farm Perspektivwechsel

Hummus statt Hackbällchen? free

Die Produktion von Rindfleisch steht teilweise in der Kritik. Ein Referent auf einem Plenartag an der Uni Gießen möchte die Produktion aber gerade in Europa halten. (Foto: stock.adobe/ nickalbi)

Wie sieht die Zukunft der Fleischproduktion aus? Das wurde auf einer Tagung an der Universität Gießen hitzig diskutiert. Die Positionen der Referenten waren mitunter grundverschieden.

„Das Essverhalten der Deutschen ändert sich“, sagte Trend-Forscherin Jeanette Huber am vergangenen Mittwoch auf der Plenartagung der „Gesellschaft für Züchtungskunde“ sowie der „Gesellschaft für Tierzuchtwissenschaften“ an der Justus-Liebig Universität Gießen. Und sie wurde konkreter: „Die Ära der Fleischkonsumierenden in Deutschland ist vorbei.“ Das war der Startschuss für eine hitzige Debatte vor rund 200 Wissenschaftlern, Studierenden und Professoren.

Die Ära der Fleischkonsumierenden in Deutschland ist vorbei.

Jeanette Huber, Trend-Forscherin
In Gießen bestand auch Raum für Fragen und Anmerkungen aus dem Publikum. (Foto: Dicks)

Veränderung müssen her

In ihrem Vortrag „Heuschrecken oder Hummus statt Hackbällchen?“ stellte Jeanette Huber vier Beweggründe dar, warum es künftig zum vermehrten Fleischverzicht kommen werde. So sei der Wunsch nach mehr Gesundheit, Tierwohl und Umweltschutz sowie eine globalere Esskultur Katalysator für neue Ernährungsgewohnheiten. „Besonders die Generation der 2000er hat ein ganz anderes Ernährungsverständnis, als ihre Eltern oder Großeltern“, sagte Huber. „Das wird den Siegeszug der Fleischalternativen befeuern.“

Doch statt das Ende der Landwirtschaft damit anzukündigen, sieht die Forscherin auch Chancen für Landwirte. Der Erbsenanbau könnte eine Renaissance erleben, so Huber. „Fleischalternativen auf der Basis von Erbsen sind auf dem Vormarsch“, sagte sie. „Langfristig könnten auch Lebensmittel auf Insektenbasis interessant sein.“ Ebenso profitieren Food-Start-ups durch einen Wandel, so Huber. Nicht zuletzt werde das Klima geschützt.

Der Fleischausstieg wird aber nicht so leicht wie der Kohleausstieg.

Jeanette Huber, Trend-Forscherin

Um Klimaschäden zu minimieren, müsse die Fleischproduktion in Europa reduziert werden, sagte die Trend-Forscherin. „Der Fleischausstieg wird aber nicht so leicht wie der Kohleausstieg“, betonte Huber, die auch für ordnungspolitische Maßnahmen, wie eine staatlich verordnete Reduzierung der Tierhaltung oder eine Fleischsteuer plädierte.

Fleischproduktion einstellen ist nicht nachhaltig?

Einer anderen Auffassung war der Agrarökonom Prof. Dr. Michael Schmitz von der Universität Gießen. Er betonte in seinem Vortrag „Erhöhte Produktionsstandards und Fleischverzicht sind nicht nachhaltig“ die Vorzüge des bestehenden Agrarsystems.

Trend-Forscherin Jeanette Huber und Agrarökonom Prof. Dr. Michael Schmitz hatten verschiedene Ansichten über die Zukunft der Fleischproduktion in Deutschland. (Fotos: Dicks)

Er eröffnete mit einem Blick auf den Weltmarkt: „Die globale Fleischnachfrage wird sich erhöhen. Und zwar durch eine wachsende Weltbevölkerung sowie steigenden Wohlstand.“ Prof. Schmitz geht zwar von einem Rückgang des Fleischverzehrs in Europa aus. Dennoch sollte der Kontinent die Fleischproduktion nicht herunterfahren – und das gerade aus Klimaschutzgründen. „In Europa entstehen durch 1 kg Schweinefleisch oder 1 Liter Milch deutlich weniger Treibhausgase als in vielen anderen Ländern“, belegte Prof. Schmitz anhand von Studien des Institutes für Energie- und Umweltforschung (IFEU) sowie der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO). Demnach soll für 1 Liter Rohmilch aus Südasien mehr als die vierfache Menge CO2 ausgestoßen werden, als bei einer Produktion in Deutschland.

Was ist denn, wenn wir mit unserem Traum die Welt zu retten, alleine bleiben?

Prof. Dr. Michael Schmitz, Agrarökonom

„Was ist denn, wenn wir mit unserem Traum die Welt zu retten, alleine bleiben?“, mahnte der Professor die Anwesenden, um dann selbst seine Sorge anzufügen. „Dann laufen wir einem abnehmenden Wohlstand entgegen, da uns ein wichtiger Wirtschaftszweig fehlt.“ Der Agrarökonom plädierte eher für technische Fortschritte und setzte auf die Innovationskraft von Landwirten sowie des gesamten Agribusiness. So könne ein höheres Maß an Nachhaltigkeit erreicht werden.

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