Am von Eva Piepenbrock

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Jedes Tier im Blick

Welche technologischen Innovationen kommen in der Nutztierhaltung auf uns zu? Wo liegen Chancen? Und wo Grenzen der Digitalisierung im Stall? Darüber sprach f3 mit der Digitalisierungsbeauftragten des BMEL, Prof. Dr. Engel Friederike Hessel.

f3 - farm. food. future: Frau Prof. Hessel, Sie sagen „Das einzelne Tier rückt durch die Digitalisierung wieder mehr in den Vordergrund.“ Was heißt das?

Prof. Dr. Hessel ist Digitalisierungsbeauftragte am BMEL. (Bildquelle: Johann Heinrich, Thünen-Institut)

Prof. Dr. Hessel: Wir entwickeln zunehmend Methoden, die es uns ermöglichen, das Tier gezielt als Einzeltier zu betrachten und entsprechend zu füttern und medizinisch zu behandeln. Im Moment ist es so, dass wir das Tier meist innerhalb einer Gruppe sehen. Egal ob als ein Tier in einer 20er-Bucht Mastschweine oder als eins unter 40.000 Masthähnchen. Da zählen Mittelwerte, die sich auf die Gruppe beziehen. Wenn wir technologisch dahin kommen, Informationen und Daten aus dem Stall zu generieren und sie auf das einzelne Tier herunterzubrechen, dann können wir sagen, was dieses Einzeltier konkret braucht.

f3 - farm. food. future: Welche Vorteile hätte das für das Tier, den Landwirt – und für die Gesellschaft?

Prof. Dr. Hessel: Am dringendsten brennt uns doch derzeit der Ressourcenschutz und das Tierwohl unter den Nägeln. Beides ließe sich durch die Betrachtung des Einzeltieres verbessern. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Gefüttert wird heute meist nach einem Gruppenmittelwert. Wenn die Tiere im Durchschnitt soundso schwer sind, dann braucht die Gruppe soundso viel Futter. Weiß ich aber für das einzelne Tier, ob es sein Fressverhalten im Vergleich zu den vorangegangenen Tagen verändert hat und kombiniere ich dieses Wissen noch mit seinem Bewegungsmuster, dann könnten kluge Algorithmen daraus künftig Rückschlüsse auf die Tiergesundheit ziehen.

In Zukunft werden im Mastbereich vor allem Technologien der Bildanalyse, also Kamerasysteme, zunehmen.

Prof. Dr. Hessel

Sprich: Der Landwirt würde frühzeitig ein Signal auf sein Smartphone erhalten und wissen, welches Tier innerhalb einer Gruppe auffällig ist. Er könnte es isolieren und im Krankheitsfall verhindern, dass sich alle anderen Tiere der Gruppe anstecken. Dementsprechend werden weniger Tiere krank, die Menge an benötigten Medikamenten verringert sich und die Betriebsleistung bricht nicht so stark ein.

Innovationen für Schweine- und Geflügelhalter

(Bildquelle: Christina Helmer)

f3 - farm. food. future: In der Milchviehhaltung steht das Einzeltier bereits sehr im Fokus: Sensoren am Halsband oder an der Ohrmarke sind nichts Besonderes mehr und jedes Gramm weniger Milch fällt der Software auf. Was ist in der Schweine- und Geflügelhaltung an Innovationen zu erwarten?

Prof. Dr. Hessel: Rein technisch betrachtet ist vieles bereits möglich. Und einiges ja auch schon ewig in der Praxis im Einsatz. Von der Milchkuh weiß der Tierhalter im Grunde alles. Das...