Am von Eva Piepenbrock

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Digitaler Holzhandel: ein dickes Brett

Digitale Handelsplattformen haben schon einige Branchen umgekrempelt. Nach dem Holz-Vermarktungsverbot für die Landesbetriebe will das Start-up „Forstify“ das nun im Forstbereich angehen. Und hat ein dickes Brett zu bohren.

Je instransparenter der Markt, desto größer das Potenzial für digitale Handelsplattformen, sagt zumindest die Theorie. Demnach müsste der Holzmarkt, so wie er jetzt aufgestellt ist, geradezu prädestiniert dafür sein: Unzählige verschiedene private wie öffentliche Waldbesitzer und Forstbetriebsgemeinschaften handeln verschiedene Sortimente und Qualitäten mit unzähligen Abnehmern aus Industrie und Handel.

Für Nicht-Forstleute ist das nur schwer zu durchschauen. Handelsfachwirt Marco Hartmann (31) und Wirtschaftsinformatiker Christian Kaulich (32) aus Arnsberg im waldreichen Sauerland haben sich für „Forstify“ trotzdem hineingestürzt. Sie bauen eine für alle Marktteilnehmer offene Handelsplattform für Rohholz auf. Neben Holz-Angeboten und -Gesuchen sollen langfristig auch alle forstlichen Dienstleister auf ihrer Plattform verknüpft werden. Marco Hartmann sagt: „Wir möchten den Rohholzmarkt für die freie Marktwirtschaft öffnen.“

Christian Kaulich (links) und Marco Hartmann sind die Gründer von forstify. (Fotos: Schildmann)

Neue Rechtslage verändert Markt

Tatsächlich gibt ihm das Bundeskartellamt Recht: Es entschied 2018, dass die bislang übliche, gebündelte Rohholzvermarktung für Privat-, Staats- und Kommunalwald durch die Landesforstverwaltungen wettbewerbswidrig ist. Denn üblich war bisher, dass der durchschnittliche Waldbesitzer lediglich sein Forstamt anrief, wenn er Holz loswerden wollte. Das geht ab 2020 nicht mehr. Durch das Verbot hoffen die Gründer nun auf ein Vakuum im Markt, das Platz genug für ihr Unternehmen bietet. Und doch wird es so einfach wohl nicht werden.

Es geht für die Gründer um einen Kuchen von rund 240 Mio. €.

Auszug

Fakt ist: Der Markt ist groß. Zwischen 60 und 80 Mio. Festmeter (fm) Holz werden in Deutschland jedes Jahr gehandelt. Bei einer durchschnittlichen Vermarktungsgebühr von 3 bis 4 € pro fm geht es für die Gründer um einen Kuchen von rund 240 Mio. €. Wenn sie da nur einen Zeh in die Tür bekommen könnten, wäre ihr 8-Mann-Start-up wohl finanziert.

So soll die Plattform funktionieren

„Wir wollen den vielen privaten wie öffentlichen Holzanbietern in Deutschland die Möglichkeit geben, ihr Rohholz selbst und auch einfacher zu vermarkten“, sagt Christian Kaulich. Dafür baut er derzeit eine Handelsplattform auf forstify. de auf. Die Testversion wird seit Ende 2018 in einer geschlossenen Nutzergruppe von Anbietern und Einkäufern erprobt. Nach dem Prinzip einer B2B-Kleinanzeigenbörse können künftig Gesuche und Angebote für Rohholz aufgegeben werden. So fotografieren Anbieter ihren Polter ab und füllen eine Liste mit Angaben aus: Diese ist an die Rahmenvereinbarung für den Rohholzhandel in Deutschland angelehnt und beschreibt Qualitätsstufen und Holzfehler mit Angaben zu Holzsorte, Stärkeklasse, Verwendungsart, Format, Qualitätsklasse und...