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Frauen in der Gründerszene

Neues Investorinnen-Netzwerk: Kapital an die Frau bringen

Die Gründung des Investorinnen-Netzwerks „encourageventures“ wirft ein Schlaglicht auf weibliche Gründerteams und ihre Herausforderungen bei der Kapitalsuche. Vorständin Alexa Hergenröther und Gründerin Amelie Vermeer sprechen im f3-Interview über Role Models, große Egos beim Pitchen und worauf es bei der Investorenwahl ankommt. 

f3 – farm. food. future.: Es gibt die Geschichte vom Gründerinnen-Team eines US-Online-Kunstmarktes, das einen männlichen Kollegen „erfunden“ hat, damit der die Investoren anschreibt. Erst damit hätten sie Gehör gefunden. Was sagt ihr zu solchen Geschichten? Wahr? Oder übertrieben?
Alexa Hergenröther: Tatsächlich haben wir ein Start-up im Portfolio, das eine ähnliche Geschichte kennt. Das Team besteht aus zwei Gründern und einer Gründerin. Alle schicken stets dieselbe E-Mail an Investoren heraus, aber bei der Gründerin führt sie seltener zu Antworten. Die Hürden sind einfach höher. Es wird unterstellt, dass die Frau nicht der Chef sein kann. 
Amelie Vermeer: Im Grunde spielt das Geschlecht keine Rolle. Zwar wird man auf Messen oder Events nicht direkt für die Chefin gehalten, sondern für Messepersonal. Das kann man aber mit etwas Selbstbewusstsein charmant aufklären. Letztendlich kommt es für den Gesamterfolg des Start-ups auf das Produkt und das Team an. Und natürlich spielt auch die Branche, in der man sich bewegt, eine essenzielle Rolle.

Frauen gründen doch anders

f3 – farm. food. future.: Unterscheidet sich die Situation in der AgTech- und FoodTech-Welt von der in anderen Branchen?
Alexa Hergenröther: Erstmal muss man zwischen Ag und Food selbst unterscheiden. Die Agrar-Seite ist tatsächlich stark männerdominiert. Auf Food-Seite gibt es viele Gründerinnen. Allerdings fehlt ihnen oft ein skalierbares Geschäftsmodell, weil sich die Ideen in Mini-Nischen von bestimmten Foodtrends bewegen. Da versuchen wir mit dem Verein zu unterstützen, damit die Teams erkennen, wohin es langfristig für sie gehen kann.
f3 – farm. food. future.: Das klingt nach einem generellen Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Gründern. Worin unterscheiden sich die Geschlechter noch?
Amelie Vermeer: Meine Mitgründerin und ich denken anders, planen anders. Nicht schlechter oder besser. Einfach anders. Ich glaube, wir planen etwas realistischer oder zurückhaltender als männliche Gründer. Das sind einige Investoren nicht gewohnt. Auf die wirkt das sofort weniger ambitioniert. Aber nur, weil wir realistischer planen, sind wir nicht weniger erfolgreich. Wir setzen uns lediglich Ziele, die wir erreichen können. Umso mehr freuen wir uns über alles, was darüber hinaus noch geht. 
Ein anderer Unterschied ist noch, dass es Gründerinnen bei Pitches oft an Selbstbewusstsein mangelt.
Amelie Vermeer
Manche Investoren wollten, dass wir anders denken. Aber wir haben gesagt: Nein, so sind wir nunmal und das ist gut. Ich kann nur raten, sich da...


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