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Maßnahmen für ein nachhaltiges Lebensmittelsystem

Im August 2020 startete die Farm-Food-Climate Challenge mit dem Ziel, ein nachhaltigeres Ernährungssystem zu erarbeiten. Alle relevanten Akteure sollten dafür zusammenkommen. Ein breiter Beteiligungsprozess gipfelte jetzt in einem gemeinsamen Aktionsplan. f3 veröffentlicht die 12 Zielsetzungen im Wortlaut.

Die Grundannahme der Farm-Food-Climate Challenge lautet, so steht es im kürzlich veröffentlichten Aktionsplan der von "project together" und der Elobau Stiftung initiierten Projektes, "dass gesellschaftliche Herausforderungen nur gelöst werden können, wenn alle relevanten Akteure zusammenarbeiten". Die Transformation des Lebensmittelsystems sei eine solche Herausforderung. Das Ziel der Farm-Food-Climate Challenge ist es, "die Farm-2-Fork"-Strategie mittels konkreter, gemeinsam mit Bürger:innen gestalteter Maßnahmen mit Leben zu füllen".

Im Folgenden lest ihr die Ziele des Aktionsplanes im Wortlaut.

Ziel 1: Ökosystemleistungen messbar machen

Durch messbare Ökosystemleistungen wird die Grundlage für einen Markt für gesellschaftliche und ökologische Dienstleistungen aus der Landwirtschaft geschaffen. Beispiele für ökologische Ökosystemleistungen sind das Bereitstellen einer Kohlenstoffsenke und die Förderung der Biodiversität, oder die Rolle der Landwirtschaft für Trinkwasserqualität. Soziale Ökosystemleistungen umfassen den Erholungs- und Freizeitwert der Kulturlandschaft, ihre Ästhetik und die dort verwurzelten kulturellen Identitäten. So können Landwirt:innen von Unternehmen und Konsument:innen für nachhaltiges Wirtschaften belohnt werden. Gesamtgesellschaftlich wird das Bekenntnis verstärkt, dass die Landwirtschaft nicht nur Lebensmittelproduktion bedeutet, sondern auch Kulturlandschaft erhält und zum Klimaschutz beitragen kann.

Ziel 2: Private Finanzierungen von Ökosystemdienstleistungen fördern

Basierend auf der Messbarkeit von gemeinwohlorientierter Ökosystemleistungen, werden Landwirt:innen für ihr nachhaltiges Wirtschaften finanziell kompensiert. Somit wird der Beitrag der Landwirtschaft zum Klimaschutz in der Gesellschaft honoriert. Ein Portfolio an verschiedenen getesteten Finanzierungsmechanismen ist die Grundlage für zukünftige politische Entscheidungen. Somit ist ein Anreizsystem geschaffen, dass nicht nur die Lebensmittelproduktion, sondern auch den in der Landwirtschaft geschaffenen ökologischen Mehrwert, z.B. durch Kohlenstoffsequestrierung oder eine größere Biodiversität, fördert.

Ein Anreizsystem für ökologische Ökosystemleistungen wie z.B. das Bereitstellen einer Kohlenstoffsenke, soll geschaffen werden. (Bildquelle: Helmer)

Ziel 3: Agroforst etablieren durch Rechtssicherheit, Subventionen und Agrarforschungsbudgets

Durch Rechtssicherheit für Agroforstsysteme, sowie einer entsprechenden Honorierung der umfassenden Ökosystemleistungen für Umwelt, Klima und Gesellschaft können Landwirt:innen in Deutschland die Potenziale der Agroforstwirtschaft großflächig erschließen.

Ziel 4: Öffentliches Bewusstsein für die Klimawirkung von
Pflanzenkohle schaffen

In “Carbon Valleys”, Zentren und Netzwerken von Pionierlandwirt:innen, werden greifbare Praxisbeispiele zur Kohlenstoffsenkenleistung von Pflanzenkohle bei gleichzeitiger Verbesserung der Bodenqualität veranschaulicht und bekannt gemacht. Landwirt:innen, Forstwirt:innen, Kommunen, Politiker:innen und Investor:innen sind von den Vorteilen der Pflanzenkohle überzeugt. Der “(Pflanzen)Kohleeinstieg” ist ein gängiger Begriff in den Medien und im öffentlichen Bewusstsein.

Ziel 5: EU-Agrarpolitik weiterentwickeln und nachhaltige Landwirtschafts- und Forschungspraktiken fördern

Basierend auf der Messbarmachung von Ökosystemleistungen kann auch eine Umverteilung der EU Agrarsubventionen, die sich an den Ökosystemleistungen orientiert, erreicht werden. Flächenprämien werden zur Förderung von Ökosystemleistungen umverteilt. Um das Erreichen gemeinwohlorientierter Ökosystemleistungen systematisch zu erfassen und zu evaluieren, wird ein Teil der Subventionen für begleitende Forschungsprojekte eingesetzt.

