Am von Justin Brinkmann

Investitionsbereitschaft von Unternehmen

DLG-Trendmonitor: Für Krisen sparen oder für morgen investieren? 

Was passiert, wenn die Corona-Pandemie und die Afrikanische Schweinepest die Märkte verunsichern? Wie wollen sich Unternehmen auf neue Ernährungstrends einstellen? Der DLG-Trendmonitor hat Unternehmen nach ihren Investitionsplänen befragt und zwiespältige Antworten erhalten. 

Der Wunsch nach mehr Nachhaltigkeit auf der einen Seite, die Zerrissenheit durch eine unsichere Marktentwicklung auf der anderen Seite – Unternehmen stehen derzeit zwischen haarsträubenden Entscheidungen. Der neue „DLG-Trendmonitors 2021: Investitionen und Trends in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie“ macht diesen Kontrast nun deutlich. Insgesamt wurden 100 deutschsprachige Unternehmen der Lebensmittel- und Getränkeindustrie und Betriebsgrößen der DACH-Region befragt. Die Umfrage wurde von Mai bis Juli 2020 online durchgeführt und wird alle drei Jahre wiederholt. Aus den Branchen Fleisch, Wurst, Geflügel (23 %) und der Zuliefererindustrie (17 %) erfolgte dabei die größte Resonanz.
Die Corona-Pandemie und Seuchengeschehen in der Tierproduktion zeigen […] die gesellschaftlichen und globalen Grenzen auf.
Auszug
Gerade einmal 13 % der befragten Unternehmen geben an, in den nächsten drei Jahren über 5 Mio. € investieren zu wollen. Zum Vergleich: im vorherigen DLG-Trendmonitor aus dem Jahr 2018 lag dieser Wert noch bei 23,2 %. Laut DLG ist dies auf wirtschaftliche Unsicherheiten durch Covid-19 und Tierseuchen, wie die derzeit grassierende Afrikanische Schweinepest, zurückzuführen. Allerdings sollte bei dieser Annahme beachtet werden, dass 26 % der antwortenden Teilnehmer aus eher mittelständischen Betrieben mit einem Umsatz von unter 5 Mio. € und unter 250 Beschäftigten stammen.

Unternehmen setzen trotzdem auf nachhaltige Investitionen

Im Hinblick auf eine wachsende Weltbevölkerung, der damit einhergehenden erhöhten Nachfrage nach Lebensmitteln in Entwicklungsländern sowie dem Voranschreiten des Klimawandels weltweit, wird trotz aller Krisengedanken der Ruf nach Nachhaltigkeit größer. Und obwohl die aktuelle Krisenzeit die Unternehmen vor wirtschaftliche Herausforderungen stellt, möchten die Befragten in den nächsten drei Jahren verstärkt in Digitalisierung (43 %), Nachhaltigkeit (46 %), Innovation (53 %) und Effizienzsteigerung (55 %) investieren. Im Vergleich zu den Vorjahren lassen sich hierbei deutliche Steigerungen erkennen. Auch in den Bereichen Verpackung (54 %) und Energieeinsparungen (50 %) sind positive Trends zu verzeichnen. An erster Stelle stehen und bleiben in dieser Kategorie mit 56 % aller Nennungen jedoch die Ersatzinvestitionen.
Aus einer weiteren Unterteilung geht hervor, dass nur 3 % der befragten Unternehmen noch nicht in Nachhaltigkeit investiert haben und nur 4 % dieses Vorhaben für die nächsten Jahre auch nicht planen. Wie im Trendmonitor aus dem Jahr 2018, erhalten Investitionen in den Rubriken „Abfallvermeidung durch effizientere Prozesse“ mit 66 % und „Energiemanagement“ mit 64 % , auch im Jahr 2021 die meisten Nennungen. Die Investitionsbereitschaften für „Verwertung von Rohstoffen“ und „Re-Work“ sind seit der letzten Umfrage rückläufig.

Proteinreich und zuckerreduziert, bitte!

Neben den oben angesprochenen Investitionen greift der DLG-Report noch andere Themenfelder auf. Nach weitergehenden Befragungen glauben die befragten Unternehmen, dass biologische sowie gluten- und laktosefreie Produkte ihren Trend-Zenit überschritten haben könnten. Hier soll die Produktion in den kommenden Jahren reduziert werden. Stattdessen wollen die Unternehmen vermehrt Produkte herstellen, die weniger Kalorien, Zucker, Fett und Kochsalz enthalten. Letzteres wird mit der Reduktionsstrategie des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft begründet.

Gegenwärtiger Einsatz alternativer Proteinquellen in 2020 und geplanter Einsatz alternativer Proteinquellen bis Mitte 2023 in Prozent der Antworten (n = 100) (Bildquelle: DLG Trendmonitor 2021)

Auch das Trendthema alternativer Proteinquellen taucht in der DLG-Umfrage auf. Demnach sehen die interviewten Unternehmen vor allem die heimische Erbse auf dem Vormarsch. Mögliche allergene Potenziale von Weizen- und Sojaproteinen, wie zum Beispiel eine Glutenunverträglichkeit,  könnten somit umgangen werden.

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Weitere Innovationen und Trends

57 % der befragten Teilnehmer setzen „Clean Labels“ bereits häufig ein. Weitere 41 % wollen den Einsatz bis Mitte 2023 ausweiten. Im Bereich der Digitalisierung spielt für 95 % der Unternehmen die Datensicherheit eine wichtige Rolle. Darüber hinaus wird ein starkes Marktwachstum für den Online-Handel von Lebensmitteln erwartet. In den nächsten drei Jahren möchten 59 % den eigenen Onlinevertrieb weiter ausbauen. 63 % der befragten Unternehmen setzen derzeit schon auf E-Commerce.


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