farm Story

Kräuter muss man können

Gewürzkräuter wie Dill, Thymian und Majoran werden in der Lebensmittel- und Arzneikräuter in der Pharmaindustrie eingesetzt. Doch wie und wo werden die Kräuter angebaut? (Foto: pixabay.com)

Der Gewürz- und Arzneikräuteranbau ist kniffelig. Er erfordert viel Handarbeit, wirft aber auch hohe Beiträge ab. Landwirt Johannes Kittler aus Sachsen-Anhalt hat sich mit der Betriebsübernahme bewusst für den Anbau von Sonderkulturen entschieden.

Kümmel und Fenchel als Einsteigerkörnerdroge. Majoran und Thymian für die Fortgeschrittenen als Krautdrogen: Der Anbau von Gewürz- und Arzneikräutern bedeutet Pionierarbeit. Dr. Johannes Kittler hat sich bei der Übernahme des konventionellen Pflanzenbaubetriebs entschieden, weiterhin und trotz aller Herausforderungen, Kräuterkulturen anzubauen. Die Region um Aschersleben bietet sich dafür an: Der Harz gilt als die Kräuterkammer Deutschlands. Seit über 120 Jahren werden in Sachsen-Anhalt Kräuter angebaut. 95 % des deutschen Majorans und 95 % des in Deutschland produzierten Thymians stammen aus der Gegend.  

Wir hatten schon immer eine breit gefächerte Fruchtfolge. Die Spezialisierung auf die Kräuter ist schrittweise gekommen.

Dr. Johannes Kittler

„In den letzten drei Jahren haben wir keinen Majoran und Thymian angebaut, weil es zu wenig Niederschlag gab. Wir haben es aber auch nicht gemacht, weil der Anbau sehr energie- und zeitaufwendig ist. Während der Betriebsübernahme hatte ich diese Extra-Energie nicht“, sagt Johannes. Trotzdem möchte der promovierte Pflanzenkundler auch in Zukunft neben Hauptkulturen wie Mais, Dinkel und Weizen, Saatgut produzieren und sich darüber hinaus auf Kräuter spezialisieren. Auf einem Drittel der 400 ha baut er, wenn nicht gerade Majoran und Thymian, dann Kümmel, Fenchel oder Kresse an. „Wir hatten schon immer eine breit gefächerte Fruchtfolge. Die Spezialisierung auf die Kräuter ist schrittweise gekommen“, sagt Johannes. Begonnen hat sein Vater mit dem Anbau bereits vor 15 Jahren. Eintönig wurde und wird es in diesem Metier trotzdem nicht.

Pionierarbeit auf dem Feld

„Kräuteranbau ist pures Feldversuchswesen“, sagt Johannes. Es gibt 250 verschiedene Gewürz- und Arzneikräuter, die in Deutschland angebaut werden. Möchte Johannes eine bestimmte Kräuterpflanze anbauen, die er noch nicht kennt, muss er sie zwei bis drei Jahre auf dem Feld studieren. „Nehmen wir das Beispiel Anis. Damit habe ich keine Erfahrung. Wenn die abnehmende Hand den nun wolle, würde ich erstmal in die Recherche gehen müssen und mich im Netzwerk erkundigen, wer schon mal Anis angebaut hat“, so der 35-Jährige. Hilfe findet er beispielsweise bei den Landesanstalten der verschiedenen Länder, der LLG Bernburg oder der Arbeitsgruppe Lückenindikation. „Die Informationen sind jedem zugänglich und können zum Teil wegweisend sein“, so der Kräuterbauer. Ein Jahr lang würde Johannes die Pflanze auf einer Versuchsfläche beobachten und „entwickeln“.

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Der Gewürz- und Arzneikräuteranbau ist kniffelig. Er erfordert viel Handarbeit, wirft aber auch hohe Beiträge ab. Landwirt Johannes Kittler aus Sachsen-Anhalt hat sich mit der Betriebsübernahme bewusst für den Anbau von Sonderkulturen entschieden.

