Gründerwerkstatt Invest

Inkubatoren brauchen Branchenfokus free

Eine Studie von Roland Berger fragt, ob die Zeiten von Inkubatoren und Acceleratoren vorbei sein könnte? (Foto: stock-adobe.com/denisismagilov)

Die Zahl der Inkubatoren hat sich in 10 Jahren weltweit verfünffacht. Doch nur knapp die Hälfte fokussiert sich auf eine Branche wie die Land- oder Ernährungswirtschaft. Dabei würde ihnen das gut tun, sagt eine Studie von Roland Berger.

„Die Zeiten sind vorbei, in denen sich Akzeleratoren und Inkubatoren alleine mit dem Bereitstellen von Büroflächen oder Mentoring-Programmen behaupten konnten“, sagt Jochen Ditsche. „Sie können nur überleben, wenn sie sich von der Masse abheben“, so der Berater von Roland Berger weiter. Die Unternehmensberatung hat in dieser Woche eine neue Studie präsentiert, die sich die wachsende Konkurrenz von Akzeleratoren und Inkubatoren näher angeschaut hat. Eine Erkenntnis: Erfolgreich im gesättigten Markt der Inkubatoren ist, wer sich konsequent auf eine Branche oder eine Technologie spezialisiert – zum Beispiel die Land- und Ernährungswirtschaft oder Klima- und Energietechnik.

Auf diese Industrien fokussieren sich Akzeleratoren

„food & agriculture“ ist eine der Branchen, auf die sich Akzeleratoren gut spezialisieren können. (Grafik: Roland Berger)

Bisher konzentrieren sich Akzeleratoren und Inkubatoren laut Studie überwiegend auf klassische Support-Funktionen wie Coaching (96%), Workshops (90%) oder die Vermittlung von Büroräumlichkeiten (86%). Nur rund die Hälfte gewährt Gründern Zugriff auf spezielle Technologien.

Gut die Hälfte ist spezialisiert

54 % der befragten Einrichtungen (insgesamt 200) sind auf bestimmte Branchen spezialisiert. Im internationalen Vergleich fokussieren sich Institutionen in den USA (65%) bereits am stärksten auf einzelne Industrien – gefolgt von Europa (59%) und der Region Nahost und Nordafrika (57%).

Inkubatoren und Akzeleratoren sollten sich als Plattformen für den Technologietransfer etablieren.

Unternehmensberater Jochen Ditsche

Wenn sich Inkubatoren spezialisieren, wählen sie laut Studie im Durchschnitt vier Industrien mit verwandten Fragestellungen aus. Der Grund, wieso eine Spezialisierung sinnvoll sein kann, liegt nach Angaben der Studienmacher im so dringend benötigten Marktzugang, den Akzeleratoren und Inkubatoren ihren Portfolio-Unternehmen bieten möchten. Dieser sei mit zunehmender Konkurrenz untereinander aber immer schwerer zu beschaffen.

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Außerdem, so Jochen Ditsche, stellten neue Wettbewerber wie Gründerzentren großer Unternehmen oder Programme von Venture Capital-Fonds für Akzeleratoren zusätzliche Konkurrenz dar. „Angesichts der hohen Liquidität an den Finanzmärkten sind Start-ups zudem nicht auf Investitionen dieser Anbieter angewiesen“, kommentiert der Unternehmensberater.

Als Schnittstelle fungieren

Genau hier interpretiert die Studie eine potenzielle neue Rolle für Inkubatoren. Sie könnten die Schnittstelle zwischen Start-ups zu Unternehmen, Risikokapitalfonds und staatlichen Institutionen bilden, die ihrerseits überfordert sind, sich im Dschungel der vielen Jungunternehmen zurecht zu finden. „Akzeleratoren und Inkubatoren können mit ihrer Expertise in einem sehr dynamischen und unübersichtlichen Markt bei Investitionsentscheidung maßgeblich unterstützen“, so Ditsche. „Und sich als Plattformen für den Technologietransfer etablieren.“

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