Am von Eva Piepenbrock

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Mit Nachhaltigkeit auch Geld verdienen?

Die Welt verbessern und gleichzeitig Geld verdienen? Klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Prof. Dr. Karin Schnitker im Interview über sozial-ökologische Geschäftsmodelle für die Landwirtschaft.

f3 - farm. food. future: Derzeit wird viel über sozial-ökologische Geschäftsmodelle gesprochen, die durch unternehmerisches Handeln gesellschaftliche Verbesserungen erzielen. Was heißt das für neue Ideen in der Landwirtschaft?

Prof. Dr. Karin Schnitker: Diese Art Geschäftsmodell hat meistens etwas mit Vertrauen und Transparenz zu tun. Das Schöne ist, dass GründerInnen und HofnachfolgerInnen, die solche Modelle suchen, das Rad nicht neu erfinden müssen. Sie können bereits erfolgreiche nachhaltige Geschäftsmodelle anderer Bereiche adaptieren.

"Kauf eins - spende eins"

Prof. Dr. Karin Schnitker (Bildquelle: f3)

Eines heißt zum Beispiel „Buy one, spend one“. Es besagt: „Kaufe ein Produkt und spende ein Weiteres.“ Dies kommt eher aus dem Non-Food-Bereich, wo Taschenlampen, Decken, Gummistiefel oder Kinderkleidung gekauft werden und dafür je ein weiteres Produkt in Entwicklungsländer oder an soziale Organisationen gespendet wird. Dies geschieht in den Bereichen, wo soziale oder ökologische Probleme bestehen, die der Markt als solche nicht löst.

Dabei müssen gar nicht die Riesenbeträge gespendet werden. Zum Beispiel spendet die „Shop-Apotheke“ von jedem dort eingereichten Rezept 50 Cent an den Münsteraner Verein Herzenswünsche e.V., der schwer erkrankten Kindern Wünsche erfüllt.

f3: Kann man „Buy-one, spend-one“ auf Agrar- und Food übertragen?

Prof. Dr. Karin Schnitker: Ja, es gibt erfolgreiche Beispiele. Eine richtige Bewegung mit diesem Geschäftsmodell ist im Hamburger St. Pauli-Verein mit der Marke „Viva con Agua“ entstanden. Über den Verkauf jeder Wasserflasche werden Mittel gesammelt, um mehr Menschen den Zugang zu sauberem Wasser zu ermöglichen. Mit dem Geld werden Brunnen- und Sanitärprojekte im südlichen Teil der Erde durchgeführt. Mittlerweile gibt es neben dem Flaschenverkauf viele freiwillige Aktionen etwa von Festivals, die z. B. Pfandbecher spenden. 2017 wurden über 2,2 Mio. € Spenden ins Ausland weitergeleitet.

Auf Milch oder Äpfel übertragbar

f3: Das klingt alles nach einem non-profit-Modell. Was hat ein landwirtschaftlicher Betrieb davon?

Prof. Dr. Karin...