Die Initiative will den "Pflanzenkohle-Einstieg". (Bildquelle: Helmer)

Ziel 6: Landwirtschaftsverbände, Genossenschaften und Beratungsringe werden Botschafter:innen nachhaltiger Anbaupraktiken

Aufbauend auf Forschung und einer Anzahl von Pilotprojekten haben Landwirtschaftsverbände, Genossenschaften und Beratungsringe alternative Anbaumethoden (z.B. regenerative Landwirtschaft, Hybrid Landwirtschaft, Humusaufbau) in ihr Portfolio aufgenommen. Darauf basierend informieren, beraten und unterstützen sie Landwirt:innen bedarfsgerecht. Klare Bekenntnisse, Strategien, überzeugende Beispiele und sichere Unterstützung helfen dabei, Barrieren bei der Implementierung zu überwinden.

Ziel 7: Wahre Preise für nachhaltige, gesunde und fair produzierte Lebensmittel

Durch das Abbild von Gesellschafts- und Umweltkosten im Preis von Lebensmitteln werden Kaufentscheidungen möglich, die auch soziale und ökologische Werte berücksichtigen. Die Grundlage wurde durch Messbarkeit (siehe Ziel 1) und Transparenz in der Wertschöpfungskette geschaffen, die es ermöglicht, wahre Kosten festzustellen und zu vergleichen. So werden Herstellungsverfahren, die diese Werte berücksichtigen, wettbewerbsfähig. Durch True Cost Accounting wird eine nachhaltige Versorgung mit gesunden und fair produzierten Lebensmitteln aufgebaut und Landwirt:innen wird Wertschätzung, Sicherheit und gerechte Preise für all die von ihnen erbrachten Leistungen entgegengebracht.

(Bildquelle: Farmers Cut)

Ziel 8: Urbane Lebensmittelproduktion fördern und in die Stadtplanung integrieren

Lebensmittel werden auch lokal in den Städten produziert. Dies schafft Arbeitsplätze und verringert den Weg “vom Acker auf den Teller” (sog. Foodmiles). Es wurde eine eigene Zertifizierung für Urban Farming etabliert. In einer Gesellschaft, die zunehmend in Städten wohnt, stärkt die Produktion in unmittelbarer Nähe zum Konsum das Bewusstsein für die Lebensmittelproduktion. Urban Farming wird politisch gefördert und ein essentieller Teil der Bauplanung. Flächen für urbane Lebensmittelproduktion sind in Flächennutzungspläne integriert.

Ziel 9: Ökologischer Handabdruck als allgemeingültiges und verbreitetes Konzept für nachhaltigen Konsum in der Bevölkerung etablieren

Konsument:innen kennen den ökologischen Fußabdruck der konsumierten Produkte. Sie sind sich der Einflusskraft ihrer Kaufentscheidung auf ökonomische Anreize für nachhaltigere Praktiken bewusst. Mit dem ökologischen Handabdruck ist ein neues, allgemeingültiges und verbreitetes Konzept des nachhaltigen Konsums in der Bevölkerung geschaffen.

Ziel 10: Nachhaltige Verpflegung wird zum bundesweiten Standard in Bildungseinrichtungen

Eine flächendeckend gesunde, nachhaltige und klimafreundliche Verpflegung in Schulen, Kitas und Kindergärten und anderen Bildungseinrichtungen wird sichergestellt. Es wird eine Beweisgrundlage geschaffen, mit der es gelingt, Entscheidungsträger:innen von der Wichtigkeit nachhaltiger (und demokratisch ausgewählter) Schulverpflegung zu überzeugen. Entscheidungsträger:innen sind Lehrer:innen und Einrichtungsleitende ebenso wie kommunale Akte ur:innen und Politiker:innen auf Landes- und Bundesebene.

Ziel 11: Durch zirkuläre Wertschöpfungsketten Ressourcen und Lebensmittelverschwendung vermeiden

Europas Agrifood-Szene erhält neues Risikokapital: Der European Circular Bioeconomy Fund (ECBF) widmet sich ausschließlich bioökonomischen Ideen in Europa und investiert gleich in zwei Start-ups....

Das Bewusstsein von Gesellschaft und Wirtschaft für verantwortungsvollen / sparsamen Umgang mit Ressourcen und Lebensmitteln nimmt zu. Durch neue Kreisläufe nimmt die Ressourcen-und Lebensmittelverschwendung stetig ab. Die Anzahl der jährlich 12 Millionen Tonnen Lebensmittelverschwendung in Deutschland belegbar reduziert (und bis 2030 eliminiert). Auf der Produktionsebene wird die Verwendung von Reststoffen als alternativer Rohstoff immer selbstverständlicher.

Ziel 12: Zusammenhalt zwischen Landwirt:innen und Konsument:innen durch neue Kreisläufe und regionale Lieferketten stärken

Stetiger, partizipativer Dialog zwischen Konsument:innen und Landwirt:innen nimmt zu, die Wertschätzung der jeweils anderen Akteursgruppe wächst durch Vertrauens- und Verständnisaufbau. An mehr und mehr Standorten haben sich solidarische und genossenschaftliche Modelle zur Stärkung von regionalem Zusammenhalt zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft etabliert. Die Rentabilität für Produzent:innen und Händler:innen wurde bewiesen und Planungssicherheit ist gewährleistet, durch professionalisierte Datenerhebungs- und Logistiksysteme. Preise bleiben ein Balance-Akt: faire Preise für Erzeuger:innen, Zugang auch für geringverdienende Konsument:innen zu nachhaltigen Lebensmitteln und rentable Geschäftsmodelle.


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