieben, Kitas oder Schulen.

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„FrachtPilot“ aus Münster möchte die Direktvermarktung digitalisieren und automatisieren. Seit der Coronakrise steigen die Anfragen von Landwirten und Direktvermarktern, wie Gründer Dr. Sebastian Terlunen im Interview erzählt.

f3 – farm.food.future: Was ist „FrachtPilot“? Was macht ihr?

Dr. Sebastian Terlunen: Mit unserer Software „FrachtPilot“ wollen wir unnötige Büroarbeit ersparen. Der FrachtPilot digitalisiert und automatisiert planerische und administrative Aufgaben der Direktvermarktung. Die einzelnen Module wie Warenwirtschaftssystem, Auftragsverwaltung, Routenoptimierung, digitaler Lieferschein, Rechnungsstellung, automatischer Zahlungsabgleich oder DATEV-Schnittstelle können flexibel zu einer angepassten Softwarelösung zusammengestellt werden. Jeder Kunde kann für seine betrieblichen Bedürfnisse konfigurieren und unsere Software einfach über einen Web-Browser bedienen.

Die Direktvermarktung über einen Online-Shop mit eigenem Lieferservice ist in der Krise der einzig sichere Vermarktungsweg.

Dr. Sebastian Terlunen

f3: Wer sind eure Kunden? Landwirte und Direktvermarkter?

Dr. Sebastian Terlunen: Genau, der FrachtPilot erlaubt zum einen Landwirten die Direktvermarktung kostengünstig zu erproben. Zum anderen erlaubt er etablierten Direktvermarktern Effizienzvorteile zu heben und neue Kundensegmente wie beispielsweise Privatkunden durch das Modul „Webshop mit Abholsystem“ oder LEHs durch ein standardisiertes Datenaustauschformat zu erschließen.

Anzahl der Bestellungen über Online-Shops gestiegen

f3: Gerade jetzt werden Lieferdienste verstärkt genutzt. Wie beeinflusst euch die Coronakrise?

Dr. Sebastian Terlunen: Die wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus sind spätestens seit Mitte März auch bei vielen landwirtschaftlichen Direktvermarktern angekommen und erzeugen enorme Ungewissheiten: Wann wird der Verkauf über Wochenmärkte wieder möglich sein? Wie lange ist der Hofverkauf noch erlaubt? Wann kann die hofeigene Gastronomie wieder geöffnet werden? Erschwerend verzeichnen landwirtschaftliche Direktvermarkter einschneidende Nachfrageeinbußen bei Großabnehmern, wie beispielsweise bei Gastronomiebetrieben, Kitas oder Schulen.

Mehr denn je denken und kaufen Verbraucher regional.

Dr. Sebastian Terlunen

Aber: Mehr denn je denken und kaufen Verbraucher regional. Die Direktvermarktung über einen Online-Shop mit eigenem Lieferservice ist in der Krise der einzig sichere Vermarktungsweg. Seit Anfang der Coronakrise haben wir deutlich mehr Anfragen zum FrachtPiloten sowie eine deutliche Zunahme an Neukunden, die eine Existenzsicherung in dem Vermarktungsweg Lieferservice sehen. Diese Einschätzung wird auch durch viele unserer Bestandskunden bestätigt. Bei ihnen sind sowohl die Anzahl an registrierten Neukunden als auch die Anzahl an Lieferbestellungen über den Online-Shop um durchschnittlich 30 Prozent gestiegen.

Hintergrund der Gründer: Wirtschaftsinformatik

f3: Wie kann man sich bei euch registrieren? Wie läuft die Anmeldung ab?

Dr. Sebastian Terlunen: Eines der Hauptziele bei der Entwicklung des FrachtPiloten war es, eine intuitive und einfache Bedienung zu ermöglichen. Nach erfolgreicher Registrierung/Anmeldung über unsere Webseite bekommt jeder Landwirt oder Direktvermarkter seine individuelle Softwarelösung des FrachtPiloten zur Verfügung gestellt. Nach einer kurzen Einführung mithilfe eines Web-Seminars kann der Landwirt oder Direktvermarkter darauf aufbauend seine Produkt- und Kundenstammdaten selbständig einpflegen.

f3: Wie sieht euer Geschäftsmodell aus? Wie verdient ihr Geld?

Dr. Sebastian Terlunen: Unsere Kunden können monatlich eine Lizenzgebühr mieten. Die Softwaremiete richtet sich nach dem genutzten Funktionsumfang. Sie müssen weder zusätzliche Hard- oder Software kaufen.

Die dringend benötigte Digitalisierung des landwirtschaftlichen Direktvertriebs fehlt.

Dr. Sebastian Terlunen

f3: Wie kam es zur Gründung eures Start-ups „FlexFleet Solutions“?

Dr. Sebastian Terlunen: In der Zeit als Postdoc an der WWU in Münster beschäftigte ich mich mit dem Forschungsthema der Routenoptimierung. Als Sohn eines Nebenerwerblandwirts mit Kontakten zu Landwirten und landwirtschaftlichen Direktvermarktern wurde in Gesprächen schnell klar, dass eine Lösung zur Routenoptimierung nur ein Teilproblem löst. Denn die am Markt befindlichen Softwarelösungen unterstützen nur vereinzelte Prozesse der Direktvermarktung und sind veraltet.

Als Folge arbeitet ein Großteil der Landwirte bisher ohne Softwareunterstützung. Aktuell werden viele Prozesse immer noch händisch und mit viel Papier erledigt. Die dringend benötigte Digitalisierung des landwirtschaftlichen Direktvertriebs fehlt. Gemeinsam mit meinen Co-Gründern Jan-Hendrik Fischer und Dr. Stefan Fleischer wollte ich das Thema angehen. So haben wir den FrachtPilot entwickelt.

f3: Was ist euer Hintergrund?

Dr. Sebastian Terlunen: Bis Anfang Februar 2018 habe ich am Institut für Wirtschaftsinformatik zu anwendungsorientierten Fragestellungen in den Bereichen Supply Chain Management, Logistik und Operations Management geforscht. Auch Jan-Hendrik Fischer war bis Dezember 2018 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik und Logistik der WWU Münster. Der Forschungsfokus von Dr. Stefan Fleischer liegt bei der Prozess- und Datenmodellierung mittels innovativer Informationssysteme.