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Kundennähe schlägt Schnäppchenpreis

Ist der Online-Handel von Betriebsmitteln überhaupt schon attraktiv für Landwirte? Eine brandaktuelle Studie gibt Einblicke. (Illustration: Christina Helmer)

Ist der Online-Handel bereits beim Landwirt angekommen? Für eine Studie der Georg-August-Universität Göttingen wurden 371 Betriebsleiter mit Online-Einkaufserfahrung befragt. Fazit: Ohne persönliche Beratung geht es oft noch nicht.

Online-Shopping gewinnt in der Landwirtschaft an Bedeutung – gleichzeitig spielt der lokale Landhändler nach wie vor eine bedeutende Rolle im Einkaufsprozess der Landwirte. Zu diesem Ergebnis kommt Dorothee Schulze Schwering aus dem Department für Agrarökonomie und Rurale Entwicklung der Uni Göttingen in ihrer Studie "Das Online-Einkaufsverhalten von Landwirten im Bereich landwirtschaftlicher Betriebsmittel" (PDF). Im Folgenden stellen wir die wichtigsten Ergebnisse im Überblick vor.

Ergebnisse der Studie

90 % der befragten Landwirte nutzen das Internet tatsächlich für betriebliche Zwecke. Aber beim Betriebsmitteleinkauf sind sie zögerlich: Nur gut 18 % kaufen auch Betriebsmittel regelmäßig online. Die Mehrheit bleibt allerdings bei bekannten Betriebsmitteln.

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Ist der Online-Handel bereits beim Landwirt angekommen? Für eine Studie der Georg-August-Universität Göttingen wurden 371 Betriebsleiter mit Online-Einkaufserfahrung befragt. Fazit: Ohne persönliche Beratung geht es oft noch nicht.

Online-Handel gewinnt in der Landwirtschaft an Bedeutung – gleichzeitig spielt der lokale Landhändler nach wie vor eine bedeutende Rolle im Einkaufsprozess der Landwirte. Zu diesem Ergebnis kommt Dorothee Schulze Schwering aus dem Department für Agrarökonomie und Rurale Entwicklung der Uni Göttingen in ihrer Studie „Das Online-Einkaufsverhalten von Landwirten im Bereich landwirtschaftlicher Betriebsmittel“ (PDF). Im Folgenden stellen wir die wichtigsten Ergebnisse im Überblick vor.

Ergebnisse der Studie

(Illustrationen: Christina Helmer)

90 % der befragten Landwirte nutzen das Internet tatsächlich für betriebliche Zwecke.

Aber beim Betriebsmitteleinkauf sind sie zögerlich: Nur gut 18 % kaufen auch Betriebsmittel regelmäßig online.

Die Mehrheit bleibt dabei allerdings bei ihnen bekannten Betriebsmitteln.

Landhandel bleibt wichtig

Kein Landwirt geht davon aus, dass Online-Plattformen den stationären Handel verdrängen werden.

Die Mehrheit der Studienteilnehmer war dem Online-Handel zwar positiv gegenüber eingestellt, beschrieb jedoch auch, wie wichtig ihr die Beziehung zum regionalen Landhandel ist.

„Kompliziertere“ Betriebsmittel wie Futtermittel und Düngemittel werden nur auf sehr niedrigem Niveau online gekauft, da es
deutliche Vorbehalte aufgrund fehlender persönlicher Beratung und gesetzlicher Regelungen gibt.

Markt ist von großer Bedeutung

Der B2B-Markt (rechts) wird künftig fast doppelt so groß sein, wie der B2C-Markt. 

Der Online-B2B-Markt wird im Jahr 2020 ein Volumen von 6,7 Mrd. US-$ einnehmen und in der Größenordnung damit doppelt so hoch liegen wie der B2C-Markt.

Bei zunehmender E-Commerce-Aktivität der Landwirte ist es für Agribusiness-Firmen und den Agrarhandel wichtig, den richtigen Grat zwischen Kundennähe und Digitalisierung zu finden, so die Studie.

Was wird online gekauft?

Der Online-Einkauf von Landwirten beschränkt sich bislang eher auf Materialien des täglichen Bedarfs. Diese werden zu 53 % im Web gekauft. Futtermittel (75 %), Düngemittel (85 %) sowie Saat- und Pflanzengut (80 %) werden überwiegend beim Handel vor Ort erworben.

Der Anteil des E-Commerce am Markt für landwirtschaftliche Betriebsmittel ist sehr gering.

Ihm kommt aber künftig stärkere Bedeutung zu. Denn folgende Probleme im Betriebsmittelmarkt fördern laut Studie das Internetgeschäft:

  • die geografische Isolierung,
  • die Ineffizienz in den Lieferketten und
  • die Nachfrage nach einzigartigen und
    spezialisierten Inputs.

Vorteile, die beim Online-Handel gesehen werden

44,5 % der Befragten gehen davon aus, dass das Internet eine bessere Auswahl bietet als der Handel vor Ort. Weitere Vorteile werden gesehen in der Zeitersparnis, der Bequemlichkeit, in der generellen Erleichterung und Einfachheit des Betriebsmittelhandels.

Das Angebot ist bereits vorhanden: Neben reinen Online-Firmen erweitern auch die Betriebsmittelhersteller ihren klassischen Vertriebsweg um das Online-Angebot.

Persönliche Beratung

Besonders für komplexere Produkte ist eine persönliche Beratung nach wie vor gefragt. Weniger als die Hälfte der Befragten (42,9 %) beabsichtigt in Zukunft mehr Betriebsmittel online zu kaufen, wenn der Online-Shop günstiger ist als der Handel vor Ort. Preisvorteile werden also durchaus wahrgenommen, geben aber nicht allein den Ausschlag, online zu kaufen.

Aber: Je stärker Landwirte der Meinung sind, dass das Internet niedrigere Preise als der Handel vor Ort bietet, umso höher ist ihre tatsächliche Nutzung.