Interview Perspektivwechsel

Jugend-Agrargipfel: Die Zukunft der Landwirtschaft gestalten

Insgesamt 100 Delegierte aus 45 Ländern reisten für den "Youth Ag Summit" nach Brasilien. Auf einer Hofbesichtigung konnte sich die deutsche Teilnehmerin Annika Ahlers (links) intensiver mit einer Kolumbianerin und Bolivianerin austauschen. (Foto: Ahlers)

Anfang November fand der dreitägige Youth Ag Summit in Brasilien statt. Junge Menschen aus der grünen Branche trafen sich, um über die globale Ernährungssicherung zu debattieren. f3 sprach mit Teilnehmerin Annika Ahlers über ihre Eindrücke.

Gemeinsam an Lösungen für Probleme in der Agrarbranche arbeiten - das möchte der Youth Ag Summit (Jugend-Agrargipfel) jungen Entscheidungsträgern aus der Landwirtschaft ermöglichen. Dieses Jahr fand die Konferenz vom 4. bis 7. November statt. 100 Delegierte aus 45 Ländern reisten dafür nach Brasilia in Brasilien. Der Youth Ag Summit wird in diesem Jahr ausgetragen von Bayer in Zusammenarbeit mit dem Nuffield International Farming Network sowie dem Interamerikanischen Institut für Zusammenarbeit in der Landwirtschaft (IICA). Die Veranstalter erhoffen sich durch die Konferenz am Puls der Zeit zu bleiben und übernahmen jegliche Kosten. Der Jugend-Agrargipfel findet alle zwei Jahre statt. Nach Kanada, Australien und Belgien ist Brasilien das erste lateinamerikanische Austragungsland.

100 Delegierte, aber 3000 Bewerbungen

f3 sprach mit Teilnehmerin Annika Ahlers über ihre Eindrücke vom Youth Ag Summit. Die gelernte Landwirtin ist Gründerin von „Anni´s Bauernbox“, einer Plattform für regionale Lebensmittel aus der Umgebung von Münster. Bewerben können sich potentielle Teilnehmer zwischen 18 und 25 Jahre, indem sie ein englischsprachiges Bewerbungsvideo einreichen. Hier sollen sie deutlich machen, inwiefern ihr Projekt zu einer Ernährungssicherung beiträgt. Insgesamt 3000 Bewerbungen gingen dieses Jahr ein.

f3 - farm.food.future: Annika, welche Erfahrungen konntest du vom Youth Ag Summit mit nach Deutschland nehmen?

Annika Ahlers: In Brasilien ist mir bewusst geworden, wie wenig wir voneinander Wissen. Ein internationaler Austausch zwischen den Kontinenten fehlt in der Agrarszene. Beeindruckt haben mich die Geschichten von Teilnehmern aus anderen Ländern. Da gab es eine Kanadierin, die 3D Videos von landwirtschaftlichen Betrieben über VR Brillen dem Verbraucher zugänglich macht. Oder eine Afrikanerin, die eine landwirtschaftliche Ausbildung speziell für Frauen entwickelt.

In Brasilien ist mir bewusst geworden, wie wenig wir voneinander wissen.

Annika Ahlers

f3: Welche Themen wurden beleuchtet?

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Anfang November fand der dreitägige „Youth Ag Summit“ in Brasilien statt. Junge Menschen aus der grünen Branche trafen sich, um über die globale Ernährungssicherung zu debattieren. f3 sprach mit Teilnehmerin Annika Ahlers über ihre Eindrücke.

Gemeinsam an Lösungen für Probleme in der Agrarbranche arbeiten: Das möchte der Youth Ag Summit (Jugend-Agrargipfel) jungen Entscheidungsträgern aus der Landwirtschaft ermöglichen. Vom 4. bis 7. November reisten 100 Delegierte aus 45 Ländern dafür nach Brasilia in Brasilien. Ausgetragen wurde der Youth Ag Summit vom Bayer-Konzern, dem Nuffield International Farming Network sowie dem Interamerikanischen Institut für Zusammenarbeit in der Landwirtschaft (IICA). Der Jugend-Agrargipfel findet alle zwei Jahre statt. Nach Kanada, Australien und Belgien ist Brasilien das erste lateinamerikanische Austragungsland.

