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Haltbarkeit und Frische via App einsehen

Auf der diesjährigen "Fruit Logistica" präsentierte sich das Start-up "tsenso" und zeigte, wie der von ihnen entwickelte "Fresh Index" funktioniert. (Foto: Rüweling)

App öffnen, den Code am Obstregal scannen und die Qualität der Blaubeeren messen: So sollen Verbraucher im Supermarkt zukünftig den Zustand von Obst und Gemüse digital einsehen können. Das Start-up "tsenso" aus Stuttgart möchte dem Endverbraucher mit dem "Fresh Index" nicht nur die aktuelle Frische eines Produktes anzeigen, sondern auch weitere Details zum Produkt wie Wassergehalt und zum Hersteller liefern.

Mit diesen Daten rekonstruieren wir für jede Packung eine eigene Temperaturkurve, und das von der Herstellung an.

Mathias Brunner

Bereits im vergangenen Jahr testete tsenso die App mit der Metro. „Das Feedback der Metro-Kunden war durchweg positiv“, sagt Mathias Brunner, Geschäftsführer von tsenso. "In fünf Metro-Großmärkten wurde die App über sechs Wochen für Schweinefleisch getestet. Und auch Metro zeigte sich zufrieden: „Die App Fresh-Index bietet eine vielversprechende Lösung für mehr Transparenz über die tatsächliche Halthaltbarkeit von Lebensmitteln.“

Lebensmittelverschwendung eingrenzen

In der Feldphase konnte das Start-up Erfahrungen unter realen Bedingungen sammeln. Erstes Ergebnis: Das dynamische Haltbarkeitsdatum (DHD) liegt in der Regel drei bis sieben Tage nach dem Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD). 900.000 Tonnen Lebensmittel im Wert von 1,5 Milliarden Euro könnten durch die App in Europa vor der Mülltonne bewahrt werden, so das Ergebnis einer ersten internen Analyse des Wirkungspotenzials.

 Das DHD wird bei Abfrage in Echtzeit berechnet und aktualisiert sich, wenn sich die Temperaturbedingungen ändern (Foto: tsenso)

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Die App „Fresh Index“ möchte die tatsächliche Frische von Lebensmitteln in Form eines dynamischen Haltbarkeitsdatums transparent machen. Jetzt kann auch der Zustand von Obst und Gemüse digital eingesehen werden.

Dieser Beitrag ist zuerst erschienen in der Lebensmittel Praxis 16/19.

App öffnen, den Code am Obstregal scannen und die Qualität der Blaubeeren messen: So sollen Verbraucher im Supermarkt zukünftig den Zustand von Obst und Gemüse digital einsehen können. Das Start-up „tsenso“ aus Stuttgart möchte dem Endverbraucher mit dem „Fresh Index“ nicht nur die aktuelle Frische eines Produktes anzeigen, sondern auch Qualitätsmerkmale zum Produkt, wie zum Beispiel Süße, Wassergehalt und Festigkeit, liefern.

Mit diesen Daten rekonstruieren wir für jede Packung eine eigene Temperaturkurve, und das von der Herstellung an.

Mathias Brunner

Bereits im vergangenen Jahr testete tsenso die App mit der Metro. „Das Feedback der Metro-Kunden war durchweg positiv“, sagt Mathias Brunner, Geschäftsführer von tsenso. „In fünf Metro-Großmärkten wurde die App über sechs Wochen für Schweinefleisch getestet. Und auch Metro zeigte sich zufrieden: „Die App Fresh-Index bietet eine vielversprechende Lösung für mehr Transparenz über die tatsächliche Halthaltbarkeit von Lebensmitteln.“

Lebensmittelverschwendung eingrenzen

In der Feldphase konnte das Start-up Erfahrungen unter realen Bedingungen sammeln. Erstes Ergebnis: Das dynamische Haltbarkeitsdatum (DHD) liegt in der Regel drei bis sieben Tage nach dem Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD). 900.000 Tonnen Lebensmittel im Wert von 1,5 Milliarden Euro könnten durch die App in Europa vor der Mülltonne bewahrt werden, so das Ergebnis einer ersten internen Analyse des Wirkungspotenzials.

 Das DHD wird bei Abfrage in Echtzeit berechnet und aktualisiert sich, wenn sich die Temperaturbedingungen ändern (Foto: tsenso)

Anders als das statische Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) wird das dynamische Haltbarkeitsdatum aus verschiedenen aktuellen Daten berechnet. In welchem Zustand befand sich das Fleisch vor dem Verpacken? Wie war die Temperatur während des Transports? Welchen Hygiene- und Lagerbedingungen war das Produkt ausgesetzt? Um Antworten auf diese Fragen geben zu können, erhält Fresh-Index die Hygienedaten der Produktion sowie die Logistikdaten der Transportunternehmen. Sensoren überwachen die genaue Temperatur.

Dynamisches Verzehrslimit

„Mit diesen Daten rekonstruieren wir für jede Packung eine eigene Temperaturkurve, und das von der Herstellung an“, erklärt Brunner. Danach ist der Verbraucher gefragt. Die App kann auf dem Smartphone installiert werden. Verbraucher müssen den Barcode auf den Verpackungen scannen und zusätzliche Angaben über Transport und Lagerung nach dem Kauf angeben. Alle Daten werden in der „Fresh-Index-Cloud“ – einer eigenen Big-Data-Lösung – erfasst.

Die Verwendung von Echtzeitdaten ermöglicht dem Handel, die Lebensmittelverschwendung entlang der Lieferkette zu reduzieren.

Mathias Brunner

Fresh Index gibt in der Verbraucher-App dann zwei Daten aus: Zum einen das dynamische Haltbarkeitsdatum, das den Zeitpunkt angibt, zu dem das Produkt noch alle zu erwartenden Qualitätseigenschaften hat. Nach dem angegebenen Datum können sich erste Verfallszeichen, zum Beispiel Geruch, bemerkbar machen. Das Produkt ist aber unbedenklich und kann auch nach dem Ablauf des DHD gegessen werden. Das dynamische Verzehrslimit (DVL) zeigt an, ab wann das Lebensmittel wirklich nicht mehr verzehrt werden sollte. Hier spielt die Risikobewertung pathogener Keime die führende Rolle.

Für Händler und Verbraucher

Der Wert der App für Händler liegt vor allem in den gesammelten Daten. Sie werden über Auffälligkeiten informiert, die dann wiederum zu Verbesserungen der Lebensmittelqualität oder des Lagermanagement führen können. „Die Verwendung von Echtzeitdaten ermöglicht dem Handel, die Lebensmittelverschwendung entlang der Lieferkette zu reduzieren“, erklärt der Start-up-Gründer Brunner.

Ware mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum darf zwar verkauft werden. Allerdings ist „sicherzustellen, dass die Ware einwandfrei“ ist, erklärt die Verbraucherzentrale NRW. Anders verhält es sich mit dem Verbrauchsdatum, mit dem besonders schnell verderbliche Lebensmittel ausgezeichnet werden müssen. Ist dieses abgelaufen, darf die Ware nicht mehr verkauft werden. Deswegen sei das dynamische Haltbarkeitsdatum auch für Produkte, die derzeit kein MHD haben – wie Frischfisch, Obst und Gemüse – interessant.