Wunschkonzert

In die Freilandhaltung einsteigen

Freilandhaltung
Der Betrieb von Sören Brase will in den Bau eines Legehennenstalls mit Freilandhaltung investieren. (Quelle: pixabay.com/Capri23auto)

Agrarstudent Sören Brase (22) steht vor der Übernahme des elterlichen Milchviehbetriebs mit Spargel und Direktvermarktung in Vahlde in Niedersachsen. Warum der Junglandwirt in die Freilandhaltung von Legehennen investiert, erzählt er im Wunschkonzert. Doch auch auf die Optimierung bestehender Betriebszweige will Sören künftig setzen.

„Wir bewirtschaften einen Gemischtbetrieb mit 140 ha Landfläche in Vahlde, Landkreis Rotenburg in Niedersachsen. Davon sind 30 ha Grünland, 2,5 ha Spargel und der Rest Mais und Getreide. Dazu halten wir 130 Milchkühe, die per Melkroboter gemolken werden, und die dazugehörige Nachzucht. Den Spargel vermarkten wir über unseren Hofladen, einen Verkaufsstand und Gaststätten.

Milchviehhaltung optimieren, aber nicht vergrößern

Es stand fest, dass wir investieren und wachsen wollen. Geplant war allerdings, auf die Milchviehhaltung zu setzen. Wir hatten 2017 die Genehmigung für den Bau eines Stalls für 300 Kühe schon vorliegen. Nach längeren Überlegungen haben wir die Genehmigung aber fallen lassen und uns gegen den Bau entschieden. Das ist uns nicht leicht gefallen. Die Planung dauerte mehrere Jahre und hat uns viel Zeit, Nerven und Geld gekostet. Die Berufskollegen waren auch verwundert.

Im Abwägungsprozess haben uns viele Dinge überzeugt, die gegen eine Ausweitung im Milchviehbereich sprechen. So ist die Milchviehhaltung in dieser Größenordnung sehr arbeits- und kostenintensiv. Gute Arbeitskräfte zu finden, ist schwierig. Und die wollen entsprechend bezahlt werden. Außerdem sind wir mit dem Produkt Milch abhängig vom Exportmarkt, auf dem wir mit günstigeren Produzenten konkurrieren. Durch die unflexible Lieferbeziehung zwischen Molkerei und Landwirt gibt es kaum Vermarktungsspielraum. Wir sind hier reiner Preisnehmer. Des Weiteren hätte ein Wachstum in diesem Bereich den Spargelanbau arbeitstechnisch fast unmöglich gemacht. Mir persönlich macht diese Arbeit aber besonders viel Spaß.

Investition in die Freilandhaltung von Legehennen

Nach mehreren Gesprächen mit Beratern kam die Freilandhaltung von Legehennen als möglicher Betriebszweig auf. Ich interessiere mich schon länger für Geflügel und habe während der Ausbildung einen Geflügellehrgang besucht. Die Marktaussichten für Eier sind derzeit gut. In Deutschland liegt der Selbstversorgungsgrad unter 100%. In der Legehennenhaltung gibt es eine klare Marktsegmentierung zwischen den Haltungsformen - also Boden, Freiland oder Bio. Der Preis richtet sich nach der Haltungsform. Da kann ich nach oben mit gestalten. Das Produkt Ei fügt sich außerdem gut in unsere Direktvermarktung ein. Mit der Selbstvermarktung wollen wir etwas unabhängiger von Abnehmern werden und unseren Kunden einen Mehrwert bieten. Wie viele der Eier wir direkt vermarkten werden, ist aber im Moment noch schwer abzuschätzen. Vermutlich wird erst mal der größte Teil an einen Großabnehmer gehen. Der Vorteil daran ist, dass Preise im Vorhinein verhandelt werden können. Man weiß also schon vor der Einstallung, zu welchem Preis produziert werden muss.

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Agrarstudent Sören Brase (22) steht vor der Übernahme des elterlichen Milchviehbetriebs mit Spargel und Direktvermarktung in Vahlde in Niedersachsen. Warum der Junglandwirt in die Freilandhaltung von Legehennen investiert, erzählt er im Wunschkonzert. Doch auch auf die Optimierung bestehender Betriebszweige will Sören künftig setzen.

„Wir bewirtschaften einen Gemischtbetrieb mit 140 ha Landfläche in Vahlde, Landkreis Rotenburg in Niedersachsen. Davon sind 30 ha Grünland, 2,5 ha Spargel und der Rest Mais und Getreide. Dazu halten wir 130 Milchkühe, die per Melkroboter gemolken werden, und die dazugehörige Nachzucht. Den Spargel vermarkten wir über unseren Hofladen, einen Verkaufsstand und Gaststätten.

