farm Interview

Landwirt bietet Soja-Patenschaften an

Sojafeld
Mit einem Schild in seinem Soja-Acker weist Landwirt Andreas Gerner auf seine Patenschafts-Aktion zum des Schutzes des Regenwaldes hin. (Quelle: Andreas Gerner)

Andreas Gerner baut auf seinem Ackerbaubetrieb in Unterfranken seit mehreren Jahren Sojabohnen an. Die Wirtschaftlichkeit des Anbaus gestaltet sich bisher jedoch schwierig. Soja-Patenschaften sollen nun Abhilfe schaffen.

Ob Patenschaften für Bäume, Blühstreifen oder Kühe – wer für ein landwirtschaftliches Produkt Pate werden will, hat viele Möglichkeiten. Seit wenigen Wochen können Privatpersonen nun auch Soja-Patenschaften übernehmen. Der Vollerwerbslandwirt Andreas Gerner baut seit sieben Jahren Sojabohnen auf seinem Ackerbaubetrieb in Unterfranken an. Wie Gerner zum Sojaanabau gekommen ist und welche Intentionen er damit hat, erfahrt ihr im Interview.


Das Interview

f3 - farm. food. future: Du baust nun seit sieben Jahren etwa 10 bis 15 ha Soja auf deinem Betrieb an. Wie kamst du dazu? Was sind die ausschlaggebenden Gründe?

Andreas Gerner: Für den Anbau von Soja sind in den vergangenen Jahrzehnten Millionen Hektar Regenwald abgeholzt worden, vor allem im Amazonas-Gebiet. Tendenz steigend. Die Abholzung schadet der Artenvielfalt und dem Klima weltweit. Mit dem Import kommt vor allem gentechnisch verändertes Soja nach Europa. Dem will ich entgegenwirken: mehr gentechnikfreies Soja aus heimischem Anbau.

Wer sich entscheidet, Soja-Pate zu werden, entrichtet einen Betrag von einmalig 50€ an mich.

Andreas Gerner

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Andreas Gerner baut auf seinem Ackerbaubetrieb in Unterfranken seit mehreren Jahren Sojabohnen an. Die Wirtschaftlichkeit des Anbaus gestaltet sich bisher jedoch schwierig. Soja-Patenschaften sollen nun Abhilfe schaffen.

Ob Patenschaften für Bäume, Blühstreifen oder Kühe – wer für ein landwirtschaftliches Produkt Pate werden will, hat viele Möglichkeiten. Seit wenigen Wochen können Privatpersonen nun auch Soja-Patenschaften übernehmen. Der Vollerwerbslandwirt Andreas Gerner baut seit sieben Jahren Sojabohnen auf seinem Ackerbaubetrieb in Unterfranken an. Wie Gerner zum Sojaanabau gekommen ist und welche Intentionen er damit hat, erfahrt ihr im Interview.


Das Interview

f3 – farm. food. future: Du baust nun seit sieben Jahren etwa 10 bis 15 ha Soja auf deinem Betrieb an. Wie kamst du dazu? Was sind die ausschlaggebenden Gründe?

Andreas Gerner: Für den Anbau von Soja sind in den vergangenen Jahrzehnten Millionen Hektar Regenwald abgeholzt worden, vor allem im Amazonas-Gebiet. Tendenz steigend. Die Abholzung schadet der Artenvielfalt und dem Klima weltweit. Mit dem Import kommt vor allem gentechnisch verändertes Soja nach Europa. Dem will ich entgegenwirken: mehr gentechnikfreies Soja aus heimischem Anbau.

Wer sich entscheidet, Soja-Pate zu werden, entrichtet einen Betrag von einmalig 50€ an mich.

Andreas Gerner

Der Import von Soja aus Nord- und Südamerika stößt auch wegen der oft schlechten Anbaubedingungen vor Ort zunehmend auf Kritik. Wünschenswert wären deshalb Importbeschränkungen. Deutschland als Exporteur von z.B. Autos ist aber auf den Welthandel angewiesen. Ob sich die Politik bewegt, bleibt also offen.

Sojaanbau in Deutschland

f3: Hat die Sojabohne auch ackerbauliche Vorteile?

Andreas Gerner: Soja als Eiweißpflanze verfügt über hochwertiges Protein – mehr als bei Erbse oder Ackerbohne. Die Kultur kann als Auflockerung zwischen Winterungen in der Fruchtfolge dienen und hat einen hohen Vorfruchtwert. Alternative Eiweißpflanzen haben es in Europa zwar bislang schwer, in der Sojabohne sehe ich für die Zukunft jedoch hohes Potenzial: Vor allem, da der Anbau von Raps als Haupteiweißquelle in Deutschland stark zurückgeht.

f3: Und wie sieht es wirtschaftlich aus?

Andreas Gerner: Wirtschaftlich ist der Anbau bisher leider kein großer Erfolg. Mit Mais und Weizen wird hierzulande mehr verdient. Die Erntemengen schwanken arg und vor allem ist der Marktpreis der Sojabohne viel niedriger, als er aufgrund seiner hochwertigen Inhaltsstoffe sein müsste. Das macht mir die Produktion unrentabel. Trotzdem bin ich am Ball geblieben, vor allem zum Schutz des Regenwaldes. Nun versuche ich über Patenschaften, den Anbau wirtschaftlich zu betreiben.

Für 50 €, die ein Pate an Andreas Gerner zahlt, baut er im nächsten Jahr auf einer Fläche von 1.000 Quadratmetern Sojabohnen an. (Quelle: Andreas Gerner)

Anbau mit Patenschaften voranbringen

f3: Wie funktioniert eine Soja-Patenschaft bei dir?

Andreas Gerner: Wer sich entscheidet, Soja-Pate zu werden, entrichtet einen Betrag von einmalig 50 € an mich. Das garantiert dem Paten, dass ich im kommenden Jahr auf einer Fläche von 1.000 m2 Soja anbauen werde. Auf einen Hektar gerechnet macht das 500 €. Das ist grob der Betrag, der mir fehlt, um Soja anzubauen, ohne Verlust zu machen.

f3: Was erhoffst du dir von deinem Patenschaften-Projekt? Können die Paten die finanziellen Defizite auffangen?

Andreas Gerner: Aktuell stehe ich mit der Aktion noch ganz am Anfang. Ich habe Schilder auf den Feldern, am Straßenrand und am Radweg aufgestellt. Mit der Hoffnung, dass das Angebot wahrgenommen wird. Wünschenswert wäre, dass langfristig meine gesamte Soja-Anbaufläche über Patenschaften getragen wird. Die ersten Interessenten für eine Patenschaft gibt es bereits. Ziel ist es, auch andere Landwirte mit ins Boot zu holen, um die Anbaufläche auszuweiten. Die bisherige Resonanz anderer Landwirte war durchweg positiv.

f3: Wer nimmt bisher dein Soja ab?

Andreas Gerner: Die Sojabohnen gehen an den Landhandel. Der Erlös beträgt dort im Schnitt etwa 350 € pro Tonne. Das ist nicht zufriedenstellend, aber derzeit die einzige Möglichkeit. Am liebsten würde ich das Soja direkt und unbehandelt an Rinderhalter abgeben. Langfristig erhoffe ich mir direkte Abnehmer und kurze Lieferketten.