digital farm Story

Landmaschinen teilen statt besitzen

Wann lohnt eine eigene Presse? Könnte man sie nicht auch mit anderen teilen? Rodney Younce baut eine Plattform zum Landmaschinen-Sharing. (Foto: Drießen)

Wenn der Schlepper meist in der Scheune steht, liegt die Auslastung wohl unter dem Optimum. Rodney Younce will aus dem Problem ein Geschäftsmodell machen. Er baut eine Sharing-Plattform für Landmaschinen. Doch was in anderen Branchen gilt, funktioniert nicht automatisch in der Landwirtschaft.

Wer würde seinen Schlepper schon gern mit einem Landwirt teilen, den er nicht kennt? Selbst in Maschinengemeinschaften fährt häufig immer derselbe Fahrer den Mähdrescher - weil er seine besonderen Wehwehchen kennt. Und überhaupt: Wer garantiert dem Eigentümer, dass er seinen verliehenen Häcksler bei einem Wetterumschwung nicht plötzlich selbst wieder braucht?

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Wenn der Schlepper meist in der Scheune steht, liegt die Auslastung unter dem Optimum. Rodney Younce will aus dem Problem ein Geschäftsmodell machen. Er baut eine Sharing-Plattform für Landmaschinen. Doch was für andere Branchen gilt, funktioniert nicht automatisch in der Landwirtschaft.

Wer würde seinen Schlepper schon gern mit einem Landwirt teilen, den er nicht kennt? Selbst in Maschinengemeinschaften fährt häufig immer derselbe Fahrer den Mähdrescher – weil er dessen besonderen Wehwehchen kennt. Und überhaupt: Wer garantiert dem Eigentümer, dass er seinen verliehenen Häcksler bei einem Wetterumschwung nicht plötzlich selbst wieder braucht?

So sieht die Startseite der Landmaschinen-Sharing Plattform aus. (Screenshot UseMyTec)

Schon diese Handvoll Fragen zeigen, mit welchen Problemen sich Rodney Younce seit mehr als eineinhalb Jahren herumschlägt. Der Unternehmer baut im nordbayerischen Bamberg den digitalen Marktplatz „UseMyTec“ (zu deutsch: Nutze meine Maschinen) auf. Dort können sich Landwirte untereinander Landmaschinen vermieten, wenn sie sie selbst nicht benötigen.

UseMyTec muss keine firmeneigenen Maschinen vorhalten. Die Betreiber der Plattform bringen lediglich die Anbieter und Nachfrager der Maschinen online zusammen. Einnahmen generieren die Gründer über Provisionen. 5 % von jeder Vermietung fließen an das Start-up.

Maschinen vermitteln ohne eigenen Fuhrpark

Wer Maschinen besitzt und sie besser auslasten möchte, kann sie gegen eine Mietgebühr auf der Plattform anbieten. „So können Landwirte ihre Maschinen kapitalisieren“, sagt Rodney. Sie fotografieren ihre Maschine, geben ihren Wohnort an und beschreiben, welche Leistungen was kosten und für welchen Mindestzeitraum das Gerät gemietet werden kann. „Auch Lohnunternehmer und Landmaschinenhersteller können die Plattform nutzen, ihre Maschinen mit oder ohne Fahrer anbieten und so ggf. ihren Buchwert weiter abschreiben“, so der Geschäftsführer.

Einmal alles gepflügt, steht das Gerät in der Scheune herum. (Foto: Wobser)

Die Last mit der Auslastung

Rodney ist Digitalunternehmer. Mit seinem 20-Mitarbeiter-Unternehmen Fewclicks betreibt er bereits mehrere Online-Plattformen in unterschiedlichen Märkten. Das Agribusiness war neu für ihn. Aber in seinem Team arbeiten mehrere Landwirte mit. Seine Idee ist ohnehin digital geprägt: Was unter dem Prinzip der Sharing Economy in anderen Branchen klappt, müsse doch auch in der Landwirtschaft funktionieren. Das Problem der unzureichenden Maschinenauslastung kennt schließlich jeder Landwirt. Und woanders vermitteln digitale Plattformen ja auch die unterschiedlichsten Produkte und Dienstleistungen, ohne das angebotene Gut selbst zu besitzen: Zimmer für Übernachtungen (Airbnb), Taxifahrten (Uber) oder Musik (Spotify). Digitale Plattformen sind ein Geschäftsmodell-Trend. Doch bei Landmaschinen könnte es nicht ganz so einfach sein.

