Am von Dr. Marwa Shumo

Schwarze Soldatenfliege

Ein Bio-Tool zur Umwandlung von Lebensmittelabfällen in Tierfutter

Dr. Marwa Shumo vom Leibnitz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie e.V. in Potsdam forscht zu den Möglichkeiten der industriellen Massenproduktion von Insekten als Futtermittel. Ein Gastbeitrag im Nachgang des Bioökonomie-Camps 2021. 

Ein jährlicher Anstieg der Weltbevölkerung um 75 Mio. Menschen gepaart mit einem steigenden Lebensstandard in den Schwellenländern führt zu einem Anstieg der weltweiten Nahrungsmittelnachfrage. Dies gilt insbesondere für tierisches Eiweiß, dessen Nachfrage bis zum Jahr 2050 um 70% steigen soll. Neben den traditionellen Systemen wird der stetig steigenden Nachfrage derzeit durch einen stetigen Ausbau der intensiven und modernen Tierhaltungssysteme Rechnung getragen. Diesen Bedarf zu decken, ist jedoch angesichts der Übernutzung fruchtbarer Böden, der Wasserknappheit und der Abholzung von Wäldern eine ökologische Herausforderung.

Die Rolle der Tierhaltung beim Klimawandel

Dr. Marwa Shumo, Leibnitz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie e.V. in Potsdam (Bildquelle: M. Shumo)

Es wird beispielsweise geschätzt, dass eine Milliarde Menschen in Südasien und Afrika südlich der Sahara für Nahrung und Lebensunterhalt allein von der Viehzucht abhängig sind. Sie nutzen die Tiere für den Anbau von Nahrungsmitteln und den direkten Verzehr. Die Tierhaltung spielt eine bedeutende Rolle beim Klimawandel. Verglichen mit anderen Emissionsquellen sorgt sie für den höchsten Ausstoß an Treibhausgasen. Gründe hierfür sind die Verdauungsprozesse von Wiederkäuern und die Dungproduktion.
Zur Herstellung von Viehfutter gibt es andere Möglichkeiten als die Erhöhung der Fläche für den Anbau von Futterpflanzen.
Dr. Marwa Shumo
Die Viehzucht kann sich auch negativ auf natürliche Ressourcen wie Land, Wasser und Biodiversität auswirken, die bereits von Degradation und Klimawandel betroffen sind. Daher besteht ein Bedarf, Alternativen zu einer Intensivierung der Nutzung der derzeitigen Methoden zu finden, um die landwirtschaftliche Produktion zu steigern. Zur Herstellung von Viehfutter gibt es andere Möglichkeiten als die Erhöhung der Fläche für den Anbau von Futterpflanzen.

Food Waste in Entwicklungs- und Industrieländern 

Weltweit gehen etwa ein Drittel der Nahrungsmittelproduktion verloren. Anfallende Abfälle könnten von Insekten verwertet werden.  (Bildquelle: f3/Christina Helmer)

Auf der anderen Seite wird etwa ein Drittel der gesamten jährlichen globalen Nahrungsmittelproduktion sowohl vor als auch nach dem Verzehr verschwendet. Gemüse und Obst machen fast die Hälfte dieser Abfälle aus. Der Vorkonsum in Form von Nachernteverlusten ist für etwa 40% der Lebensmittelverluste in den Entwicklungsländern verantwortlich. Sie sind hauptsächlich auf die schlechte Infrastruktur, die Ernteeinrichtungen, den Transport und die mangelnde Unterstützung der Landwirte zurückzuführen. Im Gegensatz dazu treten auf Einzelhandels- und Verbraucherebene fast die Hälfte der Lebensmittelverluste in den Industrieländern wegen Qualitätsstandards auf, die das Aussehen überbetonen.

Das Start-up „madebymade“ stellt aus Insektenlarven Proteinmehl her. Und: Die Gründer wollen schlüsselfertige Zuchtanlagen vermarkten. Kunden könnten sich in der Land- und...

Traditionelle Anstrengungen werden normalerweise unternommen, um aus Lebensmittelabfällen Kompost und Tierfutter herzustellen. Diese Bemühungen hängen jedoch von langsamen thermodynamischen Prozessen der...


Mehr zu dem Thema