food Forst Gründerwerkstatt

Gründen: Solo oder im Doppel?

Verzettelt man sich zu zweit oder gibt ein Mitgründer eher Halt? Zwei Start-ups berichten darüber, wie sie im Team und solo gegründet haben. (Foto: pixabay.com)

Wer ein Start-up aufbaut, muss auf 1000 Baustellen gleichzeitig tanzen. Hilft da ein Teampartner oder macht es das nur komplizierter? Wir haben einen Sologründer und ein eingeschworenes Team gefragt.

Gründen ist so oder so eine Herausforderung - soviel schon einmal vorab. Aber wo liegen eigentlich die Vorteile beim Solo-Gründen und beim Gründen im Team? Das haben wir mit zwei Start-ups besprochen, die es ganz unterschiedlich halten.

Da wären zum einen Malin Heitmeyer und Esther Knopp von True Feed. Die beiden 27- und 26-jährigen Frauen stellen in Team- und Handarbeit Hundefutter aus rohen Schlachtabfällen her. Barfen nennt man das. Und zum anderen haben wir mit Manfred Ide von Fovea gesprochen (siehe weiter unten). Der Solo-Gründer hat eine forstwirtschaftliche App entwickelt, mit der sich Holzstapel im Wald digital vermessen lassen.

Ein Team: True Feed

Esther Knopp (rechts) und Malin Heitmeyer haben bewusst im Team gegründet. Sie verkaufen Hundefutter aus Frischfleisch - und stellen es auch selbst her. (Foto: Drießen)

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Wer ein Start-up aufbaut, muss auf 1000 Baustellen gleichzeitig tanzen. Hilft da ein Teampartner oder macht es das nur komplizierter? Wir haben einen Sologründer und ein eingeschworenes Team gefragt.

Gründen ist so oder so eine Herausforderung – soviel schon einmal vorab. Aber wo liegen eigentlich die Vorteile beim Solo-Gründen und beim Gründen im Team? Das haben wir mit zwei Start-ups besprochen, die es ganz unterschiedlich halten.

Da wären zum einen Malin Heitmeyer und Esther Knopp von True Feed. Die beiden 27- und 26-jährigen Frauen stellen in Team- und Handarbeit Hundefutter aus rohen Schlachtabfällen her. Barfen nennt man das. Und zum anderen haben wir mit Manfred Ide von Fovea gesprochen (siehe weiter unten). Der Solo-Gründer hat eine forstwirtschaftliche App entwickelt, mit der sich Holzstapel im Wald digital vermessen lassen.

Ein Team: True Feed

Esther Knopp (rechts) und Malin Heitmeyer haben bewusst im Team gegründet. Sie verkaufen Hundefutter aus Frischfleisch – und stellen es auch selbst her. (Foto: Drießen)

„Wir haben seit dem Abitur eigentlich alles zusammen gemacht“, sagt Malin Heitmeyer und lächelt dabei ihre Freundin und Mitgründerin Esther Knopp an. Die beiden 27- und 26-jährigen Frauen haben im Jahr 2017 zusammen das Hundefutter-Start-up True Feed in Ladbergen, Nordrhein-Westfalen gegründet. Um das rohe Hundefutter aus  Schlachtabfällen herzustellen, stehen sie einmal die Woche in einer ehemaligen Schlachterei am Schneidetisch und am Fleischwolf und erledigen wahre Knochenarbeit.

Wie sie das aushalten? „Die Fleischindustrie ist schon eine harte Branche. Aber wir sind ja zu zweit“, sagen die Gründerinnen. „Alleine hätten wir in der Anfangsphase wahrscheinlich das Handtuch geworfen.“ Aber wenn es nach einem langen Tag am Fleischwolf und in der Tiefkühleinheit nach Hause ging, konnte wenigstens eine von beiden immer schon wieder lachen, erzählen sie. Trotz Muskelkater.

Schon seit der Schule kennen sich die jungen Frauen. Beide wollten immer schon eine möglichst selbständige Arbeit verrichten. „Hauptsache nichts mit Fleisch“, lacht Malin. Aber dann kam erst die gemeinsam verfasste Bachelor- und kurz darauf sogar die Team-Masterarbeit. Aus letzterer heraus ist dann die Geschäftsidee entstanden. „Unsere Kommilitonen haben uns immer ausgelacht, dass wir alles zusammen machen“, lacht Esther. „Aber wir können besser zu zweit arbeiten.“

Wenn wir zusammenhalten, kann uns keiner was.

