farm food Story

Insektenfarmer durch und durch

Das Halten von Grillen ist in Thailand verbreitet. Meist findet es dort in kleinen Maßstäben statt. (Foto: The Cricket Lab)

f3 - farm.food.future: In Thailand habt ihr die Grillenfarm „The Cricket Lab“ gebaut und preist sie als die Größte und Professionellste der Welt an, was steckt dahinter?

Radek Husek: Unsere Farm liegt im Norden Thailands. Die Grillen züchten wir dort in einer Halle mit einer Grundfläche von 600 m² in Boxen mit jeweils 10.000 Grillen. Diese enthalten Eierkartons, um den Tieren möglichst viel Krabbel-Oberfläche gewährleisten zu können. Die Boxen stapeln wir in 6 m hohen Regalen. Gefüttert werden die Grillen mit Nahrung auf Gemüsebasis, das Hühnerfutter ähnelt.

Die drei Gründer Nicolas Bery, Radek Husek und Daniel Vach auf ihrer 2018 errichteten Farm in Thailand. Aus den blauen Boxen hört man das Zirpen der insgesamt 50 Millionen Grillen. (Foto: The Cricket Lab)

Mit monatlich bis zu 3,5 t Grillenmehl hat die Farm weltweit die größte Produktionskapazität. Das liegt vor allem auch daran, dass die Branche noch immer in den Kinderschuhen steckt. Vor unserer Farm gab es groß angelegte Grillenzuchten und Verarbeitungen einfach nicht, so dass wir uns vieles erst selbst beibringen mussten.

Vermarktung der Grillen in Europa

f3: Wie vermarktet ihr euer Grillenmehl?

Radek: Unter dem Namen SensFoods vertreiben wir in Europa Riegel und Brot auf der Basis unseres Grillenmehls. Die Verarbeitung findet aber in Thailand statt. Wir rechnen dieses Jahr mit einem Umsatz von einer Million Euro. Zusätzlich stehen wir in Kontakt mit einer Vielzahl von Partnern, um neue Absatzwege für das Grillenmehl zu erschließen

In Thailand hingegen gibt es sogar Universitätsabschlüsse für Insektenzucht.

Radek Husek

f3: Warum habt ihr keine Farmen in Europa?

Radek: Als wir uns entschieden haben, in die Produktion von Grillenmehl einzusteigen, hatte in Europa niemand wirklich Erfahrung mit der industriellen Zucht von Insekten. In Thailand hingegen gibt es sogar Universitätsabschlüsse für Insektenzucht und wir konnten uns das Wissen von 20.000 thailändischen Bauern zu Nutze machen. Darüber hinaus sind die klimatischen Bedingungen in Thailand für die Grillenhaltung ideal. In Europa ließen sich diese derzeit nur mit hohem Energie- und Kostenaufwand simulieren, insbesondere in den Wintermonaten. Ein wesentlicher Teil unserer Forschung ist es jedoch, dies zukünftig zu ändern, so dass nachhaltig geführte Farmen auf der ganzen Welt realisiert werden können.

Von Thailand nach Europa. SensFoods vertreibt die Energieriegel und das Brot über den Onlineshop und einigen Supermärkten.

f3: Ist die Produktion klima- und umweltschonend, wenn das Grillenmehl vor allem aus Thailand nach Europa importiert werden muss?

Radek: Auf jeden Fall. Die gleiche Menge Protein aus der Rindfleischproduktion ist für die Umwelt beispielsweise wesentlich belastender, als der Versand eines Grillenmehl-Containers über den Schiffsverkehr. Aber der Plan ist natürlich, auch Farmen außerhalb von Thailand zu errichten. Mit dem Anstieg der Nachfrage und der Automatisierung sowie Optimierung aller Prozesse sollte es bald möglich sein, weltweit und unabhängig vom vorherrschenden Klima regionale Grillenfarmen zu errichten.

Wir könnten uns vorstellen in der Zukunft mit deutschen Landwirten zusammen zu arbeiten.

