farm Story Wunschkonzert

„Keiner denkt mehr unterhalb der Erdoberfläche“

Bei der Regenerativen Landwirtschaft steht der Humusaufbau im Mittelpunkt. Landwirt Michael Reber will daraus nun ein Geschäftsmodell machen. (Foto: stock.adobe.com/klikk)

Michael Reber bewirtschaftet seine 220 ha Ackerland seit einigen Jahren im Rahmen der sogenannten Regenerativen Landwirtschaft. Der Humusaufbau steht dort im Mittelpunkt. Sein Wissen möchte er nun teilen und daraus ein Geschäftsmodell machen.

Michael Reber will andere Landwirte in Sachen regenerative Landwirtschaft schulen. (Foto: Piepenbrock)

„Bis vor einigen Jahren lief auch bei uns alles so, wie auf vielen anderen Betrieben auch. Schon nach meiner Ausbildung lautete das Motto: 'kommt der Junge nach Hause, wird gleich gebaut'. Lange wuchs der Betrieb also, meist mit Fremdkapital, stetig weiter. Damals hatten wir eine Herdbuchzucht mit 140 Sauen und 900 Jungsauen. 2009 kam der Wendepunkt: Erst mussten die Sauen weg, dann gaben wir auch die Schweinemast auf.

Ich kam in Sachen Bodenfruchtbarkeit einfach nicht weiter.

Michael Reber

Dafür ging unsere Biogasanlage (heute 750 KW) an den Start. Die Flächen waren im Rahmen der Flurneuordnung ohnehin durcheinander geworfen und durch die Biogasanlage änderte sich die Fruchtfolge. Damals wurde mir bewusst, dass ich in Sachen Bodenfruchtbarkeit einfach nicht weiterkam. Es gab keinen nennenswerten Ertragszuwachs, die Resistenzen nahmen zu, Witterungsextremen hatten unsere Böden nichts entgegen zu setzen. Und was die landwirtschaftlichen Berater dazu zu sagen hatten, half mir auch nicht weiter.

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Michael Reber bewirtschaftet seine 220 ha Ackerland seit einigen Jahren im Rahmen der sogenannten Regenerativen Landwirtschaft. Der Humusaufbau steht dort im Mittelpunkt. Sein Wissen möchte er nun teilen und daraus ein Geschäftsmodell machen.

Michael Reber will andere Landwirte in Sachen regenerative Landwirtschaft schulen. (Foto: Piepenbrock)

„Bis vor einigen Jahren lief auch bei uns alles so, wie auf vielen anderen Betrieben auch. Schon nach meiner Ausbildung lautete das Motto: ‚kommt der Junge nach Hause, wird gleich gebaut‘. Lange wuchs der Betrieb also, meist mit Fremdkapital, stetig weiter. Damals hatten wir eine Herdbuchzucht mit 140 Sauen und 900 Jungsauen. 2009 kam der Wendepunkt: Erst mussten die Sauen weg, dann gaben wir auch die Schweinemast auf.

Ich kam in Sachen Bodenfruchtbarkeit einfach nicht weiter.

Michael Reber

Dafür ging unsere Biogasanlage (heute 750 KW) an den Start. Die Flächen waren im Rahmen der Flurneuordnung ohnehin durcheinander geworfen und durch die Biogasanlage änderte sich die Fruchtfolge. Damals wurde mir bewusst, dass ich in Sachen Bodenfruchtbarkeit einfach nicht weiterkam. Es gab keinen nennenswerten Ertragszuwachs, die Resistenzen nahmen zu, Witterungsextremen hatten unsere Böden nichts entgegen zu setzen. Und was die landwirtschaftlichen Berater dazu zu sagen hatten, half mir auch nicht weiter.

Auch eine Frage des Leidensdrucks

Ich gebe zu, der Leidensdruck war wohl groß genug, dass ich im Jahr 2011 anfing, auch auf unkonventionellen Wegen neues Wissen zur Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit zu suchen. Fündig wurde ich erst auf Feldtagen von pfluglos wirtschaftenden Biobetrieben. Dann entschied ich mich, satte 2.000€ in die Hand zu nehmen und einen Bodenkurs zu belegen. 10 Tage lang drehte sich dort alles nur um den Boden. Seit dem ist alles anders.

Witterungsextremen hatten unsere Böden nichts entgegen zu setzen.

Michael Reber

Ich dünge nun mittlerweile nur noch organisch mit unserem Biogas-Gärprodukt und verzichte ab diesem Jahr erstmals komplett auf chemische Pflanzenschutzmittel. Stattdessen achte ich darauf, dass die Bodenchemie stimmt und alle Nährstoffe im Gleichgewicht sind. Ich nutze Untersaaten und Leguminosen und sehe zu, dass der Acker ganzjährig bewachsen ist.

Der Pflug kommt bei Michael Reber schon seit Jahren nicht mehr auf den Acker. (Foto: Wobser)

Regenerative Landwirtschaft: Schulungen als Geschäftsmodell

Seit 2016 biete ich auf meinem Betrieb Feldtage zum Humusaufbau an und vernetze mich stark mit anderen Landwirten, die ebenfalls auf die Bodengesundheit setzen.

Damit kommen wir auch zu den „Wünschen“, nach denen ihr mich gefragt habt. Das Interesse an den Informationen ist aus ganz Deutschland so groß, dass ich gern ein eigenes Schulungszentrum aufbauen und ein- bis mehrtägige Workshops vom Landwirt für Landwirte anbieten möchte. Übrigens für Bio- und Konventionelle gleichermaßen.

Bessere wissenschaftliche Begleitung der Praxis

„Betrieb und Fläche sind zu eng verzahnt.“ free

Doch derzeit verlasse ich mich fast ausschließlich auf Praxiserfahrungen von mir und anderen Landwirten, aus denen ich meine eigenen Schlüsse ziehe. Ich würde mir aber eine stärkere wissenschaftliche Begleitung dieser anderen Art der Bodenbearbeitung wünschen, damit solche Erkenntnisse auch eine Chance haben, irgendwann mal in den Lehrplan der Berufsschulen aufgenommen zu werden. Die Gemeinschaft in Deutschland wächst zwar, aber mein Fachwissen erhalte ich aus englisch-sprachiger Literatur und von einigen wenigen Vorreitern der regenerativen Landwirtschaft.

Die Kommunikation müsste gebündelt, Erkenntnisse schneller geteilt werden. Wir müssen endlich wieder anfangen, in Wissen zu investieren – nicht nur in Technik. Und die Diskussion, ob „bio“ oder „konventionell“ der richtige Weg ist, die würde ich mir auch wegwünschen. Es gibt überall Baustellen.“


Zum Betrieb

Michael Reber führt seinen Ackerbaubetrieb mit 220 ha und einer 750 KW Biogasanlage in Gailenkirchen bei Schwäbisch Hall in Baden-Württemberg.