Am von Anja Rüweling

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Warum es Innovationen gerade in Krisenzeiten braucht

Die Erfahrungen aus vergangenen Rezessionen zeigen, dass innovative Unternehmen in Krisenzeiten deutlich widerstandsfähiger sind als Unternehmen ohne Innovationen. Start-ups passen ihre Geschäftsmodelle an.

"Wir haben zehn Tage von Idee bis „go live“ gebraucht. Ich bin aufgeregt und stolz einen neuen, innovativen Food-Lieferservice zu bieten“, sagt Therese Köhler, CEO und Geschäftsführerin von "EAT" aus Berlin. Kürzlich ging ihre Plattform live. Von zu Hause aus arbeitenden Menschen bietet sich die Möglichkeit, täglich frische und wechselnde Gerichte ins Home Office zu bestellen und damit die Gastronomen zu unterstützen, die die Hilfe in der Krise aktuell benötigen. Auch Unternehmen können auf diesem Weg ihre Belegschaft weiterhin mit Catering versorgen und diesen mit Essensgutscheinen subventionieren.

Im Schnitt sind unseren Partnern seit Mitte März 90% der Umsätze weggebrochen.

Henrik Piroth

“Im Schnitt sind unseren Partnern seit Mitte März 90% der Umsätze weggebrochen. Wir wollen sie auch in dieser Zeit unterstützen und haben mit EAT ein Konzept an den Start gebracht, das Kunden den Zugang zur Catering-Welt ermöglicht”, so Henrik Piroth, COO und Geschäftsführer. 2015 gründete er zusammen mit Therese die Online-Plattform und Softwarefirma "Heycater!", die die Abwicklung von Caterings und Events für Firmen übernimmt und mit mehr als 500 Cateringunternehmen in der DACH-Region zusammenarbeitet. Wird EAT in Berlin gut angenommen, sollen schnell weitere Städte folgen, so hoffen die beiden Gründer.

Therese und Henrik gründeten ihr Start-up 2015. In der Krise passen sie ihr Geschäftsmodell an. (Bildquelle: Heycater!)

Geld für Innovationen auszugeben lohnt sich auch in Krisenzeiten

Dass sich auch in der Krise Geld einsammeln lässt, zeigte sich ebenfalls in der vorvergangenen Woche. Wie Gründerszene berichtete, sammelte das Berliner Gastro-Start-up "Choco" in einer neuen Finanzrunde rund 28 Mio. € ein. Lead-Investor ist der New Yorker Hedgefonds Coatue Management, weiteres Kapital kommt von Altgesellschaftern wie Bessemer Venture Partners, Atlantic Labs und Target Global. Erst im Oktober bekam der 2018 gegründete Messenger-Dienst für Restaurantbesitzer 30 Mio. €. Über die App können Gastronomen Lebensmittel bei ihren Lieferanten bestellen. Während der Corona-Krise haben auch die Gründer von Choco ihr Geschäftsmodell geändert und bieten nun einen B2C-Lieferdienst für Nahrungsmittel an.

ZEW: Innovation rüstet gegen Rezession

Mehr Umsatz und Bestellungen, aber zu wenig Auslieferfahrzeuge und helfende Hände: Online-Hofläden, Food-Start-ups und digitale Vermarktungsplattformen profitieren von der aktuellen Situation. Sie...

Durch die Corona-Krise sind zahlreiche Unternehmen aktuell gezwungen, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Was Start-ups meist schnell gelingt, verläuft bei größeren Unternehmen und insbesondere im Bereich "Forschung und Entwicklung" häufig schleppender, da dieser an technische Ausstattungen wie Labore oder Werkstätten gebunden ist. „Auch wenn die jetzige Krise Zeit für Kreativität gibt, werden wir weniger antizyklisches Innovationsverhalten als während der Finanzkrise 2008/2009 zu sehen bekommen“, sagt Prof. Dr. Bettina Peters. Sie ist stellvertretende Leiterin des Forschungsbereichs „Innovationsökonomik und Unternehmensdynamik“ am Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) sowie Mitautorin des ZEW policy brief.

Die Folgen der damaligen Rezession wurden von innovativen Unternehmen in Europa wesentlich besser verkraftet.

Prof. Dr. Bettina Peters

Während die meisten Unternehmen in Deutschland ihre Ausgaben für Forschung und Entwicklung am Wirtschaftszyklus ausrichten und damit in der Rezession herunterfahren, haben in der Finanzkrise 2008/2009 etwa 34% aller deutschen Unternehmen ihre Innovationsaktivitäten antizyklisch erhöht. Die Folgen der damaligen Rezession wurden von innovativen Unternehmen in Europa wesentlich besser verkraftet. So mussten sie beispielsweise weniger Stellen streichen als Unternehmen, die nicht oder kaum innovieren, so das Ergebnis der ZEW-Forschung.