Kümmel und Fenchel als Einsteigerkörnerdroge. Majoran und Thymian für die Fortgeschrittenen als Krautdrogen: Der Anbau von Gewürz- und Arzneikräutern bedeutet Pionierarbeit. Dr. Johannes Kittler hat sich bei der Übernahme des konventionellen Pflanzenbaubetriebs entschieden, weiterhin und trotz aller Herausforderungen, Kräuterkulturen anzubauen. Die Region um Aschersleben bietet sich dafür an: Der Harz gilt als die Kräuterkammer Deutschlands. Seit über 120 Jahren werden in Sachsen-Anhalt Kräuter angebaut. 95 % des deutschen Majorans und 95 % des in Deutschland produzierten Thymians stammen aus der Gegend.  

Wir hatten schon immer eine breit gefächerte Fruchtfolge. Die Spezialisierung auf die Kräuter ist schrittweise gekommen.

Dr. Johannes Kittler

„In den letzten drei Jahren haben wir keinen Majoran und Thymian angebaut, weil es zu wenig Niederschlag gab. Wir haben es aber auch nicht gemacht, weil der Anbau sehr energie- und zeitaufwendig ist. Während der Betriebsübernahme hatte ich diese Extra-Energie nicht“, sagt Johannes. Trotzdem möchte der promovierte Pflanzenkundler auch in Zukunft neben Hauptkulturen wie Mais, Dinkel und Weizen, Saatgut produzieren und sich darüber hinaus auf Kräuter spezialisieren. Auf einem Drittel der 400 ha baut er, wenn nicht gerade Majoran und Thymian, dann Kümmel, Fenchel oder Kresse an. „Wir hatten schon immer eine breit gefächerte Fruchtfolge. Die Spezialisierung auf die Kräuter ist schrittweise gekommen“, sagt Johannes. Begonnen hat sein Vater mit dem Anbau bereits vor 15 Jahren. Eintönig wurde und wird es in diesem Metier trotzdem nicht.

Kräuteranbau: Pionierarbeit auf dem Feld

„Kräuteranbau ist pures Feldversuchswesen“, sagt Johannes. Es gibt 250 verschiedene Gewürz- und Arzneikräuter, die in Deutschland angebaut werden. Möchte Johannes eine bestimmte Kräuterpflanze anbauen, die er noch nicht kennt, muss er sie zwei bis drei Jahre auf dem Feld studieren. „Nehmen wir das Beispiel Anis. Damit habe ich keine Erfahrung. Wenn die abnehmende Hand den nun wolle, würde ich erstmal in die Recherche gehen müssen und mich im Netzwerk erkundigen, wer schon mal Anis angebaut hat“, so der 35-Jährige. Hilfe findet er beispielsweise bei den Landesanstalten der verschiedenen Länder, der LLG Bernburg oder der Arbeitsgruppe Lückenindikation. „Die Informationen sind jedem zugänglich und können zum Teil wegweisend sein“, so der Kräuterbauer. Ein Jahr lang würde Johannes die Pflanze auf einer Versuchsfläche beobachten und „entwickeln“.

Wir müssen erst einmal ein Pflege- und Erntesystem entwickeln, bevor wir im größeren Stil aussäen.

Johannes Kittler

„Das ist die Pionierarbeit als Anbauer. Wir müssen erst einmal ein Pflege- und Erntesystem entwickeln, bevor wir im größeren Stil aussäen“, sagt Johannes. Beim Kräuteranbau pflanzen die Landwirte entweder Jungpflanzen aus, die im Gewächshaus vorgezogen wurden oder sie arbeiten mit einem Saatverfahren. „Majoran darf man beispielsweise nicht tief säen. Er hat eine Ablagetiefe von 0,5 bis 1 cm. Das heißt dann auch, dass die Saat anfällig ist für Wind und Trockenheit, weil sie so nah an der Oberfläche liegt“, erklärt der Landwirt. Neben einer speziellen Sähmaschine braucht es bei der Pflege von Majoran eine mechanische Hacke. Denn, und das ist die große Herausforderung, beim Anbau von Gewürz- und Arzneikräutern ist vor allem viel Handarbeit gefragt. In dem Betrieb von Johannes arbeiten fünf Festangestellte, zwei Lehrlinge und ein Stamm von fünf weiteren Saisonarbeitskräften, die in Hochzeiten mit anpacken. 20 bis 50 Arbeitskraftstunden pro Hektar für wenig aufwendige Kulturen werden in etwa berechnet.

