farm Invest Story

Kleine Roboter statt großer Traktoren

Wie der Name schon verrät, entwickelt das britische Start-up "Small Robot Company" kleine Feldroboter. Sie sollen Landtechnik ganz neu denken. (Foto: Small Robot Company)

f3 - farm.food.future: Die Small Robot Company möchte erreichen, dass anstelle eines großen Traktors in Zukunft eine Armada kleiner Roboter den Acker bewirtschaftet. Wer und was steckt hinter dieser Idee?

Sarra Mander, Small Robot Company: Wir sind eine Gruppe von Landwirten, Ingenieuren, Wissenschaftlern und Service-Designern, die über Kenntnisse in den Bereichen Landwirtschaft, Robotik, KI und Service verfügen. Unser Mitbegründer Sam Watson Jones ist Landwirt der vierten Generation aus Shropshire. Nachdem er den Familienbetrieb nach einigen Jahren bei der Unternehmensberatung Accenture übernommen hatte, war er geschockt, wie ineffizient landwirtschaftliche Methoden noch waren.

Grundsatzfragen führten zur Unternehmensgründung

In der Zwischenzeit untersuchten Mitbegründer Ben Scott-Robinson und Robotik-Chef Joe Allnutt aufkommende Technologien an der „Ordnance Survey“ in Southampton, einer Behörde für Landesvermessung. Dann stießen Sam und Ben auf die Arbeit von Professor Simon Blackmore an der Harper Adams Universität in Shropshire. Als Experte für Präzisionslandwirtschaft inspirierte er die Gründer mit seiner Vision: Was wäre, wenn wir keine Traktoren verwenden, sondern stattdessen viele kleine Roboter? Die „Small Robot Company“ war geboren.

Wir stellen den Einsatz großer Maschinen in Frage. Dieses Modell funktioniert einfach nicht.

Sarra Mander

Die Gründer fingen vom Reißbrett aus an ein neues landwirtschaftliches System zu schaffen, das Technologie optimal nutzen soll. Denn mit all der heutigen Technologie, muss man sich fragen, ob man nochmal den Traktor erfinden würde. Beim Traktor geht es um Geschwindigkeit, nicht um Präzision. Und das prägt seit über fünfzig Jahren unsere Landschaft und auch die Art, wie wir Landwirtschaft betreiben. Wir stellen den Einsatz großer Maschinen in Frage. Dieses Modell funktioniert einfach nicht. Wer das ganze Feld gleich behandelt, ackert nicht effizient.

f3: Die Idee ist also, den Boden nicht mit schweren Maschinen zu beackern und die Pflanzen nur dann zu behandeln, wenn sie es nötig haben. Im Detail: Welche Aufgaben sollen die Roboter erledigen?

Small Robot Company: Unsere Farmbots „Tom“, „Dick“ und „Harry“ säen, ernten und jäten Ackerkulturen effizienter als Traktoren. Im Detail: „Tom“ ist ein Pflanzen- und Bodenüberwachungsroboter. „Dick“ kann präzise Pflanzenschutz ausbringen und durch Laser- oder Stromeinsatz Unkraut beseitigen und Harry kann ein Loch bohren und Samen auslegen. „Wilma“ ist das Betriebssystem des Ganzen und das KI-gesteuerte, neuronale Netzwerk.

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Das britische Start-up „Small Robot Company“ baut Agrarroboter, die die Feldarbeit übernehmen sollen. Jeder hat eine eigene Aufgabe. Das sei effizienter und bodenschonender als schwere Traktoren. Finanziert wurde das Jungunternehmen auch durch Landwirte.

f3 – farm.food.future: Die Small Robot Company möchte erreichen, dass anstelle eines großen Traktors in Zukunft eine Armada kleiner Roboter den Acker bewirtschaftet. Wer und was steckt hinter dieser Idee?

Sarra Mander, Small Robot Company: Wir sind eine Gruppe von Landwirten, Ingenieuren, Wissenschaftlern und Service-Designern, die über Kenntnisse in den Bereichen Landwirtschaft, Robotik, KI und Service verfügen. Unser Mitbegründer Sam Watson Jones ist Landwirt der vierten Generation aus Shropshire. Nachdem er den Familienbetrieb nach einigen Jahren bei der Unternehmensberatung Accenture übernommen hatte, war er geschockt, wie ineffizient landwirtschaftliche Methoden noch waren.

Grundsatzfragen führten zur Unternehmensgründung

In der Zwischenzeit untersuchten Mitbegründer Ben Scott-Robinson und Robotik-Chef Joe Allnutt aufkommende Technologien an der „Ordnance Survey“ in Southampton, einer Behörde für Landesvermessung. Dann stießen Sam und Ben auf die Arbeit von Professor Simon Blackmore an der Harper Adams Universität in Shropshire. Als Experte für Präzisionslandwirtschaft inspirierte er die Gründer mit seiner Vision: Was wäre, wenn wir keine Traktoren verwenden, sondern viele kleine Roboter? Die „Small Robot Company“ war geboren.

