Am von Justin Brinkmann

AgriFood-Transformation

Nachhaltiges Lebensmittelsystem: Was wir haben, was wir brauchen

Green Deal, Farm to Fork und One Health: Drei Begriffe, die den Startschuss für eine nachhaltige Agrarwende illustrieren sollen. Wo stehen wir? Was brauchen wir? Wie können wir den Weg zu einem nachhaltigen Ernährungssystem beschleunigen? Diese Fragen standen vergangenen Donnerstag bei gleich mehreren Diskussionen im Mittelpunkt.

Die Farm to Fork-Strategie der Europäischen Union ist Teil des Green Deals und soll den Übergang zu einer nachhaltigen Agrarpolitik einläuten. Befürworter sehen in ihr eine große Chance – Kritiker ein leeres Versprechen. So sei die Strategie zu unverbindlich und die Denkweise von Landwirtschaft und Politik zur Umsetzung zu altertümlich. Das Verständnis für Innovationen fehle in den Rahmenbedingungen. Und AgTech- und FoodTech-Start-ups müssten gezielt in Arbeitskreise integriert werden. Das sind nur einige der Stimmen, die am vergangenen Donnerstag zur Frage laut wurden, wie sich die Lebensmittelwertschöpfungskette nachhaltiger gestalten lässt. Geladen hatte die German Agrifood Society zu einem Tagesprogramm rund um Innovationen im Agrifood-Bereich. Die Veranstaltung war Teil des Agrifood Summits von crowdfoods und f3, der die ganze Woche ein spannendes Programm bot. 

Landwirtschaft: Die Macht der Gewohnheit ablegen

Was ist wichtig auf dem Weg zur Nachhaltigkeit und zum Überwinden der dritten Transformations-Welle? Prof. Dr. Karin Schnitker von der Hochschule Osnabrück ist sich sicher: Disruptive Technologie und Andersartigkeit. „Nachhaltigkeit kann durch Schlüsseltechnologien schneller umgesetzt werden. Und genau das sollten wir nutzen – und uns nicht entgegenstellen.“ Denn aus der Sicht der Landwirtschaft sieht die Professorin ein Problem: „Wir sehen Dinge nicht so, wie sie sind. Wir sehen Dinge so, wie wir sind.“ Dies habe zur Folge, dass Innovationen der Zukunft immer erst als Risiko angesehen werden. Für eine Wende gelte es jedoch, Veränderungen als Chance zu sehen und sie von Jahr zu Jahr voranzubringen.

„Was wir für Transformation überwinden müssen: Unsere blinden Flecken“ (Prof. Dr. Karin Schnitker, Hochschule Osnabrück). f3-Volontärin Anne Kokenbrink und Redakteurin Julia Hufelschulte moderierten die Diskussionen am vergangenen Donnerstag. (Bildquelle: Brinkmann)

Prof. Karin Schnitker gab als Einstieg in das Tagesprogramm einen kurzen Überblick zu den bereits vergangenen Transformationswellen. Das Ziel der ersten Welle war es, die Menschen mit Nahrungsmitteln zu sättigen. In der zweiten Welle wollten die Unternehmen am Markt bestehen. Die zukünftige dritte Welle habe ein anderes Ziel: Die hörbare, gesellschaftliche Veränderung. Dazu sagte Goethe bereits: „Wer neue Antworten will, muss neue Fragen stellen.“ Es gilt, so Schnitker, alte Gewohnheiten abzulegen und über den Tellerrand hinauszublicken. Wer könne das besser wissen als Start-ups? Deshalb gab die Innovationsexpertin zum Abschluss zu bedenken: „Es ist viel zu sanft, wie wir anfangen, grüne Innovationen zu fördern. Wir müssen schneller werden.“

Klimawandel, Globalisierung, ökonomische Rahmenbedingungen: Die Agrar- und Ernährungsbranche sieht sich mit vielen Anforderungen konfrontiert – und steht unumgänglich vor einem...


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