Potenzial im Anbau von Bio-Kräutern

„Majoran braucht ewig bis er größer ist und sich gegen Unkräuter durchsetzen kann. Wir müssen ihn von der Keimung bis zur Ernte intensiv pflegen“, beschreibt Johannes. Die Kräuterpflanze, die vorrangig in der Lebensmittelindustrie und häufig für die Herstellung von Leberwurst genutzt wird, braucht außerdem viel Niederschlag im Frühjahr und später viel Wärme zur Keimung. Die Region bietet den Kräutern eigentlich gute Bedingungen. Im Regenschatten des Harzes ist es trocken, sodass im Sommer die entsprechende Wärme im Boden vorhanden ist. „In den vergangenen drei Jahren war es allerdings auch im Frühjahr schon viel zu trocken“, so Johannes. Eine weitere Herausforderung stellen die strengen Regularien in der Nutzung von Pestiziden dar. „Der Abnehmer legt hier meistens fest, was gebraucht wird. In der Regel brauchen wir keine bis kaum Pestizide“, sagt der Landwirt.

Im Bio-Bereich steigt die Nachfrage. Hier werden noch Landwirte gesucht.

Dr. Wolfram Junghanns

Sind die Kräuter einmal geerntet, müssen sie – je nach Pflanzenart – noch getrocknet werden. Johannes hat Trocknungsmöglichkeiten und liefert, wie auch sein Vater schon, die Gewürz- und Arzneikräuter an die Dr. Junghanns GmbH. Er ist einer von 20 Vertragslandwirten des Unternehmers, der mit Kräutern handelt, sie be- und verarbeitet. „Ich züchte das Material in kleinen Stämmen und betreibe auf den Versuchsflächen die Vorvermehrung. Die Landwirte bauen dann in großen Chargen für mich an“, sagt Dr. Wolfram Junghanns. Die meisten Landwirte variieren zwischen einer und drei Pflanzensorten. Auf 350 ha bauen Dr. Junghanns  Landwirte konventionell für ihn an, auf 50 ha wird Bio-Kräuteranbau betrieben. In der Bio-Branche sieht Dr. Junghanns noch Potenzial: „Im Bio-Bereich steigt die Nachfrage. Hier werden noch Landwirte gesucht.“

Blick auf die Nische Kräuteranbau und in die Zukunft

Für Johannes birgt die Zusammenarbeit mit Dr. Junghanns eine gewisse Sicherheit. „Der Markt ist überschaubar. Man braucht in dieser Branche einen festen Partner, der einem die Kräuter abnimmt“, so der Landwirt. Den Herausforderungen im Anbau mit hohem Zeit- und Energieaufwand steht, so sieht es Johannes, der Input gegenüber. „Die Insekten und die Blühfarben auf den Feldern und die Vielseitigkeit im Kräuteranbau sind auf jeden Fall ein Motivator und Anreiz. Klar ist aber auch, dass ein höherer Beitrag beim Anbau von Sonderkulturen abfällt. Sonst würde ich den Mehraufwand nicht betreiben“, so der Landwirt.

Der Markt ist überschaubar.

Johannes Kittler

Er sieht in den regionalen Begebenheiten Chancen für Landwirte, die sie sich zunutze machen sollten. Im Harz sind das die Kräuter. Man müsste mit den Wetterbedingungen vor Ort arbeiten. Dadurch könne man sich auch abheben und ein zweites Standbein aufbauen. Aber auch hier gilt: „Der Betrieb an sich muss gut laufen, sodass man sich dann mit einem gewissen Energieaufwand auf Sonderkulturen stürzen kann“, fasst Johannes zusammen. Kräuter muss man (sich also auch erlauben) können.