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innovate!now: Corona als Chance? free

Die „innovate!now“ fand digital statt. Die meisten Speaker wurden per Webcam zugeschaltet. Im einem Osnabrücker Studio waren nur wenige Gäste und keine Zuschauer anwesend. (Foto: Dicks)

Geschlossene Restaurants, verändertes Konsumverhalten oder die anstehende Spargelernte – die Corona-Pandemie stellt das Agribusiness vor Herausforderungen. Auf dem Online-Event „innovate!now“ wurde über Agrifood-Lösungen im Umgang mit Corona debattiert: Wo ergeben sich Chancen?

Die Corona-Pandemie betrifft nahezu alle Teile der Wirtschaft – auch das Agribusiness. Unter dem Titel „Agrifood beats Corona“ fand die innovate!now am vergangenen Donnerstagabend zum ersten mal statt. Rund 800 Teilnehmer verfolgten das Event von ihren Rechnern aus. 20 Speaker aus Gründerszene, etablierter Wirtschaft, Landwirtschaft und Wissenschaft gaben in kurzen Keynotes oder Diskussionsrunden Einblicke auf die veränderten Rahmenbedingungen durch Corona und schauten wo Handlungsbedarf besteht. Trotz der Corona-Situation konnte der Veranstalter innovate! das dreistündige virtuelle Event innerhalb von 14 Tagen auf die Beine stellen.

Von der Pfadabhängigkeit lösen

Gleich zu Anfang hat Prof. Dr. Karin Schnitker über die sogenannte Pfadabhängigkeit gesprochen. Viele Unternehmen, Landwirte und Start-ups befinden sich oder kommen langfristig in eine Pfadabhängigkeit. Die Innovationskraft der Unternehmer sinkt und eine Betriebsblindheit steigt. In ihrer Keynote „Warum Corona uns von unserer Pfadabhängigkeit abbringt und dadurch neue Innovationen entstehen (können)?“ stellt die Professorin der Hochschule Osnabrück die Chance der Coronakrise dar.

Durch Corona ergeben sich bei der Digitalisierung in vielen Unternehmen aktuell neue Pfade.

Prof. Dr. Karin Schnitker
(Quelle: Schnitker)

„Pfade bieten Orientierung und es lässt sich leichter laufen bzw. arbeiten“, sagte Schnitker. „Aber zu starkes Routineverhalten kann zu Abhängigkeit führen.“ Diese Pfadabhängigkeit könne durch einen Engpass oder eine Krise aufgebrochen werden, so Schnitker. Die Corona-Krise könne die Initialzündung für ein Ausbrechen aus bestehenden Pfaden sein.

Dafür seien jedoch die beteiligten Personen ausschlaggebend: „Für eine Pfadkreation und Innovation kommt es darauf an, unterschiedliche Akteure zur Zusammenarbeit zu bewegen“, sagte Schnitker. „Etablierte Unternehmen sollten sich nach der Initialzündung Corona mit Start-ups zusammentun, um Innovationen zu fördern.“ Neue Pfade könnten im Bereich der Digitalisierung für Unternehmen, aber auch der Finanzierung für Start-ups beschritten werden.

Landwirt Michael Reber (r) nahm per Webcam an der innovate!now teil. (Foto: Piepenbrock)

„Gesunde Lebensmittel durch einen gesunden Boden“

Ein weiterer Speaker war der regenerative Landwirt Michael Reber. Er beschreitet neue Pfade in der Praxis. „Eine Unabhängigkeit als konventioneller Landwirt ist kaum noch gegeben. Wir müssen nicht nur in Zeiten von Corona unabhängiger werden“, sagte er im Panel „Regenerative Landwirtschaft als Chance auf gesunde Lebensmittel und Unabhängigkeit der Landwirte“.

Außerdem an der Diskussionsrunde beteiligt waren der „Seedforward“ Gründer Jacob Bussmann und Hannes Höhne, der ebenfalls seinen landwirtschaftlichen Betrieb regenerativ bewirtschaftet. Die regenerative Landwirtschaft stellt den Boden und den Humusaufbau in den Mittelpunkt. Der Boden solle sich selbst regenerieren. Regenerative Landwirte verzichten in vielen Fällen auf synthetische Pflanzenschutz- und Düngemittel.

Eine Nahrungsmittelsicherheit ist nicht selbstverständlich.

Jakob Bussmann

Das Start-up Seedforward stellt eine ökologische Saatgutbeize und organische Düngemittel her. Gründer Jakob sagte: „Eine Nahrungsmittelsicherheit ist nicht selbstverständlich. Wir müssen jetzt die Chance ergreifen, um zusammen mit Landwirten neue Wege zu gehen.“ Die Digitalisierung sei nicht die Antwort auf alle Probleme in der Landwirtschaft.

„Ich sehe einen klaren Zusammenhang zwischen gesunden Lebensmitteln und einem gesunden Boden“, entgegnete Landwirt Hannes Höhne auf Jakobs Aufruf. „Der Boden ist ein hochkomplexes Ökosystem. Es muss ein Umdenken stattfinden: Fütter den Boden und nicht die Pflanze.“

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