Rein finanziell gesehen, sind die beiden Gründerinnen gleichberechtigt: Jede hat jeweils 25.000 € in den Aufbau des Start-ups investiert. Den Löwenanteil von 150.000 € erhielten sie allerdings vom mittelständischen Fleischverarbeitungsunternehmen Steinemann.

Als Intrapreneure besitzen sie also zusammen „nur“ 25 % an ihrem eignen Start-up. Bei Gesellschafter-Sitzungen müssen sie sich schon einig sein, um im Falle einer Uneinigkeit ihr stimmliches Veto geltend zu machen. „Aber wenn wir zusammenhalten, kann uns keiner was“, unterstreicht Esther. Und wer entscheidet, wenn die beiden unterschiedlicher Meinung sind? „Wir sind uns sehr selten uneinig“, sagt Esther. „Falls doch, gehen wir da ganz faktisch ran und versuchen den jeweils anderen mit nüchternen Pros und Kons zu überzeugen.“ Scheint bislang ganz gut geklappt zu haben.


Einer muss der Chef sein: Fovea

Manfred Ide 

Im Gegensatz zu Malin und Esther bevorzugt der Informatiker und Förster Manfred Ide aus Uslar in Südniedersachsen eher das alleinige Chef-sein. Mit seinem Start-up Fovea entwickelte er im Jahr 2012 eine App, mit der sich Holzstapel im Wald via fotooptischer Erkennung abfotografieren und digital vermessen lassen.

Mit Veto-Recht

„Am Anfang waren wir noch drei Gründer“, erzählt Ide. Er blieb als Ideen- und Kapitalgeber zwar immer alleiniger Geschäftsführer, holte aber neben einer Grafikdesignerin auch einen Mathematiker an Bord, der den Algorithmus für die App mitentwickelte. Damals hatte jeder ein eigenes Veto-Recht – erst recht in seinem eigenen Fachgebiet! Aber wenn es hart auf hart kam, hatte Ide als derjenige das Zepter in der Hand, der auch das finanzielle Risiko trug. „Es wollte keiner mithaften, also hatte ich den Hut auf.“

Entscheidung würfeln?

Generell rät Ide von 50-50-Lösungen ab. „Bei drei Gründern kriegt man ja immer noch eine Mehrheit hin. Aber was passiert bei zwei gleichberechtigten Chefs? Soll da gewürfelt werden?“ Die Gefahr bestünde doch, dass man sich immer fragt, ob eine getroffene Entscheidung nun wirklich die richtige ist, oder ob der Entscheider „einfach mal dran war, so die Sorge des Unternehmers.

Manfred Ide fotografiert einen Holzpolter ab. Als Solo-Gründer fühlt er sich nicht wirklich – er bespricht viel mit seinen Mitarbeitern. (Foto: Piepenbrock)

Nach einigen Jahren trennte sich das Fovea-Gründerteam. „Die Zusammenarbeit passte irgendwann nicht mehr“, blickt Manfred zurück. Daran konnte auch das Treffen mit einem Mediator nichts helfen, der „diverse Kommunikationsprobleme“ beheben sollte. Aber das Team ging im Guten auseinander – vielleicht auch, weil Manfred Ide stets darauf bestanden hatte, eine Exit-Strategie für den Fall eines Ausscheidens in der Schublade zu haben. „Ich kann nur jedem empfehlen, sich im Vorfeld zu überlegen, was passiert, wenn einer aussteigt.“

Einmal die Woche alle an einen Tisch

Born to be Wald free

„Kommunikation ist der Schlüssel zum Erfolg“, sagt Manfred Ide. Was abgedroschen klingt, führte bei Fovea zu einem festen Rital: „Einmal in der Woche treffen wir uns mit allen Mitarbeitern und jeder berichtet kurz aus seiner Woche und der kommenden. Was liegt an, was läuft problematisch, wo muss zusammen gearbeitet werden?“ Acht Mitarbeiter sind dann zwar für mehrere Stunden gebunden, aber der Nutzen dieser Absprachen überwiegt laut Ide eindeutig.

„Dass sich dabei jeder kurz fasst, ist schwierig“, gibt der Gründer zu. „Aber man muss gucken, dass sich alle disziplinieren.“ Insofern fühlt sich Manfred Ide gar nicht als echter Solo-Gründer. „Die Mitarbeiter, die lange dabei sind, kennen die Kunden und das Geschäft sehr gut. Die agieren doch wie meine Mitgründer.“