Wir stellen den Einsatz großer Maschinen in Frage. Dieses Modell funktioniert einfach nicht.

Sarra Mander

Die Gründer fingen vom Reißbrett aus an ein neues landwirtschaftliches System zu schaffen, das Technologie optimal nutzen soll. Denn mit all der heutigen Technologie, muss man sich fragen, ob man nochmal den Traktor erfinden würde. Beim Traktor geht es um Geschwindigkeit, nicht um Präzision. Und das prägt seit über fünfzig Jahren unsere Landschaft und auch die Art, wie wir Landwirtschaft betreiben. Wir stellen den Einsatz großer Maschinen in Frage. Dieses Modell funktioniert einfach nicht. Wer das ganze Feld gleich behandelt, ackert nicht effizient.

f3: Die Idee ist also, den Boden nicht mit schweren Maschinen zu beackern und die Pflanzen nur dann zu behandeln, wenn sie es nötig haben. Im Detail: Welche Aufgaben sollen die Roboter erledigen?

Small Robot Company: Unsere Farmbots „Tom“, „Dick“ und „Harry“ säen, ernten und jäten Ackerkulturen effizienter als Traktoren. Im Detail: „Tom“ ist ein Pflanzen- und Bodenüberwachungsroboter. „Dick“ kann präzise Pflanzenschutz ausbringen und durch Laser- oder Stromeinsatz Unkraut beseitigen und Harry kann ein Loch bohren und Samen auslegen. „Wilma“ ist das Betriebssystem des Ganzen und das KI-gesteuerte, neuronale Netzwerk.

Bis heute investierten Hunderte von Landwirten eine halbe Million Pfund.

Sarra Mander

Wilma stützt sich auf ein umfassendes Big Data-Modell und soll autonome Entscheidungen treffen, nach der jede Pflanze einzeln gepflegt werden kann. Sie soll die Summe aller landwirtschaftlichen Kenntnisse sammeln und einbeziehen – einschließlich Ackerbaukunde, Bodenkunde und Marktbedingungen, gepaart mit aggregierten Daten aller Farmen im ganzen Land. Irgendwann soll damit der ganze Prozess – vom Wissen, wann gepflanzt wird, über Aspekte der Pflanzenpflege bis zum Erntezeitpunkt – automatisiert werden. In Zusammenarbeit mit Wilma werden die Roboter dann nur die Pflanzen füttern und besprühen, die es benötigen.

Der Harry-Prototyp mit Mitgründer Sam Watson Jones, Andrew Hoad vom Gut Leckford, das den Roboter testet und Joe Allnutt, Head of Robot Awesomeness. (Foto: Geoff Pugh)

Harry, unser Bohrroboter, pflanzt jeden Samen direkt in den Boden und erinnert sich genau an seine Position. Tom, der Überwachungsroboter, scannt und kartiert das Feld. Er gibt die Daten an Wilma weiter, die dann die benötigten Maßnahmen für jede Pflanze identifiziert. Wilma aktiviert daraufhin Dick, der nur die Pflanzen behandelt, die es brauchen. Dies führt zu einem neuen Niveau von Präzision, das über die Grenzen von Traktoren hinausgeht. Wir rechnen damit, dass sich der Chemikalienverbrauch von Farmen, die Robotik einsetzen, um bis zu 95% reduziert. Gepflügt werden muss nicht, was Bodenerosion verhindert. Außerdem reduzieren sich Anbauemissionen um bis zu 90%.

FaaS-Modell: Roboter als mietbare Dienstleistung

f3: Die Roboter sollen nicht verkauft, sondern vermietet werden: Warum habt ihr euch für ein solches Geschäftsmodell entschieden?

Small Robot Company: Eine Herausforderung für uns ist die Übertragung der Technik in die Praxis. Alle Landwirte, mit denen wir gesprochen haben, sagten uns zwar, dass sie die Idee gut finden. Sie wollen aber kein Risiko eingehen. Sie wollen auch nicht erst lernen, Roboter zu reparieren und sich auch keine Sorgen um Diebstahl machen. Deshalb verkaufen wir unsere Roboter nicht, sondern liefern sie als Dienstleistung. Wir bieten die Roboter über ein sogenanntes Farming as a Service (FaaS)-Modell an, das sowohl Hardware- als auch Softwareservice für Landwirte bereitstellt. Betriebe zahlen eine Gebühr pro Hektar für einen Roboter-Service, der die Farm digitalisiert und dann die Pflanzenpflege liefert.

f3: Was bedeutet das für eure Zielgruppe: Welche Art von Betrieben sprecht ihr an?

