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Kooperation KMU & Start-up: Ausbruch aus dem „Silodenken“ free

Gründer sollten ihr gewohntes Umfeld verlassen und "über ihr Silo hinausdenken". Foto: Thomas Max Müller / pixelio.de

Die Zusammenarbeit zwischen Start-ups und Unternehmen ist nicht immer einfach. Wie es gelingen kann, eine erfolgreiche Kooperation zwischen einem Start-up und einem mitteständischen Unternehmen zu etablieren und warum dabei über die „eigenen Silos hinaus“ gedacht werden sollte, war diese Woche Thema bei der „Ideenfutter expo“.

Tim Siebert, Start-up Manager

An zwei Tagen fand diese Woche die digitale „Innovations-Expo“ des FoodHubs NRW mit Akteuren entlang der Food-Wertschöpfungskette statt. In einem der zahlreichen Vorträge sprach Tim Siebert vom Osnabrücker Seedhouse über Zusammenarbeit zwischen Start-ups und mittelständischen Unternehmen. Die Vorteile wie der Zugang zu Daten und Know-how oder die Entwicklung neuer gewinnbringender Technologien, liegen bei der Zusammenarbeit zwischen KMUs und Start-ups zwar auf der Hand. In der Praxis verläuft die Partnerschaft jedoch nicht immer von Beginn an reibungslos. „Besonders das erste Kennenlernen ist wegweisend“, sagt Tim Siebert Der Start-up Manager begleitet seit mehreren Jahren Kooperationen zwischen Unternehmen und Start-ups in der Agrar-, Food- und Digitalbranche.

Der größte Fehler der Gründer bestehe darin, dass sie bei häufig der Ansicht seien, die Unternehmen warten auf eine Kontaktaufnahme und die Übermittlung ihrer Idee. Das sei jedoch nicht realistisch, so Siebert. Wer den Kontakt zu einem Unternehmen sucht, sollte gut vorbereitet sein und sich direkt vom ersten Kontakt an im rechten Licht präsentieren. Eine Aufgabe, bei der das Seedhouse viele seiner Gründer unterstützt habe.

Wann Unternehmen Gründer treffen wollen

Für mittelständische Unternehmen wird es immer wichtiger mit Start-ups zusammenzuarbeiten. „Gerade die Digitalisierung und immer komplexere sozioökonomische Märkte machen Innovationen für Unternehmen unerlässlich“, so Tim Siebert.

Dabei sind die Gründe, aus denen ein mittelständisches Unternehmen an der Zusammenarbeit mit Start-ups interessiert ist, meistens leicht zu erklären: Dem Unternehmen geht es um seine zukünftige Entwicklung, Innovationen aus dem eigenen Haus auf den Markt zu bringen oder um gesellschaftliche Verantwortung. „Auch Teilbereiche wie der Netzwerk-Gedanke, eine Beteiligung am Start-up-Geschehen oder Recruiting spielen eine große Rolle aus der Sicht der Unternehmen“, erklärt der Start-up-Manager. „Wenn ein Start-up nicht erfolgreich wird, oder ein Aussteiger unter den Gründern ist, kennt das Unternehmen ihn bereits. Und derjenige ist mit den Unternehmensstrukturen vertraut.“

Auch Teilbereiche wie der Netzwerk-Gedanke, eine Beteiligungen am Start-up-Geschehen oder Recruiting spielen ein große Rolle aus der Sicht der Unternehmen.

Tim Siebert

Aber auch die Unternehmen müssen umdenken. Als Beispiel dafür nannte Tim Siebert ein Start-up aus Baden-Württemberg, was an einer Zusammenarbeit mit einem niedersächsischen Unternehmen interessiert war. „Das norddeutsche Unternehmen musst sich erst daran gewöhnen, dass die Gründer nicht vor Ort ansässig waren“, erklärt er. Dabei sei es gerade die Digitalisierung, die diese Chance eröffne. Es sei bei Start-ups nicht wichtig, wo der Firmensitz ist, sondern in welcher Region sie ihre Ideen verwurzeln.

Berlin ist nicht alles

Südniedersachsen sei beispielsweise die viertgrößte Mittelstandsregion und gleichzeitig ein Ballungsraum für Agrar- und Lebensmitteltechnik. Wer mit einer Idee aus diesem Bereich Fuß fassen möchte, sollte sich dort Kontakte suchen, so der Manager. „Es ist nicht immer das Beste, nach Berlin zu ziehen“, sagt Tim Siebert. Vielmehr seien es die Orte, an denen die Gründer guten Kontakt zu Kooperationspartner aufbauen können.

Wer mit seiner Idee zu Hause sitz und sie nicht weitererzählt, kann keinen Erfolg haben.

