Am von Prof. Dr. Michael Clasen

Schöne neue Welt?

Bisher wurden in der Landwirtschaft vor allem Tätigkeiten wie das Pflügen oder Melken an Maschinen übertragen. Doch schon bald werden künstliche Intelligenzen ganze Prozesse planen, mitentscheiden und steuern. Kann das gut gehen?

Wenn im Märzen 2030 der Bauer die „Rösslein einspannt“, könnte das mit der Landwirtschaft von heute so viel gemeinsam haben, wie ein jetziger 300-PS-Schlepper mit den besagten Ackerpferden aus dem Kinderlied. Nun ist es mit Prognosen bekanntlich so eine Sache. Denkbar und technisch realisierbar könnte im Frühjahr 2030 aber durchaus dieses Bild sein:

Landwirt Meier legt am Beginn des Wirtschaftsjahres fest, welche Früchte er auf welchen Schlägen anbauen möchte und welche Mengen an Milch oder Fleisch produziert werden sollen. Gestützt werden seine Entscheidungen von den Vorschlägen einer Planungssoftware, die ökonomisch sinnvolle Varianten auf Basis aller im Internet verfügbaren Prognosedaten errechnet. Landwirt Meier ändert den Anbauplan ein wenig ab und gibt ihn zur Produktion frei. Die Umsetzung dieses Produktionsplanes liegt nun in der Verantwortung der jeweiligen Produktionssysteme.

Ackerschläge mit Bewusstsein

Produktionssysteme sind Schläge oder Ställe, die um eine Art „Geist“ oder „Bewusstsein“ erweitert wurden. Dahinter stecken so genannte „Agenten-Softwaresysteme“, die sich um die bestmögliche Erreichung der gesteckten Ziele kümmern.

Hierfür stehen den Feld- und Stall-Agenten alle Informationen des Internets, sowie ein physischer Fuhrpark aus Drohnen, Schleppern, Bodenbearbeitungs- und Erntemaschinen bzw. Fütterungsautomaten und Melkrobotern zur Verfügung. Ein Feld könnte beispielsweise im Herbst feststellen, dass es Zeit ist, eingesät zu werden. Für die genaue Terminplanung bezieht es Wetterprognosen aus dem Internet, schickt aber sicherheitshalber zusätzlich eine Drohne zum Feld, um die tatsächliche Feuchtigkeit auf dem Acker zu messen.

Ein Feld bucht seine Drillmaschine

Ist der ideale Zeitpunkt ermittelt, bucht das Feld (bzw. sein Softwareagent) über digitale Marktplätze eine Drillmaschine, die mit der Einsaat beauftragt wird. Die Drillmaschine (bzw. ihr Softwareagent) ist nun dafür zuständig, genügend Saatgut der richtigen Sorte und Qualität einzukaufen sowie eine Zugmaschine zu buchen, was ebenfalls über digitale Marktplätze erfolgt.

Auf diese Art und Weise werden Produktionsziele immer weiter in spezifische Teilziele herunter gebrochen und einer Einheit übertragen (Feld, Stall, Drillmaschine, Schlepper etc.). Teilziele, die von einer Einheit nicht selbst erledigt werden können, werden als Unterauftrag an eine andere übergeben. Visionen einer sich selbst steuernden Landwirtschaft wie dieser werden derzeit unter den Begriffen „Landwirtschaft 4.0“ oder „Digital Farming“ diskutiert.

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