Small Robot Company: Unsere Technologie ist für alle landwirtschaftlichen Betriebe anwendbar – vom ökologischen Landbau bis zum konventionellen Betrieb, vom Kleinbetrieb bis zum industriellen Großbetrieb. In der Praxis sind es jedoch Betriebe mit einer innovativeren Ausrichtung, für die wir derzeit am attraktivsten sind.

Für den Größenvergleich kniet hier Andrew Hoad, Partner des Leckford Estate, neben dem Roboter-Prototypen. (Foto: Geoff Pugh)

f3: Funktionieren die Roboter bereits? Wie viel von der Idee ist noch rein theoretisch? Wie viele Roboter gibt es?

Small Robot Company: Wir sind im November 2017 gestartet. Seitdem sind wir schnell vorangekommen und haben drei frühe Roboter-Prototypen entwickelt. Wir haben drei Patente angemeldet. Unser erster Prototyp, der Tom-Überwachungsroboter, wurde gebaut und arbeitet bereits erfolgreich. Davon haben wir zwei funktionierende Exemplare. Derzeit laufen Feldversuche auf 20 Betrieben im Vereinigten Königreich, darunter Gut Wimpole (der größte britische Landbesitzer des National Trust) und Gut Leckford vom britischen Supermarkt Waitrose.

Wilma kann bereits Weizenpflanzen von „Nicht-Weizen“ unterscheiden, also Bilder von Gegenständen, die keine Weizenpflanzen sind.

Sarra Mander

Eine frühe Version des Bohrroboters wurde bis zum Technologiereifegrad Stufe 4 entwickelt (Anm. d. Red: Es gibt 9 Stufen). Dick, unser Unkraut-Roboter, wird im Laufe des Jahres 2019 entwickelt. Unser künstliches Intelligenzsystem Wilma kann bereits Weizenpflanzen von „Nicht-Weizen“ unterscheiden, also Bilder von Gegenständen, die keine Weizenpflanzen sind. Der nächste Fokus wird auf Unkrauterkennung und Kartierung liegen.

Landwirte investierten halbe Million Pfund

f3: Ihr sagt, ihr habt das vergangene Jahr hinweg mit Landwirten gesprochen: Was hat euch das gebracht?

Small Robot Company: Sam hat anfangs mit mehr als 70 Landwirten gesprochen, um das Konzept nach ihren Bedürfnissen zu entwickeln. Mittlerweile haben wir noch mit vielen weiteren gesprochen. Es war wirklich beängstigend, wie sehr sich die Gespräche nach einer Weile ähnelten. Ein Großteil unseres Denkens stammt also direkt von Landwirten, die uns über die Probleme, mit denen sie konfrontiert sind, berichteten.

Wir haben aber nicht nur Meinungen von Gleichgesinnten und innovativen Landwirten eingeholt. Das wäre eine Echokammer. Wir haben aktiv auch die Meinung anderer Landwirte eingeholt. Zu diesem Zweck arbeiten wir mit Branchenorganisationen wie der National Farmers Union und dem Nature Friendly Farming Network sowie Industriepartnern zusammen.

f3: Wie entstand die Idee, Landwirte an der Finanzierung zu beteiligen?

Small Robot Company: Immer wieder kamen Bauern zu uns, die wissen wollten, wie sie zur Idee beitragen können. Sie fragten auch aktiv nach Beteiligungsmöglichkeiten. Aber nicht nur die Bauern selbst waren interessiert. Unsere größte Unterstützung kam aus den Bereichen Landwirtschaft, Technologie und Öko-Landwirtschaft. Zu den Investoren zählen heute Matt Jones, Principle Designer bei Google AI, Mark Ellingham, Gründer der Rough Guides-Reiseführer und Andrew Ward, Landwirt und Mitglied des britischen Ritterordens „Order of the British Empire“.

f3: Wie viele Landwirte haben wie viel Geld investiert? Sind sie dann jetzt offiziell am Unternehmen beteiligt?

Small Robot Company: Bis heute investierten Hunderte von Landwirten eine halbe Million Pfund. Dies beinhaltet einen Vorverkauf von £ 90.000 an unsere Farmer Advisory Group und einen Betrag von £ 100.000 für Eigenkapital. Zuletzt haben wir über die Crowdfunding-Plattform Crowdcube 1,2 Mio. GBP eingesammelt. Wir erreichten unser ursprüngliches Finanzierungsziel von 500.000 GBP innerhalb von Minuten – hauptsächlich dank der Unterstützung der Landwirtschaft. Die Farmer sind jetzt Anteilseigner unseres Unternehmens und arbeiten mit uns zusammen an einem neuen Modell für eine nachhaltige und rentable Landwirtschaft.