Milchviehhaltung optimieren, aber nicht vergrößern

Es stand fest, dass wir investieren und wachsen wollen. Geplant war allerdings, auf die Milchviehhaltung zu setzen. Wir hatten 2017 die Genehmigung für den Bau eines Stalls für 300 Kühe schon vorliegen. Nach längeren Überlegungen haben wir die Genehmigung aber fallen lassen und uns gegen den Bau entschieden. Das ist uns nicht leicht gefallen. Die Planung dauerte mehrere Jahre und hat uns viel Zeit, Nerven und Geld gekostet. Die Berufskollegen waren auch verwundert.

Im Abwägungsprozess haben uns viele Dinge überzeugt, die gegen eine Ausweitung im Milchviehbereich sprechen. So ist die Milchviehhaltung in dieser Größenordnung sehr arbeits- und kostenintensiv. Gute Arbeitskräfte zu finden, ist schwierig. Und die wollen entsprechend bezahlt werden. Außerdem sind wir mit dem Produkt Milch abhängig vom Exportmarkt, auf dem wir mit günstigeren Produzenten konkurrieren. Durch die unflexible Lieferbeziehung zwischen Molkerei und Landwirt gibt es kaum Vermarktungsspielraum. Wir sind hier reiner Preisnehmer. Des Weiteren hätte ein Wachstum in diesem Bereich den Spargelanbau arbeitstechnisch fast unmöglich gemacht. Mir persönlich macht diese Arbeit aber besonders viel Spaß.

Investition in die Freilandhaltung von Legehennen

Nach mehreren Gesprächen mit Beratern kam die Freilandhaltung von Legehennen als möglicher Betriebszweig auf. Ich interessiere mich schon länger für Geflügel und habe während der Ausbildung einen Geflügellehrgang besucht. Die Marktaussichten für Eier sind derzeit gut. In Deutschland liegt der Selbstversorgungsgrad unter 100%. In der Legehennenhaltung gibt es eine klare Marktsegmentierung zwischen den Haltungsformen – also Boden, Freiland oder Bio. Der Preis richtet sich nach der Haltungsform. Da kann ich nach oben mit gestalten. Das Produkt Ei fügt sich außerdem gut in unsere Direktvermarktung ein. Mit der Selbstvermarktung wollen wir etwas unabhängiger von Abnehmern werden und unseren Kunden einen Mehrwert bieten. Wie viele der Eier wir direkt vermarkten werden, ist aber im Moment noch schwer abzuschätzen. Vermutlich wird erst mal der größte Teil an einen Großabnehmer gehen. Der Vorteil daran ist, dass Preise im Vorhinein verhandelt werden können. Man weiß also schon vor der Einstallung, zu welchem Preis produziert werden muss.

Für mich waren der Kontakt zu den Kunden und der Trend zur Regionalität entscheidend.

Sören Brase

Für mich waren außerdem der Kontakt zu den Kunden und der Trend zur Regionalität entscheidend, um diesen Weg zu gehen. Die Akzeptanz der Verbraucher für Freilandhaltung ist da. Das Genehmigungsverfahren für einen konventionellen Legehennenstall in Freilandhaltung läuft zurzeit.

Blick in die Zukunft

Andere Landwirte schauen gespannt auf unser Projekt. Legehennen in Freilandhaltung gibt es in unserer Gegend in dieser Größenordnung bisher kaum. Ich bin zuversichtlich, dass unsere Entscheidung richtig war. Man muss dazu aber sagen, dass nicht jeder Landwirt etwas ganz Neues aufbauen muss, um sich gut für die Zukunft aufzustellen. Die Optimierung bestehender Betriebszweige bietet gute Perspektiven. Das ist in der Milchviehhaltung weiterhin unser Ziel.

Mit Blick auf die Direktvermarktung könnte ich mir vorstellen, den Spargelanbau leicht auszuweiten. Eine weitere Möglichkeit wäre es, noch mehr Produkte für die Direktvermarktung anzubauen, z.B. Beerenobst oder Grünspargel. Unser Betrieb mit Hofladen liegt zwischen Bremen und Hamburg. Die Lage ist eher durchschnittlich. Wir liegen nicht im Speckgürtel, aber der Einzugsbereich von Hamburg dehnt sich aus und der Pendlerverkehr nimmt zu. Daher hoffe ich auf eine steigende Kaufkraft in der Region. Denn zurzeit ist das Preisniveau eher niedrig.

Meine größte Motivation als Landwirt liegt darin, als Unternehmer tätig zu werden, mit allen dazugehörigen Chancen und Risiken. Ein Unternehmen weiterzuführen, das über Generationen aufgebaut wurde, ist eine Ehre und gleichzeitig ein Ansporn, langfristig erfolgreich zu sein.“