Am von Eva Piepenbrock

Bild dir deine Filterblase

Facebook ersetzt den Stammtisch, Google den Brockhaus: Unsere Diskus­sionskultur und Meinungsbildung verändern sich. Doch die digitale Welt verzerrt oftmals unser Bild der Realität – auch das der Landwirtschaft.

Dieser Beitrag ist zuerst im Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben (14/2019) erschienen.

Vor knapp sechs Jahren war es so weit: Die Brockhaus- Reihe wurde endgültig eingestellt. Und wen wundert’s? Statt dicke Lexika zu wälzen, lassen sich Informationen heute immer und von (fast) überall mit ein paar Klicks ergoogeln. Auch die Zeit der langen Diskussionen am Stammtisch scheint dank Facebook und Co. überflüssig. Meinungsbildung 2.0 – so frei und umfassend wie nie zuvor. Wirklich?

Ein kleines Beispiel: Wer das Wort „Massentierhaltung“ googelt, der findet unter den ersten zehn Ergebnissen die Albert Schweizer Stiftung, den Tierschutzbund, den BUND und gleich zweimal Peta. Staatliche Stellen, unabhängige Forschungseinrichtungen oder landwirtschaftliche Interessenverbände sind unter den Top Ten dagegen nicht vertreten.

Was Google uns anbietet, wirkt meinungsbildend.

Christian Meyer, Universität Vechta

Ein bemerkenswertes Resultat auch vor dem Hintergrund, dass auf die ersten zehn Suchergebnisse – je nach Studie – zwischen 70 und 99 % aller Klicks entfallen. „Was Google uns anbietet, wirkt meinungsbildend“, bringt es Christian Meyer von der Universität Vechta auf den Punkt. Ein ausgewogenes Meinungsbild spiegle es aber nicht per se wider.

Digitaler Pranger

Ob und wie stark Google, Facebook, Twitter und Co. Sichtweisen auf die Landwirtschaft verzer­ren, wurde vergangene Woche in Vechta diskutiert. Die Tagung „Die Agrarwirtschaft in der Filterblase“ eröffnete als Auftaktveranstaltung die Konferenzreihe „Dynamic Agri-Food Systems im Oldenburger Münsterland“.

Deutlich wurde, dass das Internet zur Informationsbeschaffung immer wichtiger wird. Für die Generation der 18- bis 25-Jährigen ist es heute schon die Hauptinformationsquelle. Auch in der Landwirtschaft nimmt die Bedeutung der sozialen Netzwerke zu: Jeder vierte Landwirt ist in den sozialen Medien aktiv.

Unter den sozialen Netzwerken ist Facebook bei den Landwirten am beliebtesten. Das hat eine Umfrage vom Deutschen Bauernverbandes und Bitkom jüngst gezeigt. (Bildquelle: gustavofrazao/stock.adobe.com)

Diskussionen zur Landwirtschaft verlaufen im Netz jedoch oft plakativ und aggressiv. Ob „Tierquäler“, „Bodenverseucher“ oder „Bienentöter“ – Landwirte sehen sich durch Negativ-Schlagzeilen zunehmend an den digitalen Pranger gestellt. Gleichzeitig genießen sie als Berufsgruppe einer Emnid-Umfrage zufolge einen guten Ruf. Was läuft also schief in der Beziehung von Landwirtschaft und Gesellschaft?

Von Filterblasen …

Dass Medien bei der Meinungsbildung eine große Rolle einnehmen, ist keine neue Entwicklung. Auch, dass unterschiedliche Zielgruppen unterschiedliche Medien bevorzugen – Informationen somit vorfiltern –, ist im Grunde ein alter Hut....