Gründerwerkstatt Interview

Gründen im tiefsten Niederbayern

Das Silicon Vilstal bietet eine Plattform für Gründer, Landwirte und Unternehmer im Vilstal. (Foto: Silicon Vilstal)

Die Initiative Silicon Vilstal möchte Gründer in der gleichnamigen Region in Niederbayern fördern. Auch Agrar- und Food-Start-ups sowie Landwirte profitieren. f3 sprach mit Koordinator Helmut Ramsauer über das Projekt.

f3 – farm.food.future: Mit dem Silicon Vilstal versucht ihr aktiv eure Region mit einer Art Gründerwerkstatt zu stärken. Was steckt hinter der Idee?

Helmut Ramsauer: Wir starteten 2016 mit Silicon Vilstal. Uns war von Anfang an nicht danach, einfach urbane Dinge zu kopieren. Wir wollten vielmehr den Fokus auf etwas eigenständiges und authentisches aus der Region legen.

Eine unserer vielen Aktivitäten ist „Bauer sucht Start-up“, ein ländliches Coaching- und Coworking-Programm. Es bietet kostenloses Coworking bei ortsansässigen Landwirten und anderen Gastgebern. Neben einem ungewöhnlichen Arbeitsumfeld ermöglicht das Programm Coaching, ein Netzwerk sowie Medienreichweite.

Bauer sucht Start-up

f3: Welchen Nutzen ziehen die Landwirte aus dem Projekt „Bauer sucht Start-up“?

Helmut Ramsauer: Einerseits erhoffen sich die Landwirte neue Perspektiven bzw. Denkansätze von den Gründern. Andererseits geht es ihnen darum, das eigene Schaffen und ihre Probleme vorzustellen.

Eines der teilnehmenden Start-ups ist „Agrando“. Das Gründerteam baut einen Marktplatz für Agrarprodukte auf. In diesem Fall wurde die gastgebende Landwirtsfamilie auch Pilot-Anwender der digitalen Lösung, weil sie einen konkreten Nutzen bietet. Bei „Bauer sucht Start-up“ kann der Landwirt neue Technologien kennenlernen und sie mit dem Start-up diskutieren. Wiederum ist er auch als Ratgeber gefragt.

Das Start-up konnte von einem Geschäftsmodellcoaching, konkretem Kundenfeedback und überregionaler Medienreichweite profitieren.

Helmut Ramsauer

f3: Agrando ist ein Beispiel aus dem Agrar-Bereich. Was für Food-Start-ups habt ihr im Repertoire?

Helmut Ramsauer: Ein weiteres Projekt war die Zusammenarbeit einer lokalen Bäckerei mit den Entwicklern der pickpack-App für mobile Essensbestellung. Auch zu nennen ist die „Obstfee“ - eine Plattform für regional erzeugte Produkte aus überschüssigem Obst. Das Start-up konnte von einem Geschäftsmodellcoaching, konkretem Kundenfeedback und überregionaler Medienreichweite profitieren.

Das Silicon Vilstal besteht aus einem kleinen Kernteam, einen Kreis von Helfern und einem Netzwerk von Partnern. (Foto: Silicon Vilstal)

Ländliche Gründer

f3: Das hört sich vielversprechend an. Doch welche Probleme entstehen beim Gründen auf dem Land?

Helmut Ramsauer: Eigentlich keine. Die Hochschule Landshut hat gerade mit Silicon Vilstal und dem lokalen Gründernetz LINK e.V. die Studie „Start-ups in Stadt und Land“ durchgeführt. Sie kommt zu dem Fazit, dass die Unterschiede zwischen urbanen und ländlichen Gründern relativ klein sind. Aus urbaner Sicht gesprochen: Wenn Gründer die Vorurteile gegenüber ländlichen Regionen bei Seite legen, entdecken sie sehr viele Möglichkeiten. Das können flexible, schnelle Kommunen und gute Arbeitsumgebungen, aufgeschlossene pragmatische Menschen und viel Natur sein.

Hochschule ist das A und O

f3: Was muss eine Region auf dem Land bieten, damit Start-ups kommen?

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Die Initiative Silicon Vilstal möchte Gründer in der gleichnamigen Region in Niederbayern fördern. Auch Agrar- und Food-Start-ups sowie Landwirte profitieren. f3 sprach mit Koordinator Helmut Ramsauer über das Projekt.

f3 – farm.food.future: Mit dem Silicon Vilstal versucht ihr aktiv eure Region mit einer Art Gründerwerkstatt zu stärken. Was steckt hinter der Idee?

Helmut Ramsauer: Wir starteten 2016 mit Silicon Vilstal. Uns war von Anfang an nicht danach, einfach urbane Dinge zu kopieren. Wir wollten vielmehr den Fokus auf etwas eigenständiges und authentisches aus der Region legen.

