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Landwirtschaft braucht KI-Technologie free

Landwirtschaftliche Innovationen, die mithilfe von Künstlicher Intelligenz arbeiten, fehlen in Deutschland. Zu dem Schluss kommt eine aktuelle Studie. (Foto: stock.adobe.com/zapp2photo)

Deutschland und andere EU-Länder verlieren den Anschluss in Sachen Künstliche Intelligenz (KI). Amerika, China und Israel ziehen als Innovationstreiber bereits davon. Vor allem im Agrar-Bereich.

Künstliche Intelligenz (KI) gilt als eines der Hauptfelder im wirtschaftlichen Wettbewerb des 21. Jahrhunderts. Nicht große Konzerne, sondern Start-ups sind hier die bestimmenden Innovationstreiber: Auf ihr Konto gehen Daten-Technologien wie Bilderkennung, Sprachverarbeitung oder automatisiertes Fahren. Die Studie „Artificial Intelligence – A strategy for European startups“ der Unternehmensberatung Roland Berger und der Investmentfirma Asgard zeigt nun: Deutschland hinkt weit hinterher.

USA, China und Israel vorn

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Im globalen Konkurrenzkampf liegt es im Interesse aller Wirtschaftsnationen, ein starkes Ökosystem für junge Unternehmen aufzubauen. Stand heute haben die USA eine Führungsrolle übernommen: Fast 40 % aller KI-Start-ups sind hier ansässig und können auf ein über Jahre aufgebautes Netz aus (halb)staatlichen und privatwirtschaftlichen Investoren zurückgreifen. Auf Platz zwei rangiert China, wo etwa 11 % der KI-Start-ups ansässig sind. Das Land pumpt derzeit Milliarden in die KI-Forschung. Den gleichen Anteil der globalen KI-Start-ups hat Israel vorzuweisen, ebenfalls 11%. Bemerkenswert: Pro Kopf gerechnet verfügt das kleine Israel über 40 mal so viele Start-ups wie die USA und wird in der Studie als der Hidden Champion der Künstlichen Intelligenz bezeichnet.

Europa muss Maßnahmen treffen

Nur, wenn alle Länder der Euro-Zone als Ganzes gezählt werden, liegt Europa mit 22 % KI-Start-ups an zweiter Stelle vor China und Israel. Jedoch erreicht bislang kein einziges europäisches Land  im globalen Vergleich eine kritische Masse an KI-Start-ups:

  • Großbritannien liegt mit 7 % auf Platz vier (245 Start-ups),
  • Frankreich mit 3,1 % auf Platz sieben (109 Start-ups) und
  • Deutschland mit nur 3 % auf Platz acht (106 Start-ups).

Die Initiatoren der Studie kommen zu dem Schluss, dass „Maßnahmen auf europäischer und nicht auf nationaler Ebene notwendig sind, um angesichts der amerikanischen und chinesischen Konkurrenz ein attraktives Ökosystem“ für KI-Start-ups zu schaffen.

Die EU will Dritten den Zugang zu landwirtschaftlichen Daten leichter ermöglichen. Er sei für die Entwicklung des digitalen Landbaus unerlässlich. Foto: Maren Drießen

Landwirtschaft ist unterrepräsentiert

Die Studie wirft darüber hinaus einen Blick auf den Branchenfokus der KI-Start-ups. Das Ergebnis: Einige wichtige Wirtschaftssektoren Europas haben nur sehr wenige KI-Start-iups vorzuweisen. Zu ihnen zählen:

  • Energie (2%),
  • Automobil (1%),
  • Immobilien (1%),
  • Landwirtschaft (1%) und
  • öffentliche Verwaltung (weniger als 1%).

Sind etablierte europäische Industrien fähig, sich auf wichtige Technologietrends einzustellen und so ihre Führungsposition zu behaupten?

Fabian Westerheide von der Investmentfirma Asgard

„Wir haben erwartet, dass Technologien wie Robotik, das Internet der Dinge (IoT) und selbstfahrende Autos, in denen Europa führend ist, auch bei KI-Start-ups überproportional vertreten sind“, sagt Fabian Westerheide, CEO von Asgard. „Unsere Ergebnisse sprechen aber eine andere Sprache. Sie rufen die Frage auf, ob etablierte europäische Industrien fähig sind, sich auf wichtige Technologietrends einzustellen und so ihre Führungsposition zu behaupten.“

Maßnahmenpaket empfohlen

Nur ein Bündel an Maßnahmen auf europäischer Ebene könne helfen, die Entwicklung von KI-Start-ups auf dem gesamten Kontinent voranzutreiben.

  • Ein sogenannter Young European Start-up-Status (YES) soll Firmen Zugang zu staatlichen Programmen und zum gesamten europäischen Markt ermöglichen. 
  • Es muss mehr Kapital in europäische KI-Start-ups fliegen: 2017 sammelten KI-Start-ups in einer durchschnittlichen Finanzierungsrunde in Deutschland 2 Mio. Dollar ein. Zum Vergleich: In den USA waren es 10 und in China sogar 36 MioDollar. Um diese Situation zu verbessern, sollte Europa Investitionen von Großunternehmen fördern und gleichzeitig die Finanzierung von Innovationen insgesamt diversifizieren.
  • Einführung eines speziellen Start-up-Visums um die Anziehungskraft der EU für Talente zu erhöhen. 

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