Traktoren sind keine Hotelzimmer

„Das Prinzip der Sharing Economy gibt es in der Landwirtschaft im Grunde seit eh und je“, sagt Rodney. „Wir heben die Idee lediglich ins digitale Zeitalter.“ Was Maschinenringe oder Maschinengemeinschaften zwischen benachbarten Landwirten also seit jeher tun, soll digitalisiert werden. Und wer bisher seinen Lohnunternehmer immer angerufen hat, soll ihn nun im Web buchen.
Dennoch gibt es Unterschiede einer Appartementvermietung zu einer Sharing Plattform für Landmaschinen. Der Bauer kann nicht wissen, zu welchem genauen Termin er seine Maschine übrig hat. Im Voraus buchen ist also schwer. Zu unvorhersehbar die Wetterkapriolen. Zu unberechenbar daraus resultierende Arbeitsspitzen. Schwierig einzuschätzen ist ferner, ob bei einer anonymisierten Online-Buchung genug Vertrauen herrscht, jemandem Fremdes seine Maschine anzuvertrauen. Auch Verschleiß lässt sich schwer messen und von logistischen Anforderungen der Maschinenüber- und rückgabe ganz zu schweigen.

Digitale Plattformen sind ein Geschäftsmodell-Trend. Doch bei Landmaschinen könnte es nicht ganz so einfach sein.

Auszug

Und doch: Neben den Betreibern von UseMyTec sind sich auch die Trendforscher einig, dass in Zukunft immer mehr Menschen Produkte und Dienstleistungen miteinander teilen werden. Im Jahr 2017 nutzten nach einer Umfrage von PricewaterhouseCoopers bereits 39 % der Deutschen Angebote der Sharing Economy.

Auch in der Landwirtschaft sind Vorteile denkbar, die Rodney natürlich im Visier hat: Bei unvorhergesehenen Arbeitsspitzen oder Schäden kann schnell für Ersatz gesorgt werden. Pachtflächen, die weit vom eigenen Betrieb entfernt liegen, können von Lohnunternehmern vor Ort rentabler bewirtschaftet werden. Die Investitionen in den eigenen Maschinenpark sinken. Die Auslastung für bereits angeschaffte Geräte steigt.

Auslastung rauf – Investitionen runter

Teilen aus Prinzip. Aber mit Prinzipien.

Der Gründer glaubt, dass diese Vorteile des Landmaschinen-Sharings überwiegen. Und Angst vor Schäden sei unnötig. Alle Maschinen, die über das Portal vermietet werden, sind über eine sogenannte „Regenschirmversicherung“ abgedeckt. Eine reibungslose Übergabe soll durch ein Protokoll wie bei der Autovermietung gewährleistet werden. Die Preise legt der Vermieter, also der Maschineneigentümer, selbst fest. Die 5 % Provision ist transparent für alle Nutzer sichtbar.

In der Praxis gab es nach Angaben des Geschäftsführers noch keinen Streit über Schäden. Es dauert einfach, bis Vertrauen aufgebaut werde. „Bislang konnten sich die Landwirte bei Leih- oder Mietaktionen immer einmal in die Augen schauen“, sagt Rodney. „Das jetzt online abzuschließen, ist erstmal neu für sie.“

Was unter dem Prinzip der Sharing Economy in anderen Branchen klappt, müsse doch auch in der Landwirtschaft funktionieren.

Text-Auszug

Seit Juli 2017 ist UseMyTec nun online. Mit 60 angebotenen Maschinen ist die Seite damals an den Start gegangen. Im September desselben Jahres waren es bereits 300. Mittlerweile finden sich über 1000 Maschinen auf der Plattform – das Ziel für 2018 sind 400 Vermietungen. Das Konzept braucht Zeit.

Oder aber mieten, statt teilen?

Die durchschnittliche Mietdauer liegt nach Angaben des Gründers bei etwa 40 Tagen, die meisten Anfragen haben etwa 10 Tage Vorlauf. „Allerdings liegen uns für diese Saison schon 40 Anfragen vor, die noch mehr als sechs Monate in der Zukunft liegen“, sagt Rodney. Ein Zeichen, dass vor allem kleinere Betriebe fest mit Mietgeräten planen, anstatt selbst in Maschinen zu investieren. Darauf stellen sich auch Landmaschinenhersteller ein und bauen erste Mietgerät-Flotten auf.

Weitere Zahlen gibt Rodney nicht preis. Er sagt, UseMyTec ist noch sehr jung und befindet sich noch in der Aufbauphase. Es ist wohl etwas Geduld gefragt. Aber Arbeitsspitzen wird es in der Landwirtschaft noch reichlich geben.