Tim Siebert

Dabei ist es Seitens der Unternehmen und er Gründer ein Geben und Nehmen. Die Mittelständler profitieren von den Ideen der jungen Leute und die Unternehmen von Weiterentwicklung der Wirtschaft in der Region.

Gleiches gilt für die Zusammenarbeit mit dem „Ökosystem aus Forschungseinrichtungen“. „Noch vor Jahren waren nicht alle öffentlichen Träger sensibilisiert, Kontakte zu Gründern aufzunehmen. Heute sieht das anders aus“, so die Erfahrung von Tim Siebert. Er rät jungen Start-ups dazu, gerade im Wissenschaftlichen Bereich die Zusammenarbeit zu suchen und auf sich aufmerksam zu machen.

Offen bleiben für Kritik an der Idee

Kontakt zu Gleichgesinnten ist wichtig! Unser f3-Netzwerk ist mittlerweile auf mehr als 100 Gesuche gewachsen! Schaut mal rein und klickt euch durch die Ideen und Anfragen von Landwirten, Gründern oder Investoren. Grafik: Christina Helmer

Generell sei das der Weg zum Erfolg. „Wer mit seiner Idee zu Hause sitz und sie nicht weitererzählt, kann keinen Erfolg haben“. Seine Erfahrung ist es, dass die meisten Gründer von Kontakten zu anderen Start-ups profitieren und sich und ihre Idee voranbringen.

Der Ausbruch aus dem Silodenken ist der entscheidende Schritt in der Entwicklung einer Idee. Der Innovationsgrad spielt dabei nur selten eine Rolle. „Für uns als Seedhouse kommt es mehr auf die ‚weichen Faktoren‘ an“, erklärt er. Dabei spricht Tim Siebert von der Fähigkeit, Kritik anzunehmen und sich offen in seiner Entwicklung zu zeigen.


Gründer mussten überzeugen

Am Montag präsentierten sich bei einem Pitch-Wettbewerb die zwölf Finalisten aus den Kategorien AgTech und Food&Beverages. Eine Jury, bestehend aus Pro7Sat1 Accelerator, QVC Next, FoodAngels, RootCamp und Prof. Holger Thiele (FH Kiel), kürte im Bereich AgTech das Start-up Is it fresh für den besten Pitch. Die Gründer haben einen intelligenten „Tag“ entwickelt, welcher zum Monitoring des Warenflusses vom Zeitpunkt der Ernte ab Feld verwendet werden kann.

Raum für direkten Austausch, aktives Netzwerken und einen Ausstellerbereich mit Messecharakter – das gab es an zwei Tagen auf der digitalen „Ideenfutter Expo“. Foto: Ideenfutter Expo

Als bestes Produkt zeichnete die Jury ag.supply aus. Die Plattform ist das digitale Fachgeschäft für landwirtschaftliches Zubehör. Aus 3 Mio. Artikeln können z.B. Ersatzteile, Saatgut etc. bequem nach Hause bestellt werden.

Im Bereich Food&Bevereges machte das Start-up Ocha Ocha das Rennen um den Titel „bester Pitch“. Das Start-up stellt süßungsfreie Tee- und Kaffeegetränke in Bio-Qualität, aus veganer Herstellung, sowie ohne zugesetzte Aroma- und Farbstoffe her.

Zum besten Produkt kürte die Jury Rebel Meat. Das Start-up fertigt Burger-Patties, die zu 50% aus Pilzen und zu 50% aus Fleisch bestehen.

Virtuelles Zusammenkommen

Das Themen-Spektrum der zweitägigen „Ideenfutter Expo“ war sehr breit. Von konkreten Technologie-Lösungen über Bioökonomie bis hin zu neuen Nachhaltigkeitskonzepten – die Konferenzbühnen und sogenannten Runden Tische waren meistens mit rund 50 virtuellen Besuchern gut besucht. Insgesamt meldet der Veranstalter 250 Teilnehmer.

Es waren Gründer, Investoren, Hersteller und KMUs ‚vor Ort‘. Aber auch Hersteller, Einzelhändler, Wissenschaftler und Landwirte. Von der letzten Gruppe hätten wir gerne mehr dabeigehabt.

Lee Greene, Foodhub NRW

Bis einschließlich Freitagabend bleiben die virtuellen Tore noch geöffnet. Die Ausstellerbereiche können kostenlos besucht werden und die Aussteller können über das Kontaktformular der Stände angeschrieben werden.


Das Programm zum Nachschauen

Wer die virtuelle Messe verpasst hat, kann das gesamte Vortragsprogramm als Video-Stream auf der Konferenzbühne anschauen.  

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