food Interview

Frischhaltefolie aus Holz, Gras und Wachs

Für Wurst, Käse, Obst oder Brot: Mit dem „Bee-Paper“ entwickelte das Start-up „Apomore“ eine plastikfreie Alternative zur Frischhaltefolie. (Foto: Apomore GmbH)

Das schwäbische Start-up „Apomore“ entwickelte eine plastikfreie Alternative zur Frischhaltefolie und setzt dabei auf abbaubare Materialien. Im Interview mit f3 erzählt Gründer Daniel Birkhofer, wie die Idee entstanden ist und was McDonalds damit zu tun hat.

f3 - farm.food.future: Was genau macht ihr?

Daniel Birkhofer: Wir bieten umweltfreundliche Tüten, die „Tuetle“ und neuerdings auch das „Bee-Paper“ an. Das ist ein mit Bienenwachs beschichtetes Graspapier, das als Verpackung von Wurst, Käse, Obst, Gemüse oder Brot genutzt werden kann. Wir wollten eine Frischhaltefolie für Lebensmittel entwickeln, die kein Plastik enthält, zu 100 % aus nachwachsenden Rohstoffen besteht und in der Biotonne entsorgt und zuhause kompostiert werden kann.

Der Schüler hat festgestellt, dass der Bienenstock keimfrei ist und Wachs antibakterielle Eigenschaften hat.

Daniel Birkofer

f3: Wie seid ihr auf die Idee gekommen mit Bienenwachs zu arbeiten?

Daniel Birkhofer: Die Idee mit dem Bienenwachs kam von einem 14-Jährigen. Er hat bei „Jugend forscht“ mitgemacht und sich in dem Rahmen – und auch vorher schon – mit Bienen beschäftigt. Der Schüler hat festgestellt, dass der Bienenstock keimfrei ist und Wachs antibakterielle Eigenschaften hat. Er ist auf uns zugekommen und wollte die „Tuetle“ nutzen, um sie mit Wachs zu beschichten. Die Ergebnisse seiner Experimente waren so spannend, dass wir ein Produkt daraus machen wollten. Es hat dann nochmal vier Jahre gedauert, bis wir eine industrielle Lösung gefunden hatten.

Gras für die Tüten-Herstellung

f3: Woran lag es? Was waren die Herausforderungen bei der Produktion?

Daniel Birkhofer: Im Grunde braucht der Bienenwachs lediglich einen Träger. Wir haben zunächst mit unserem Papier gearbeitet, welches zu 100% recycelt ist. Die Gesetzeslage ist jedoch so, dass kein Altpapier verwendet werden darf, wenn frische Lebensmittel verpackt werden sollen. Essensrückstände wie Fett können bestimmte Stoffe aus dem Altpapier lösen. Also mussten wir Papier herstellen, für das Bäume gefällt werden. Damit waren wir nicht ganz glücklich und haben nach einer anderen Lösung gesucht. Ein Drittel des Holz-Zellstoffes können wir heute durch Gras ersetzen.

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Das schwäbische Start-up „Apomore“ entwickelte eine plastikfreie Alternative zur Frischhaltefolie und setzt dabei auf abbaubare Materialien. Im Interview mit f3 erzählt Gründer Daniel Birkhofer, wie die Idee entstanden ist und was McDonalds damit zu tun hat.

f3 – farm.food.future: Was genau macht ihr?

Daniel Birkhofer gründete „Apomore“ 2013 zusammen mit Steffen Krötz. (Foto: Corinna Spitzbarth Fotografie)

Daniel Birkhofer: Wir bieten umweltfreundliche Verpackungslösungen, wie zum Beispiel das „Tütle“ an, und neuerdings auch das „Bee-Paper“. Das ist ein mit Bienenwachs beschichtetes Graspapier, das als Verpackung von Wurst, Käse, Obst, Gemüse oder Brot genutzt werden kann. Wir wollten ein Frischhaltepapier für Lebensmittel entwickeln, das kein Plastik enthält, zu 100 % aus nachwachsenden Rohstoffen besteht, in der Biotonne entsorgt oder zuhause kompostiert werden kann.

f3: Wie seid ihr auf die Idee gekommen mit Bienenwachs zu arbeiten?