Eine unserer vielen Aktivitäten ist „Bauer sucht Start-up“, ein ländliches Coaching- und Coworking-Programm. Es bietet kostenloses Coworking bei ortsansässigen Landwirten und anderen Gastgebern. Neben einem ungewöhnlichen Arbeitsumfeld ermöglicht das Programm Coaching, ein Netzwerk sowie Medienreichweite.

Bauer sucht Start-up

f3: Welchen Nutzen ziehen die Landwirte aus dem Projekt „Bauer sucht Start-up“?

Helmut Ramsauer: Einerseits erhoffen sich die Landwirte neue Perspektiven bzw. Denkansätze von den Gründern. Andererseits geht es ihnen darum, das eigene Schaffen und ihre Probleme vorzustellen.

Eines der teilnehmenden Start-ups ist „Agrando“. Das Gründerteam baut einen Marktplatz für Agrarprodukte auf. In diesem Fall wurde die gastgebende Landwirtsfamilie auch Pilot-Anwender der digitalen Lösung, weil sie einen konkreten Nutzen bietet. Bei „Bauer sucht Start-up“ kann der Landwirt neue Technologien kennenlernen und sie mit dem Start-up diskutieren. Wiederum ist er auch als Ratgeber gefragt.

Das Start-up konnte von einem Geschäftsmodellcoaching, konkretem Kundenfeedback und überregionaler Medienreichweite profitieren.

Helmut Ramsauer

f3: Agrando ist ein Beispiel aus dem Agrar-Bereich. Was für Food-Start-ups habt ihr im Repertoire?

Helmut Ramsauer: Ein weiteres Projekt war die Zusammenarbeit einer lokalen Bäckerei mit den Entwicklern der pickpack-App für mobile Essensbestellung. Auch zu nennen ist die „Obstfee“ – eine Plattform für regional erzeugte Produkte aus überschüssigem Obst. Das Start-up konnte von einem Geschäftsmodellcoaching, konkretem Kundenfeedback und überregionaler Medienreichweite profitieren.

Das Silicon Vilstal besteht aus einem kleinen Kernteam, einen Kreis von Helfern und einem Netzwerk von Partnern. (Foto: Silicon Vilstal)

Ländliche Gründer

f3: Das hört sich vielversprechend an. Doch welche Probleme entstehen beim Gründen auf dem Land?

Helmut Ramsauer: Eigentlich keine. Die Hochschule Landshut hat gerade mit Silicon Vilstal und dem lokalen Gründernetz LINK e.V. die Studie „Start-ups in Stadt und Land“ durchgeführt. Sie kommt zu dem Fazit, dass die Unterschiede zwischen urbanen und ländlichen Gründern relativ klein sind. Aus urbaner Sicht gesprochen: Wenn Gründer die Vorurteile gegenüber ländlichen Regionen bei Seite legen, entdecken sie sehr viele Möglichkeiten. Das können flexible, schnelle Kommunen und gute Arbeitsumgebungen, aufgeschlossene pragmatische Menschen und viel Natur sein.

Hochschule ist das A und O

f3: Was muss eine Region auf dem Land bieten, damit Start-ups kommen?

Helmut Ramsauer: Ein großer Faktor ist zunächst eine attraktive Hochschule. Das ist bei uns in der näheren Region die Hochschule Landshut. Hinzukommt das lokale Gründernetzwerk LINK e.V. Aber wie auch anderswo braucht es zunächst erste kleine Erfolge, um sich ein Netzwerk aufzubauen. Diese kleinen Erfolge konnten wir in unseren Projekten erreichen und dadurch schnell Schwung aufnehmen. Ich denke, dass solche Entwicklungen gute Signale für Gründer sind.

Aber wie auch anderswo braucht es zunächst erste kleine Erfolge, um sich ein Netzwerk aufzubauen.

Helmut Ramsauer

Neben der Ansiedlung der von außen kommenden Start-ups ist aber auch die Förderung lokal entstehender Start-ups wichtig. Wir haben mit studentischen Vorgründungsteams der Hochschule Landshut gearbeitet und die Pilotierung der Ideen unterstützt.

f3: Was macht das Silicon Vilstal noch?

Helmut Ramsauer: Wir veranstalten verschiedene Events. Das wichtigste davon ist das Silicon Vilstal Erlebnisfestival. Es ist eines der großen ländlichen Innovationsevents Deutschlands und findet in diesem Jahr vom 17. bis 20. September statt. An vier Tagen wird genetzwerkt, an neuen Ideen gearbeitet und natürlich gefeiert.

Außerdem sind wir Organisator des 12½-Punkte-Programms 2020 für ländliche Innovationen. Jeweils eine von zwölf kreativen ländlichen Initiativen steuert monatlich eine Aktion bei, die Lust aufs Nachmachen in anderen Regionen hervorrufen oder Inspiration für eigene Ideen geben soll.