Radek Husek

Das Potential für Deutschland

f3: Wie schätzt ihr das Potential von Insektenzucht in Deutschland ein?

Radek: Es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir unser Grillenfarmkonzept auch nach Deutschland bringen werden. Wir könnten uns vorstellen in der Zukunft mit deutschen Landwirten zusammen zu arbeiten.

Jetzt f3 Mitglied werden und direkt weiterlesen

Als f3-Mitglied erhälst du täglich Meldungen, Beiträge und Reportagen zu Innovationen und Start-ups aus den "grünen" Bereichen und wirst Teil des neuen Gründer-Netzwerks.

mehr Informationen bekommst du hier

In einer Produktionshalle in Thailand züchten Radek, Daniel und Nicolas seit vergangenem Jahr Grillen. Mit ihrem Start-up „SensFoods“ vermarkten sie Riegel und Brot auf Basis von Grillenmehl in Europa. f3 sprach mit Radek über die Insektenzucht.

f3 – farm.food.future: In Thailand habt ihr die Grillenfarm „The Cricket Lab“ gebaut und preist sie als die größte und professionellste der Welt an. Was steckt dahinter?

Radek Husek: Unsere Farm liegt im Norden Thailands. Die Grillen züchten wir dort in einer Halle mit einer Grundfläche von 600 m² in Boxen mit jeweils 10.000 Grillen. Die Boxen enthalten Eierkartons, um den Tieren möglichst viel Krabbel-Oberfläche gewährleisten zu können. Wir stapeln sie in 6 m hohen Regalen. Gefüttert werden die Grillen mit Nahrung auf Gemüsebasis, das Hühnerfutter ähnelt.

Die drei Gründer Nicolas Bery, Radek Husek und Daniel Vach auf ihrer 2018 errichteten Farm in Thailand. Aus den blauen Boxen hört man das Zirpen der insgesamt 50 Millionen Grillen. (Foto: The Cricket Lab)

Mit monatlich bis zu 3,5 t Grillenmehl hat die Farm weltweit die größte Produktionskapazität. Das liegt vor allem auch daran, dass die Branche noch immer in den Kinderschuhen steckt. Vor unserer Farm gab es groß angelegte Grillenzuchten und Verarbeitungen einfach nicht, so dass wir uns Vieles erst selbst beibringen mussten.

Vermarktung der Grillen in Europa

f3: Wie vermarktet ihr euer Grillenmehl?

Radek: Unter dem Namen SensFoods vertreiben wir in Europa Riegel und Brot auf der Basis unseres Grillenmehls. Die Verarbeitung findet aber in Thailand statt. Wir rechnen dieses Jahr mit einem Umsatz von einer Million Euro. Zusätzlich stehen wir in Kontakt mit einer Vielzahl von Partnern, um neue Absatzwege für das Grillenmehl zu erschließen.

In Thailand hingegen gibt es sogar Universitätsabschlüsse für Insektenzucht.

Radek Husek

f3: Warum habt ihr keine Farmen in Europa?

Radek: Als wir uns entschieden haben, in die Produktion von Grillenmehl einzusteigen, hatte in Europa niemand wirklich Erfahrung mit der industriellen Zucht von Insekten. In Thailand hingegen gibt es sogar Universitätsabschlüsse für Insektenzucht und wir konnten uns das Wissen von 20.000 thailändischen Bauern zu Nutze machen. Darüber hinaus sind die klimatischen Bedingungen in Thailand für die Grillenhaltung ideal.

In Europa ließen sich diese derzeit nur mit hohem Energie- und Kostenaufwand simulieren, insbesondere in den Wintermonaten. Ein wesentlicher Teil unserer Forschung besteht allerdings darin, dies zukünftig zu ändern, sodass nachhaltig geführte Farmen auf der ganzen Welt realisiert werden können.