Daniel Birkhofer: Die Idee mit dem Bienenwachs kam von einem 14-Jährigen. Er hat bei „Jugend forscht“ mitgemacht und sich in dem Rahmen – und auch vorher schon – mit Bienen beschäftigt. Der Schüler hat festgestellt, dass es im Bienenstock nahezu keimfrei ist und Wachs antibakterielle Eigenschaften hat. Er ist auf uns zugekommen und wollte das Tütle-Papier nutzen, um es mit Wachs zu beschichten. Die Ergebnisse seiner Experimente waren so spannend, dass wir ein Produkt daraus machen wollten. Es hat dann nochmal vier Jahre gedauert, bis wir eine industrielle Lösung gefunden hatten.

Gras für die Tüten-Herstellung

f3: Woran lag es? Was waren die Herausforderungen bei der Produktion?

Daniel Birkhofer: Im Grunde braucht das Bienenwachs lediglich einen Träger. Wir haben zunächst mit unserem Tütle-Papier gearbeitet, welches zu 100% recycelt ist. Die Gesetzeslage ist jedoch so, dass kein Altpapier verwendet werden darf, wenn frische Lebensmittel länger verpackt werden sollen. Insbesondere fetthaltige Lebensmittel können ungewünschte Rückstände aus dem Altpapier lösen. Also mussten wir erstmals Papier aus Frischfaserzellstoff verwenden, für das Bäume gefällt werden müssen. Damit waren wir nicht ganz glücklich, haben nach einer nachhaltigeren Lösung gesucht und das Graspapier gefunden. Heute können wir ein Drittel des Holz-Zellstoffes durch Gras ersetzen.

Der Schüler hat festgestellt, dass es im Bienenstock nahezu keimfrei ist und Wachs antibakterielle Eigenschaften hat.

Daniel Birkofer

f3: Wie sieht der Produktionsprozess aus? Woher bezieht ihr das Gras?

Daniel Birkhofer: Das Gras bekommen wir von sogenannten Ausgleichsflächen verschiedener Kommunen. Dort wird es gemäht, dann getrocknet, in Pellets gepresst und anschließend bei der Papierproduktion in den Brei untergerührt. In diesem Prozess müssen wir nichts chemisch rauslösen. Die Verarbeitung ist ressourcenschonender im Vergleich zu der Verarbeitung von normalem Papier. Als Beispiel: Wenn man eine Tonne Zellstoff aus Holz lösen möchte, verbraucht man mehr als 1000 Liter Wasser. Für eine Tonne Zellstoff aus Gras brauchen wir ein bis zwei Liter Wasser.

Frischetheken und Direktvermarkter als Kunden

f3: Woher stammt das Holz und der Bienenwachs?

Daniel Birkofer: Das Holz beziehungsweise der Zellstoff stammt aus nachhaltiger Forstwirtschaft, bevorzugt aus Skandinavien. Das Bienenwachs beziehen wir von einem Spezialanbieter aus Norddeutschland, der das Wachs aus verschiedenen Imkereien aufreinigt und auf Rückstände analysiert. Bienenwachs ist, wenn man so will, ein Abfallprodukt, das bei der Honigproduktion anfällt.

f3: Im Juni testete McDonalds eurer Bee-Paper als Verpackung für Burger. Wie geht es nun weiter?

Daniel Birkhofer: Im Rahmen eines 10-tägigen Live-Experiments hat McDonalds alternative Verpackungen getestet. Eben auch unser „Bee-Paper-Basic“. Dabei handelt es sich allerdings um ein Papier, das nicht mit Wachs beschichtet ist, weil es keinen Frischhalteeffekt für mehrere Tage braucht. Im Rahmen des Experiments hat McDonalds Befragungen durchgeführt und ermittelt, wie die Verpackungen beim Kunden und den Mitarbeitern ankommen. Es war für uns hochspannend, dabei zu sein.

Die Ergebnisse werden intern ausgewertet. Es wird sich zeigen, ob sich die Verpackung für alle Filialen und in der Systemgastronomie nutzen lässt. Wir wollen mit dem „Bee-Paper“ in den gesamten B2B-Bereich, in Biomärkte, Supermärkte und zu den Direktvermarktern. Unsere erste Charge geht gerade an Kunden raus.