Am von Eva Piepenbrock

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Eine Stimme für Start-ups

Start-ups aus der Land- und Ernährungswirtschaft haben sich zur „German AgriFood Society“ zusammengetan. Der Verein fordert einen eigenen AgriFood-Fonds und besseren Zugang zur Politik. Einblicke in die Gründerwelt.

f3 - farm. food. future: Ihr habt kürzlich die Deutsche Gesellschaft für innovative Land- und Ernährungswirtschaft, kurz: die German AgriFood Society gegründet. Wer steckt hinter dem Verein und was sind eure Ziele?

Dr. Julia Köhn: Die Gründungsmitglieder sind Akteure entlang der Lebensmittelwertschöpfungskette: Start-ups, aber auch Mittelständler und etablierte Unternehmen, Wissenschaftler, innovative Landwirte, die Dinge anders machen. Alle eint eine Leidenschaft für Tech und Innovationen, mit denen sich die riesige Aufgabe der digitalen Transformation der Land- und Ernährungswirtschaft stemmen lässt. Allein können Start-ups diese Aufgabe nicht lösen. Das geht nur im Schulterschluss mit den Etablierten. Anstatt also weiter als Einzelgründer zu agieren, haben wir uns zusammengetan. Wir wollen Food und Agrar nicht getrennt denken, sondern als einen Bereich entlang der Lebensmittelwertschöpfungskette. Hier lassen sich immense Potenziale für die Umwelt, die Bewältigung des Klimawandels und die Wirtschaft heben. (Vorstand und Beirat siehe hier)

Dominik Ewald: Wir möchten junge Entrepreneure fördern. Sie sind es, die unternehmerische Risiken bei der Entwicklung von Innovationen tragen. Sie haben den Mut, Sachen auszuprobieren, an die sich die Großen nicht rantrauen. Das unterstützen wir.

Dr. Julia Köhn und Dominik Ewald - beide selbst Start-up-Gründer - sind Sprecher des Vorstands.

Die Finanzen

f3: Mag die Idee noch so gut sein, in Deutschland fehlt es Gründern oft an Risikokapital. Wie lauten die Forderungen des Vereins in dieser Angelegenheit?

Dominik: Es fehlt insbesondere Privatkapital für den AgriFood-Bereich. Der Privatsektor stellt nicht die Summen bereit, die notwendig sind. In 2018 flossen knapp 98 Mio. € in den AgriFood-Bereich. Blickt man dann nur auf den AgTech-Bereich, bleiben davon gerade einmal 29 Mio. € Risikokapital für 21 getätigte Deals übrig. Das sind im Durchschnitt weniger als 1,5 Mio. € pro Start-up. Darüber lacht die Welt. Wenn man nach England oder Frankreich schaut, da wurden zwischen 300 bis 400 Mio. € investiert. In den USA waren es gut 7 Mrd. €. In China flossen gut 3 Mrd. €. Wir als Verein möchten in Politik und Wirtschaft ein Bewusstsein dafür schaffen, dass der AgriFood-Bereich in Deutschland so stark unterfinanziert ist.

Wir möchten in Politik und Wirtschaft ein Bewusstsein dafür schaffen, dass der AgriFood-Bereich in Deutschland so stark unterfinanziert ist.

Dominik Ewald

Julia: Aus marktwirtschaftlicher Sicht ist das eine Katastrophe. Hier werden mit öffentlichen Geldern viele gute Ideen kreiert. Aber wenn sie wachsen, werden sie von ausländischem Geld gekauft und wandern ab. Darüber muss sich das Ökosystem bewusst werden: Die Innovationen der Zukunft werden zwar hier bezahlt, sie spühlen aber kein Geld in die öffentlichen Kassen und die deutsche Wirtschaft zurück.

Auf der innovate! Osnabrück 2019 wurde die German AgriFood Society zur Unterstützung von Start-ups in der Agrar-...