Von Thailand nach Europa: SensFoods vertreibt die Energieriegel und das Brot über den Online Shop und einige Supermärkte. (Fotos: SensFoods)

f3: Ist die Produktion klima- und umweltschonend, wenn das Grillenmehl vor allem aus Thailand nach Europa importiert werden muss?

Radek: Auf jeden Fall. Die gleiche Menge Protein aus der Rindfleischproduktion ist für die Umwelt beispielsweise wesentlich belastender, als der Versand eines Grillenmehl-Containers über den Schiffsverkehr. Aber der Plan ist, auch Farmen außerhalb von Thailand zu errichten. Mit dem Anstieg der Nachfrage und der Automatisierung sowie Optimierung aller Prozesse sollte es bald möglich sein, weltweit und unabhängig vom vorherrschenden Klima, regionale Grillenfarmen zu errichten.

Wir könnten uns vorstellen, in der Zukunft mit deutschen Landwirten zusammen zu arbeiten.

Radek Husek

f3: Wie schätzt ihr das Potential von Insektenzucht in Deutschland ein?

Radek Husek (26) gründete bereits während seines Studiums das Start-up „stansa“ und konnte es erfolgreich verkaufen. (Foto: SensFoods)

Radek: Es ist nur eine Frage der Zeit bis wir unser Grillenfarmkonzept auch nach Deutschland bringen werden. Wir könnten uns vorstellen, in der Zukunft mit deutschen Landwirten zusammen zu arbeiten.
Der Standort beim Bau einer Grillenfarm ist zunächst einmal relativ unwichtig, da man beim Vertical Farming nicht sehr viel Fläche benötigt. Wärme ist jedoch ein bedeutender Faktor.

Bei der Planung sollte aus diesem Grund darauf geachtet werden, dass ausreichend preiswerte Wärme – etwa durch eine Biogasanlage – zur Verfügung steht. Der größte Vorteil von Insekten ist ihr Potenzial für die Kreislaufwirtschaft, da selbst die organischen Abfälle aus der Haltung und Verarbeitung als Futtermittel und Dünger verwendet werden können. Daher sollte der Betrieb idealerweise in der lokalen Kreislaufwirtschaft verankert sein.

f3: Welche gesetzlichen Hürden bestehen in Deutschland für Produzenten, Verarbeiter und Händler von Nahrungsmitteln auf Insektenbasis?

Radek: Die rechtlichen Hürden sind derzeit leider noch nicht ganz klar ausgelegt. Wir gehen davon aus, dass die Rechtslage geklärt ist, sobald Haltung, Verarbeitung und Verzehr von Insekten auf internationaler Ebene der EU legalisiert sind. Um ehrlich zu sein, weiß bis jetzt niemand so recht, wie es am Ende aussehen wird. Aber es arbeiten derzeit wirklich viele Menschen daran, den Weg für Insekten als Nahrungsmittel in Europa zu ebnen. Daher bin und bleibe ich optimistisch.

Vorliebe für Grillen

f3: Warum habt ihr euch für die Produktion von Grillen und nicht anderen Insekten entschieden?

Radek: Für viele Europäer stellt der Verzehr von Insekten noch immer eine Überwindung dar. Bei einer Umfrage, ob Menschen eher Grillen, Fliegen oder Würmer probieren würden, ging die Grille als klarer Favorit hervor. Allerdings sehen viele Europäer den Konsum ganzer Insekten noch immer als Mutprobe an. Daher haben wir uns entschlossen Produkte aus Grillenmehl herzustellen. Da gibt es keine Fühler, Beine oder Flügel, auf die man beißen könnte.

f3: Welche Nahrungsmittel könnten aus dem Proteinpulver hergestellt werden?

Radek: Das reicht vom Frühstück bis zum Abendessen: Brot, Müsli, Hamburger, Proteinshakes, Riegel, Pasta – im Grunde sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Denn Grillenmehl ist ein Nahrungsergänzungsmittel, das den Nährwert und Proteingehalt von Lebensmitteln, wie wir sie kennen, aufwertet.