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Künstliches Fleisch: Ab 2021 marktreif? free

Noch liegen Buletten aus im Labor gezüchtetem Fleisch nicht auf dem Grill. Aber das Start-up Mosa Meat hat jetzt frisches Geld bekommen, um das bis 2021 zu ändern. (Foto: pexels.com/Jens Mahnke)

Das niederländische Uni-Spin-off Mosa Meat sammelt 7,5 Mio. € ein, um im Reagenzglas gezüchtetes Fleisch bis zum Jahr 2021 auf den Markt zu bringen. Auch ein namhaftes Technologie-Unternehmen und ein großer Fleischverarbeiter investieren.

Professor Mark Post von der Maastricht University präsentierte am 5. August 2013 den ersten Burger aus im Labor kultiviertem Fleisch. (foto: David Parry/PA)

Mosa Meat, ein Spin-off-Unternehmen der Universität Maastricht, vermeldete heute eine abgeschlossene Frühfinanzierung von 7,5 Mio. €. Das niederländische Start-up präsentierte 2013 medienwirksam den weltweit ersten, im Labor aus Kuhzellen hergestellten Rindfleisch-Burger in London. Nun soll mit dem frischen Kapital erst ein Verfahren entwickelt und dann eine Pilot-Produktionsanlage vorbereitet werden, die eine günstigere Kunstfleisch-Produktion ermöglicht. Damals kostete der Kunst-Burger rund 300.000 €. Ein Premium-Produkt soll 2021 marktreif sein.

Das Risikokapital stammt von mehreren Geldgebern:

  • M Ventures„, der Corporate-Venture-Capital-Arm des Forschungs- und Technologieunternehmens Merck an der Finanzierung;
  • die Bell Food Group, der führende Fleischverarbeiter der Schweiz. Unter anderem gehört die Marke Hilcona zur Unternehmensgruppe;
  • Glass Wall Syndicate„, eine Investmentfirma, die nach eigenen Angaben „einen Unterschied im Leben von Tieren, Menschen und dem Planeten machen“ will. 

Der Professor und der Google-Chef

Seit der ersten Stunde bei Mosa Meat dabei ist der niederländische Professor für Gefäß- und Gewebe-Physiologie Mark Post (Professor of Vascular Physiology and Tissue Engineering). Zu den frühen Investoren zählt Sergey Brin von Google.

Das Start-up freut sich nach eigenen Angaben über die Auswahl der Investoren, die strategisch wichtige Kompetenzen mitbringen. So nannte Peter Verstrate, CEO von Mosa Meat, zum Beispiel die Bell Food Group als Partner, der starke „Downstream-Kapazitäten bei der Verarbeitung und beim Vertrieb von Fleisch mitbringt“. Meint: Der Weg zum Verbraucher steht nun offen.

Die Zellmedien machen gegenwärtig 80 % der Kosten für kultiviertes Fleisch aus.

Peter Verstrate, CEO von Mosa Meat

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M Ventures sei wiederum als Corporate-Venture-Capital-Fonds von Merck ein Türöffner zu Mercks Erfahrung beim Kultivieren von Zellen und skalierbaren Zellmedien. „Denn das ist von entscheidender Bedeutung, weil die Zellmedien gegenwärtig 80% der Kosten für kultiviertes Fleisch ausmachen“, fügte Verstrate hinzu.

Der CEO der Bell Food Group, Lorenz Wyss, äußerte sich in der Pressemeldung ebenfalls zur getätigten Investition: „Die Fleischnachfrage steigt rapide an und in Zukunft wird sie nicht mehr mit Viehwirtschaft allein befriedigt werden können“, sagte er. „Wir glauben, dass diese Technologie zu einer wirklichen Alternative für umweltbewusste Verbraucher werden könnte.“

So entsteht künstliches Fleisch

So produzierte Prof. Mark Post den 2013 erstmals vorgeführten „künstlichen Burger“: Die Wissenschaftler entnahmen eine Probe aus dem Nackenmuskel einer lebenden Kuh und isolierten daraus Stammzellen. Diese ließen sich in Muskelzellen umwandeln. Damit sie sich dann vermehren, fügten die Wissenschaftler als Nährlösung ein Serum aus Kälber-Föten hinzu. Dann bildeten sie einen Ring/ein Gerüst um eine Halterung in der Petrischale. Diese Halterung luden die Forscher elektrisch auf. Schließlich setzen Muskeln nur Eiweiß an, wenn sie trainiert werden. Nach neun Wochen wuchs so in jeder Petrischale ein sieben Milligramm schwerer Muskelfetzen.  Aus 20.000 dieser hauchdünnen Fetzen baute Post dann den Burger.

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