Aus 3.000 Bewerbungen wurden 100 Delegierte ausgewählt

f3 sprach mit Annika Ahlers über ihre Eindrücke vom Youth Ag Summit. Die gelernte Landwirtin ist Gründerin von „Anni´s Bauernbox“, einer Plattform für regionale Lebensmittel aus der Umgebung von Münster. Sie hat sich mit einem Bewerbungsvideo für die Teilnahme an der Reise, dessen Kosten von den Veranstaltern übernommen wurden, beworben und war eine der 100 Delegierten.

f3 – farm.food.future: Annika, welche Erfahrungen konntest du vom Youth Ag Summit mit nach Deutschland nehmen?

Annika Ahlers: In Brasilien ist mir bewusst geworden, wie wenig wir voneinander wissen. Ein internationaler Austausch zwischen den Kontinenten fehlt in der Agrarszene. Beeindruckt haben mich die Geschichten von Teilnehmern aus anderen Ländern. Es gab es eine Kanadierin, die dem Verbraucher mithilfe von VR-Brillen 3D-Videos von landwirtschaftlichen Betrieben zugänglich macht. Oder eine Afrikanerin, die eine landwirtschaftliche Ausbildung speziell für Frauen entwickelt hat.

In Brasilien ist mir bewusst geworden, wie wenig wir voneinander wissen.

Annika Ahlers

f3: Welche Themen wurden beleuchtet?

Annika Ahlers: Nachhaltigkeit, Innovation und Digitalisierung – der Summit dauerte drei Tage und das Thema wechselte jeden Tag. Die Betrachtungsweise war sehr global, aber immer mit dem Ziel, Lösungen für den einzelnen Landwirt zu erarbeiten.

f3: Die Konferenz stand unter der Frage „Wie ernähren wir einen hungrigen Planeten bei gleichzeitigem Schutz seiner natürlichen Ressourcen?“ Welche Lösungen habt ihr dazu entwickelt?

Annika Ahlers: Im Vordergrund der dreitägigen Veranstaltung stand der Wissenstransfer zwischen den Teilnehmern. Der Austausch von Know-how zwischen Nachwuchswissenschaftlern, Gründern und Junglandwirten auf einer globalen Ebene wurde ermöglicht. Wir waren uns einig, dass Wissen der Schlüssel zur Ressourceneinsparung ist. Ich habe aber gemerkt, dass wir unser Handeln nicht unbedingt 1 zu 1 auf andere Länder projizieren können – denn überall gibt es eigene Strukturen.

f3: Gibt es ein konkretes Beispiel?

Annika Ahlers: Food Waste war ein großes Thema. Die Einstellungen dazu sind in den Ländern sehr unterschiedlich. Ein Brasilianer machte den Vorstoß, Lebensmittel zu retten und in Schulkantinen zuzubereiten. Das wäre ein erster Ansatz. Dieses Projekt setze sich am letzten Tag bei einem Pitch gegen andere gute Ideen durch.

f3: Was konntest du für dein eigenes Start-up „Anni´s Bauernbox“ lernen?

Annika Ahlers: Interessant war, dass mein Geschäftsmodell auch auf andere Länder übertragbar ist. Teilnehmer aus Frankreich oder Großbritannien könnten sich vorstellen, ebenfalls Produkte von Landwirten aus der Region zu bündeln und in ihrer Stadt zu vermarkten. Aber es ist auch etwas für ärmere Länder, wo es weniger um das Marketing geht, sondern schlichtweg um die Ernährungssicherung.

f3: Wie ist dein Eindruck von der Agrar-Start-up-Szene in Brasilien?

Annika Ahlers: Im Gespräch mit den brasilianischen Teilnehmern merkte ich, dass die Start-up Szene internationaler unterwegs ist als in Deutschland. Es sind aber ähnlich coole Leute mit frischen Ideen und dem Drang die Agrarbranche aufzuwirbeln.


Bewerbung für den Youth Ag Summit

Bewerben können sich potentielle Teilnehmer zwischen 18 und 25 Jahre, indem sie ein englischsprachiges Bewerbungsvideo einreichen. Hier sollen sie deutlich machen, inwiefern ihr Projekt aus der grünen Branche zu einer Ernährungssicherung beiträgt.