Am von Eva Piepenbrock

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Frischer Wind für alte Räder

Bernd Weidmann betreibt ein Onlineportal, auf dem gebrauchte Windräder gehandelt werden. Mit Windkraft kannte er sich zuerst gar nicht aus. Experten rieten ihm von der Gründung ab. Tatsächlich verlief der Start mit angezogener Handbremse. Doch nun scheint seine Zeit gekommen zu sein.

„Der König will Wind!“ Es ist kein Zufall, dass sich die Botschaft der Republik Angola kürzlich mit diesem hoheitlichen Dekret ausgerechnet an Bernd Weidmann aus dem hessischen Ort Linsengericht bei Gelnhausen, 50 km vor Frankfurt wendete. Der 50-Jährige Digitalunternehmer handelt auf der Plattform „wind-turbine.com“ nämlich mit gebrauchten Windkraftanlagen. Das hat sich offenbar bis Angola herumgesprochen.

Genau genommen handelt nicht er mit den Anlagen. Ganz im Sinne der Plattform-Ökonomie, die derzeit im Gründungsbusiness so angesagt ist, bringt Bernd Weidmann Menschen zusammen, die ihre Windräder loswerden möchten, mit Menschen, die günstig welche kaufen wollen.

Bernd Weidmann arbeitet an einem Portal zum Handel von gebrauchten Windkraftanlagen. (Bildquelle: privat)

Der Markt ändert sich.

Günstig, das heißt in dem Fall nur ein Bruchteil des Neupreises. Bernd Weidmann sagt: „Ein neues Windrad kostet heute rund 3 Mio. €. Die etwa 2500 im Portal gelisteten Anlagen werden für Preise zwischen 0 und 200.000 € angeboten.“ Wieso sie sogar verschenkt werden, dazu kommen wir gleich.
Um erst einmal zu verstehen, wieso Windräder überhaupt abgebaut werden müssen, lohnt ein kurzer Blick in die Energiepolitik. Es scheint nämlich, als sei die Zeit für die Plattform nach Jahren des Haderns und Aussitzens erst jetzt gekommen. Der Grund: Die sogenannte EEG-Förderung, die Betreiber von Windkraftanlagen zusätzlich zum regulären Strompreis erhalten, läuft für die ältesten Windkraftanlagen Deutschlands im Jahr 2020 aus. Diese sind dann rund 20 Jahre alt, was ziemlich genau die anvisierte Lebenserwartung eines Windrads trifft.

Es war schwer, als Quereinsteiger ernst genommen zu werden in einer Branche, die Geschäfte schonmal bei einem Bierchen bespricht.

Bernd Weidmann

„Das bedeutet allerdings nicht automatisch das Ende der Windräder“, sagt Bernd Weidmann. Technisch gesehen bescheinigen auch Experten den „Windrad-Rentnern“ bei vorausgegangener optimaler Wartung eine theoretische Restnutzungsdauer von bis zu 22 weiteren Jahren. „Die Eigentümer solcher Anlagen müssen allerdings ganz genau rechnen, ob sich der Weiterbetrieb für sie noch lohnt.“ Denn die alten Anlagen produzieren weitaus weniger Strom und mit zunehmendem Alter nehmen die Wartungs- und Reparaturarbeiten so weit zu, dass der Betrieb ein Nullsummenspiel sein kann. Allein mit den Einnahmen aus dem Stromverkauf kann oft kein Gewinn erzielt werden. Eine Alternative wäre das sogenannte „Repowering“, bei dem die alte Anlage durch eine neuere, leistungsstarke ersetzt wird. Doch das ist baurechtlich nicht an allen Standorten möglich.

A propos Baurecht: Der Betreiber ist gesetzlich zum Rückbau des Windrads verpflichtet, wenn es nicht weiterbetrieben wird. Das kostet bei alten Windrädern schnell mal 50.000 € oder mehr. „Unter diesen Umständen reicht es den...