Am von Eva Piepenbrock

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Jetzt mal Technik bei die Fische

Das Start-up „Monitorfish“ entwickelt ein digitales Frühwarnsystem für Aquakulturen. Es soll die Wasserqualität und das Tierverhalten überwachen und Abweichungen melden. Geht der Plan auf, lässt sich das Prinzip auf andere Nutztierhaltungen übertragen.

Die Garnelen müssen sich vorkommen wie in einer New Yorker Häuserschlucht, wenn sie zwischen den blockartigen Regalreihen herum schwimmen, deren offene Ebenen ihnen wie Stockwerke als Ablagefläche und Rückzugsort dienen. Ähnlich voll, wie es auf den Straßen von Big Apple zugeht, spielt sich das Garnelenleben in der Meerwasseranlage von „Förde Garnelen“ bei Kiel ab. Hier verteilen sich die schwimmenden Bewohner derzeit zwar gleichmäßig im ganzen Becken. Verschlechtert sich die Wasserqualität aber, oder kippt sie sogar, kann sich das schnell ändern. Beim Blick in das Garnelen-New York kann der Betrachter nachvollziehen, wie schwer es für den Züchter sein muss, den Gesundheitszustand der unzähligen Tiere zu überwachen.

Damit man hier nicht die Übersicht verliert, werden die Becken der "Förde Garnelen" mithilfe des Start-ups "Monitorfish" digital überwacht. (Bildquelle: B. Lütke Hockenbeck)

Dabei will das Berliner Start-up „Monitorfish“ helfen. Das Gründerteam aus Dominik Ewald, Jan Viktor Apel und - kein Scherz - Ralf Fisch arbeiten seit 2017 an einem Monitoringsystem für Aquakulturbetriebe. Die digitale Technik soll die Wasserqualität und das Fischverhalten kontinuierlich überwachen und bei von der Norm abweichenden Auffälligkeiten eine Warnung auswerfen. Künftig soll sie gleich eine Diagnose mitliefern, welche Werte im Wasser nicht stimmen.

Das Start-up kooperiert unter anderem mit Bert Wecker, dem Geschäftsführer der Förde Garnelen. Er testet die Technik und gibt dem Team Feedback aus der Praxis. Dort werden einige Faktoren zwar schon digital gemessen, Wasserproben für das wasserchemische Labor ziehen seine Mitarbeiter aber noch händisch.

Fehlersuche im Wasser vereinfachen

IT-Experte Jan Viktor Apel (links) und Praktiker Bert Wecker arbeiten bei der Entwicklung des Start-ups "Monitorfish" zusammen. (Bildquelle: B. Lütke Hockenbeck)

„Bei der Fischzucht muss man sehr viele Parameter beachten“, erklärt der promovierte Meeresbiologe und Aquakultur-Anlagenbauer Wecker. „Wenn die Fische ihr Verhalten ändern, müssen wir uns im Wasser auf Fehlersuche begeben und herausfinden, warum das so ist.“ Der Knackpunkt: Viele Faktoren wie Sauerstoff- und Kohlendioxidgehalt, Gassättigung, Temperatur oder PH-Wert greifen ineinander. Und stimmt etwas im Becken nicht, gefährdet das nicht „nur“ einen Fisch, sondern womöglich alle auf einmal und sehr plötzlich.

Statistisch gesehen verlieren Betriebe jeden siebten Batch.

Dominik Ewald

Das gilt auch für Garnelen. Verhalten sie sich auffällig, weiß der Fischwirt im besten Fall, was das bedeutet. „Fällt in einem Becken die Sauerstoffzufuhr aus, schwimmen die Garnelen zum Beckenzulauf“, sagt Wecker. „Ist zu viel CO2 im Wasser, schwimmen sie insgesamt langsamer. Und wenn eine Gasübersättigung vorliegt, tummeln sich alle im unteren Beckenbereich.“ Es gibt aber auch Verhaltensänderungen, die sind nicht sofort einer Ursache zuzuschreiben. Außerdem können Fischwirte ja nicht den ganzen Tag aufs Wasser starren. Und das schlimmste: Je heftiger die Reaktion der Fische im Wasser, desto größer die Gefahr, dass ein Eingreifen bereits zu spät kommen würde.

Jeder...