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Intelligente Erntelösungen aus der Schweiz für Indien free

So sieht das Start-up Gamaya ein Gerstenfeld durch eine Hyperspektralkamera. Die Schweizer haben kürzlich fast 11 Mio. € eingesammelt. (Foto: Gamaya)

Das Start-up „Gamaya“ entwickelt kamerabasierte Erntelösungen. Jetzt führt der indische Traktorenhersteller „Mahindra & Mahindra“ eine Finanzierungsrunde von 11 Mio. € an. f3 hat nachgehakt, warum wenig technisierte Kleinbauern eine Zielgruppe für Big Data-Anwendungen sind.

Das Schweizer AgTech-Unternehmen „Gamaya“ hat einen strategischen Partner in Indien gefunden. In einer B-Finanzierungsrunde sammelte das Start-up um Gründer Yosef Akhtman laut Pressemitteilung kürzlich 12 Mio. Schweizer Franken (CHF) ein. Das sind knapp 11 Mio. €. Die Finanzierungsrunde wurde von Mahindra & Mahindra (M&M) geleitet, einem indischen Großunternehmen, das Automobile und Traktoren herstellt und in Indien auch mit Saatgut und Agrochemie handelt. Neben dem Landmaschinenhersteller, der volumenmäßig der größte Traktorenhersteller der Welt ist, haben sich auch die bestehenden Investoren ICOS Capital und VI Partners der Runde angeschlossen. f3 hat sich bei Mitgründer Igor Ivanov nach den Hintergründen der Beteiligung erkundigt.

Mithilfe von Kamerabildern Felder präziser beackern, ist das Geschäftsmodell von Gamaya. (Foto: Gamaya)

Feldanalyse durch Satellitenbilder

Gamaya entwickelt digitale Erntelösungen auf Basis von Drohnen- und Satellitenbildern. Das 2015 gegründete Spin-off der École Polytechnique Fédérale in Lausanne überfliegt dafür Äcker mit Drohnen, die mit sogenannten Hyperspektralkameras ausgestattet sind. Damit können sie nach eigenen Angaben anhand des von Pflanzen reflektierten Lichtspektrums Rückschlüsse über deren Gesundheits- und Versorgungszustand ziehen. Auf Basis dieser Analyse geben sie dem Landwirt dann Empfehlungen zum Düngen oder der Behandlung mit Pflanzenschutzmitteln.

Big Data für indische Kleinbauern?

Das internationale Team aus der Schweiz schielt mit der Partnerschaft auf einen großen, bisher kaum digitalisierten Markt. Yosef Akhtman von Gamaya sagt: „Ein strategischer Investor wie Mahindra & Mahindra wird uns helfen, neue Geschäftsperspektiven zu eröffnen.“ Tatsächlich handelt es sich bei M&M um den volumenmäßig größten Traktorenhersteller der Welt. Allein am indischen Traktorenmarkt hält das Unternehmen laut Pressemeldung einen Anteil von gut 40%.

M&M glaubt, dass es künftig effizienter sein wird, mit einigen kleinen, aber voll autonomen Traktoren zu arbeiten, als mit einem Großen.

Igor Ivanov, Gamaya

Allerdings ist M&M im Gegensatz zu anderen global agierenden Landmaschinenunternehmen bislang nicht mit einer Digitalisierungsoffensive aufgefallen. Wie passen die eher einfachen und kleineren Traktoren für bislang weniger technisierte Kleinbauern zu einem Schweizer Big Data-Start-up? Mitgründer Igor Ivanov gibt auf Nachfrage von f3 strategische Einblicke: „M&M glaubt, dass es künftig effizienter sein wird, mit einigen kleinen, aber voll autonomen Traktoren zu arbeiten, als mit einem Großen.“ Dafür sei M&M mit dem Fokus auf kleinere Maschinen gut aufgestellt. „Wir wollen helfen, die noch fehlenden, intelligenten Bausteine zu der Zukunftsvision der autonomen Traktoren zu addieren. Aber das wird Zeit brauchen.“

Integrierte Datenanalyse macht den Unterschied

Gamaya filmt Felder ab und gibt Landwirten Einblicke in die Pflanzengesundheit. (Foto: Gamaya)

Das indische Unternehmen hat bereits vor einiger Zeit begonnen, aktiv über den Heimatmarkt hinaus zu expandieren und mit einer Reihe strategischer Akquisitionen fortschrittliche Technologien zu beschaffen. Rajesh Jejurikar, President des Sektors Farm Equipment bei M&M sagt: „Da die Landwirtschaft zunehmend technologieintensiv wird, investieren wir in zukunftsfähige Technologien, um der globalen Landwirtschaft Komplettlösungen anzubieten.“

Wenn die Maschine beispielsweise weiß, wieviel Dünge- oder Pflanzenschutzmittel auf welchen Teil einer Kultur ausgebracht werden muss, dann wird es interessant.

Igor Ivanov

Nicht ein Kleinbauer würde dann einen Traktor mit der jeweiligen Technologie kaufen. Aber wenn die digitalen Anwendungen miteinander agieren, wenn die Maschine also beispielsweise weiß, wieviel Dünge- oder Pflanzenschutzmittel auf welchen Teil einer Kultur ausgebracht werden muss, dann wird es interessant, erklärt Igor Ivanov. „Und das könnte dem Maschinenhersteller oder dem -Händler so viel Mehrwert bringen, dass er die Technologie finanziert und den Kleinbauern kostenlos anbietet.“

Ziel: Kommerzialisierung

In Indien reicht die Präsenz von Mahindra & Mahindra über landwirtschaftliche Geräte hinaus bis hin zu Chemikalien, Saatgut und agronomischer Beratung. Die Strategie von M&M besteht laut Pressemeldung darin, digitale und präzise landwirtschaftliche Technologien einzusetzen, um den Wert seiner Traktoren und landwirtschaftlichen Geräte zu steigern.

Vier Jahre lang entwickelte Gamaya ihre Bildgebungstechnologien. Nun sollen sie kommerzialisiert werden. Das frische Kapital soll es dem Unternehmen ermöglichen, sich auf die kommerziellen Aktivitäten zu konzentrieren. Das Vertriebsteam soll weiter gestärkt und die lokale Präsenz in den Zielmärkten ausgebaut werden. Gamaya investiert weiterhin in den Aufbau einer industriellen und skalierbaren IT-Infrastruktur und Hardware, um die Geschäftsanforderungen zu erfüllen.

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